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Wie Werber die Schweinegrippe vergessen - 06.05.2009
Während sich alle vor der neuen Grippe fürchten, verbreitet sich in der Werbebranche eine alt bekannte Krankheit: Alzheimer.
Werbepause. Texterin Bettina Benedikt schreibt zwischendurch über die wunderliche Welt der Werbung.
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Werberalzheimer kommt schleichend. Am Anfang denkt sich niemand etwas dabei, wenn ein Werbekunde behauptet: „Das hab ich doch gesagt“, oder „das haben wir doch so besprochen“. Man sucht die Schuld erst bei sich selbst und denkt, man hat im Gespräch nicht gut genug aufgepasst. Oder der Handyempfang war einfach schlecht. Aber dann häufen sich die Widersprüche. Was an einem Tag noch gewünscht war, ist am nächsten hinfällig. Kunden wissen plötzlich nicht mehr, was sie beauftragt haben und wollen alles anders haben, und das am liebsten gestern. Werberalzheimer beeinträchtigt also auch massiv das Zeitgefühl.
Leider hat sich Werberalzheimer mittlerweile von den Kunden auf die Agenturen ausgebreitet. Dort scheinen Vorgesetzte besonders anfällig zu sein. Geschäftsführer vergessen, dass sie noch vor kurzem die Plakatentwürfe ganz großartig fanden – auf einmal wollen Sie neue Ideen. In ganz schlimmen Fällen von Werberalzheimer kommt noch eine komplizierte Form der Persönlichkeitsspaltung hinzu. Erste Anzeichen sind Formulierungen wie „Wir haben doch gesagt, ...“, wobei der Inhalt der Aussagen nicht stimmt und die jeweilige Person mit „Wir“ nur sich selbst meint.
Ein hundertprozentig wirksames Mittel gegen Werberalzheimer gibt es bis dato nicht. Interessanterweise steigen aber die Heilungschancen proportional zur Dauer eines Schubes. Am Beispiel der Plakatentwürfe heißt das: Zeigt man dem Chef nach zig Entwürfen wieder den allerersten, findet er diese Idee wie durch ein Wunder ganz toll. Weil er eben schon wieder vergessen hat, dass er diesen Entwurf schon einmal abgelehnt hat, nachdem er ihm ursprünglich gefallen hatte. Diese Methode hat sich zwar schon bewährt, sie birgt aber ein hohes Risiko: Wenn der Werberalzheimerpatient sie durchschaut, ist er für immer immun dagegen.
Weitgehend unerforscht ist die Frage, ob sich die Betroffenen ihres Handicaps überhaupt bewusst sind. Eine These ist, dass manche Patienten die Krankheit zum Vorwand nehmen andere zu tyrannisieren. Wissenschaftlich erwiesen ist das nicht. Aufgrund der Schnelllebigkeit und der hohen Fluktuation in der Werbung wird es auch niemals Langzeitstudien zu Werberalzheimer geben. Ein Impfstoff gegen die Schweinegrippe wird also garantiert schneller entwickelt.
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