Tapetenwechsel?
07.02.2012
» wiener clubkultur

Wiener Clubs im Interview: Das Werk

von Johannes Piller  


Die Wiener Clublandschaft floriert. Wiener Clubs genießen mittlerweile einen guten internationalen Ruf bei Acts, Bookern und – vor allem – dem Publikum. The Gap sieht genauer hin und trifft einige Clubmacher zum Interview. Heute: Stefan Stürzer von Das Werk. 

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Von Studentenparties über Modeschauen, von Theaterstücken über Lesungen, von Atelliers bis hin zu hippen Ausstellungen. Das Werk bietet seit zwei Jahren ein multikulturelles Allerlei und im Keller des Gebäudes auf der Neulerchenfelderstraße im 16. Wiener Gemeindebezirk befindet sich das Erdwerk, wo einst der Susi Klub seine Residenz hatte, Hipster neben Tekknopunk Schweiß überströmt Bier trinken und der Wuzzler im Eingangsbereich mehr Sinn macht als eine schnöde Garderobe. The Gap hat den Kopf hinter diesem Mammutprojekt, Stefan Stürzer aka Stizz zum Interview gebeten um mehr über die Visionen des Clubbetreibes zu erfahren.

 

Wonach habt ihr in Wien gesucht und wie habt ihr die Location gefunden?

Im Wesentlichen haben wir in Wien eine Basis für Kunst in Verbindung mit dem Nachtleben gesucht, die wir nach unseren Vorstellungen gestaltet haben. Dabei war die Herausforderung für uns:

Genügend Platz für Ateliers: Zur Zeit beherbergen wir 22 Ateliers im Werk – in denen cirka 70 Künstlerinnen und Künstler aus 16 verschiedenen Nationen arbeiten. Es werden weitere Ateliers hinzukommen - wir sind immer am wachsen und gedeihen. Wenn es so wird wie wir es uns vorstellen, sollte das Werk bis Sommer 2012 an die 30 Arbeitsplätze beherbergen.

Einen Kunstraum – die Werkerei: Ein Raum der für Theater, Vernissagen, Lesungen, Filmabende, Workshops u.ä. angemietet werden kann. Und auch für hauseigene Veranstaltungen. Oder einfach nur zum gemütlich Kaffe oder Bier trinken.

Und einen Club (das Erdwerk): Also nicht gerade bescheiden. Für uns ist gerade die Mischung, die Abwechslung und das Vielfältige interessant. Und dass in diesen Kombinationen wieder ganz neue Möglichkeiten entstehen. Gefunden haben wir das Werk letztendlich im Herbst 2009 –  in einem Hinterhof auf der Neulerchenfelderstraße 6-8 in 1160 Wien –  nachdem wir uns schon etliche Häuser angesehen haben. Schwer renovierungsbedürftig aber mit Einsatz machbar.

Was waren die großen Baumassnahmen um den Clubbetrieb zu ermöglichen?

Die großen Baumaßnahmen begannen im Dezember 2009 und umfassten fast das gesamte Haus. Es war weder Wasser, Strom, Heizung, Toiletten, noch eine Lüftung vorhanden. Außer Schimmel und ein löchriges Dach war sozusagen gar nichts geboten. Nur wirklich viel Fläche.

Wir begannen Anfangs mit allerhand Durchbrüchen für die Notausgänge. Weiters widmeten wir uns dem Abklopfen des Verputzes, der die Hausmauer, welche aus Natursteinen besteht über Jahrzehnte im gesamten Gebäude einschloss und somit zur Schimmelbildung beitrug. Wir verlegten neue Stromleitungen, Wasserleitungen und installierten eine Heizung für 1500m² Nutzfläche. Zogen Rigipswände hoch, die die Ateliers unterteilen. Legten in der Werkerei einen Holzboden, bauten eine Bühne und schweißten eine Bar. Wir flickten das Dach und bemühten uns die Lüftungsanlage soweit wie nur möglich selbst anzuschließen um Kosten zu sparen. Es wurde noch gefliest, Toiletten installiert, fleißig ausgemalt, Fenster ausgetauscht und alles nach gesetzlichen Bestimmungen in Brandabschnitte unterteilt. Eine Brandrauchentlüftung angeschlossen, die vorgeschriebenen Notlichter und Notlichtbalken aufgehängt, ein 15 Meter langer und drei Meter hoher Durchgang der nachts als Eingang dient wurde in nur drei Tagen samt Fundament und Dachkonstruktion aufgeziegelt. Geländer geschweißt, Treppen gestemmt und erneuert, eine zweite Bar im Clubbereich aufgestellt. Und dennoch haben wir noch immer keine Garderobe, die aber schon in Planung ist.

Ihr musstet vor einiger Zeit aus behördlichen Gründen fast schließen, durftet eine Zeit lang keinen Alkohol selbst ausschenken. Was waren die Gründe dafür?

Es ist damals alles über den Kulturverein Werk gelaufen. Im Dezember 2010 gesellte sich das Gewerbeamt zu uns und unser Projekt wurde von einem auf den anderen Tag geschlossen. Bevor wir damals überhaupt mit dem Umbau angefangen haben, holten wir uns alle Infos vom MA36 (Magistrat für Veranstaltungen). Wir adaptierten die Location nach deren Vorschriften und bekamen von ihnen das OK. Keiner von uns wusste zu der Zeit auch nur ansatzweise, dass noch gefühlte 15 Magistrate folgen werden und jedes seine eigenen Vorstellungen vom Werk hat.

 

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