Tapetenwechsel?
25.05.2008
» mothor-gas-car

Zurück in die Zukunft, continued

von Stefan Häckel  


Man fragt sich das ja öfter. Was haben erfolglose Schauspieler eigentlich so gemeinsam? Im Falle von Patrick Swayze und Troy McLure – der im Simpsons Kinospaß sträflich übergangen wurde - ist es der Besitz eines DeLorean, also der automotiven Entsprechung des Misserfolgs.

Bild: kol_stefan_sw_03.jpg


Quelle: The Gap 079


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Der DeLorean ist die silbergraue unlackierte Edelstahlkarosse aus Filmen wie Zurück in die Zukunft, in denen der DMC-12 in voller Pracht und samt nicht serienmäßigem Flux-Kompensator, Atomantrieb und anderem pyrotechnischen Firlefanz den kleinen Marty McFly (Michael J. Fox) und den großartigen Doktor Emmet Brown (Christopher Lloyd) durch die Zeit hin und her transportiert hat. Das war vielleicht ein Durcheinander. Was andere erfolglose Schauspieler so gemeinsam haben interessiert übrigens nicht, falls das jemanden unter den geneigten Lesern noch interessiert hätte. Wesentlich wichtiger ist es zu wissen, dass ein geschäftstüchtiger Automechaniker aus Texas – nur Bullen und Schwule kommen aus Texas, sagte der Drill Seargant an anderer Stelle zu Private Cowboy – namens James Espey dieses wunderbare Auto nach mehr als 25 Jahren nun also wieder baut. Geschätzte 6000 DeLoreans fahren weltweit noch, die Espey mit seiner neu gegründeten DeLorean Motor Co. wartet und stets mit Teilen versorgt. Angeblich soll es aber auch Menschen geben, die vor zwanzig Jahren Teenager waren, so Espey weiter. Ach so, der Satz hätte noch weitergehen und damit enden sollen, dass diese mittlerweile erwachsenen Teenager damals die Filme gesehen und nun ausreichend Geld hätten, um sich einen DeLorean zu kaufen. Unglücklicherweise handelt es sich dabei um verwöhnte iPod-Schnösel, Air-Bag-als-Serienausstattung-Verlanger und andere Navigationssystem abhängige Vorwärts-Einparker, denen ein sattes 2,85-Liter-Aggregat mit Doppelvergaser ökonomisch bedenklich vorkommt. Dabei ist der DeLorean nie schneller als ein Serien-Golf gelaufen. Total harmlos also. Dass das als Argumentation trotzdem nicht ausreicht ist Retro-Vordenkern wie Espey aber völlig glasklar, weshalb er einen neuen Mechanismus für die Flügeltüren, neue Fensterheber, neue Bremskraftverstärker, ABS, Air Bag, ein neues Gurtsystem, einen anderen Motor (ab sofort werkt da ein Turbolader und erhöht die Leistung von ursprünglichen 132 auf astronomische 260 PS) und noch anderen Schnick-Schnack konzipiert, der dann in geballter Form mit dem runderneuerten DeLorean DMC-12 nächstes Jahr auf den Markt kommt. Alles wird generalüberholt – das ist dann ein brandneues, 25 Jahre altes Auto, meint der Texaner erfrischend wortwitzig. Der Mann hat gut Lachen, er hat damals ja die Krise des ursprünglichen Erfinders dieses Autos, John DeLorean, nicht miterleben müssen. Der war vor langer Zeit ein hohes Tier bei GM und wurde nicht müde seinem Vorstand vorzuwerfen, dass es in dieser Bude keine vorwärtsgewandten Antworten auf die Frage gäbe, was die Leute heute (1975) so wollen. DeLorean wollte immer ein „ethisches“ Auto bauen und war damals der Auffassung, dass kompakten, qualitativ hochwertigen Fahrzeugen mit leistungsstarken Motoren die Zukunft gehöre. Dumm, dass der wenige Jahre nach seinem Ausstieg bei GM unter eigener Regie entworfene DeLorean DMC-12 all diese Kriterien nicht erfüllen konnte. Immerhin, das Design stammte von Giorgetto Giugiaro - obwohl es eigentlich eine Vorlage des Porsche 928 war, die die Zuffenhauser Autobauer zuvor abgelehnt hatten. Aber die Qualitätsmängel und der eklatant hohe Preis – anstelle der anvisierten USD 12.000 (daher der Name DMC-12, DeLorean Motor Company 12.000 Dollar) wurde das Fahrzeug mit USD 25.000 etwas teurer angeboten – waren die Sargnägel dieses Autos. Nebst der Tatsachen, dass es technisch nicht auf der Höhe der Zeit und schlichtweg zu langsam für einen Sportwagen war. DeLorean war zwar schlau genug gewesen, seine Fabrikshallen Anfang der 80er Jahre in der von der britischen Regierung  millionenschwer subventionieren nordirischen Krisenregion Dunmurry zu errichten, aber selbst ein 1982 nachgeschossener zweiter Kredit in Höhe von 30 Mio. Pfund konnte das Scheitern der ersten DeLorean Motor Company nicht verhindern. Drei Jahre später, 1985, als die Firma längst in Konkurs und wesentliche Maschinen der Fertigungstrasse im Atlantik versenkt waren, kam der erste dieser Filme in die Kinos und zeigte ein Auto als Zeitmaschine, das futuristisch aussah, dabei der breiten Masse völlig ungekannt und in großer Stückzahl aus unverkauften Lagerbeständen erhältlich war. Die jungen unbedarften Produzenten Steven Spielberg und Robert Zemeckis haben aus ihrer budgetären Not eine Tugend gemacht und dabei versehentlich aus einem Ladenhüter ein Kultauto. Und ich will es haben, ich ehemaliger Teenager ich, diese Mutter aller wieder aufgelegten Autos von damals.

 

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