Tapetenwechsel?
13.06.2012
» fabula rasa

Vertretbarer Kulturpessimismus

von Georg Cracked  


Also lasst mich noch Folgendes zum Kulturprogramm sagen, bevor es endgültig zu regnen beginnt: Es ist wahnsinnig leicht, immer dagegen zu sein, aber es ist verdammt schwierig, auch nur ein einziges Mal wirklich richtig gegen oder völlig für etwas zu sein.

cracked69@hotmail.com
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Bild: FabulaRasa_12.jpg


Quelle: The Gap 127


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Und gerade die, die immer rumnörgeln, bei allem immer wissen, warum es nicht geht und warum alle anderen Trotteln sind, sind auch die, die sich nie hinstellen und mal was eigenes machen, etwas unternehmen oder anfangen oder auf die Beine stellen – und dadurch auch nie etwas erfolgreich zu Ende bringen. (Und seinen Posting-Count auf standard.at auf über 1.000 zu treiben, gilt nicht als Leistung …) Dieses Lavieren durchs Leben zieht sich auch durch die gesamte letztens erfolgte Pressemeldung: »Schlecht: dm lässt in Bangladesch fertigen. Außerdem ist dm nicht immer der billigste Drogeriemarkt.« Wie denn nun? Wenn alles billig sein soll (und billiger noch als die anderen auch noch billigeren, und dann auch noch immer billiger), dann muss der Kram auch wirklich richtig billig gefertigt werden, weil teuer herstellen und dann billig verkaufen geht nicht. Und wenn richtig billig gefertigt wird, dann wird es schnell ungustiös, unmenschlich und unmoralisch (und die Qualität ist auch schlecht).

Ein Kollege kauft sich einen frisch gepressten Multi-Vitamin-Tropical Smoothie aus Fair Trade gehandelten Früchten und ein anderer Kollege sagt: die Früchte kommen mit dem Flugzeug aus einem anderen Kontinent, das ist total schlecht wegen dem Zeh-Oh-Zwei. Na gut, dann eben Cola, weil das wird vor Ort gefertigt? Oder, ha-ha, Facebook-Aktie total schlecht! Ha-ha, Trackshittaz nicht im Finale! Und das geht den ganzen Tag so und die halbe Nacht. Also hab ich überlegt, was man tun kann, wogegen keiner was haben kann: In der Sonne sitzen – schlecht wegen Sonnenkrebs und Faulenzen ist nicht leistungsorientiert. Zuhause bleiben – bist du ein asozialer Couch-Kartoffel. Ein Unternehmen gründen – bist du einer von diesen Performance-Managern, die nur aufs Geld schauen. Ein Unternehmen gründen, das Menschen hilft, die sich nicht helfen können und rundum supergut ist – man sollte aber sowas nicht aus Eigennutz, sondern aus Güte und Mitmenschlichkeit tun, also auch ehrenamtlich und nicht damit Geld verdienen.

Ich frage jetzt: wer stellt diese Regeln auf? Egal, ich halte mich nicht mehr dran. Wenn ich was für richtig halte, dann kümmere ich mich ab jetzt nicht mehr um die Meinung anderer. Und schon gar nicht um eine Internet-Poster-Meinung. Ich nehm mir jetzt ein Glas Wein, setz mich auf den Balkon und schau dem Regen zu. Und das ganz ohne Kommentar-Posting-Funktion.

 

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