Tapetenwechsel?
werber - ein fragwürdiger beruf

Stimmen im Kopf - 21.07.2009

Bettina Benedikt


Immer öfter schreibt uns die Werbung vor, auf wen wir hören sollen: „Hör auf deinen Bauch“, „Hör auf dein Herz“, Hör auf deinen grünen Daumen“. Wenn unsere Körperteile alle gleichzeitig reden, wird’s ganz schön laut im Kopf.

Werber - ein fragwürdiger Beruf

Werbepause. Texterin Bettina Benedikt schreibt zwischendurch über die wunderliche Welt der Werbung.



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Nicht jeder kann die Stimmen im Kopf einfach ausblenden, manche sind dem Tumult hilflos ausgeliefert. Diese armen Geschöpfe kennt jeder von uns - und hat ihnen womöglich schon einmal unrecht getan.

Sehen wir uns doch einmal im Supermarkt um: Auf den ersten Blick ist es ein ungezogenes Gör, das sich da vor der Wursttheke am Boden wälzt und schreit. In Wahrheit ist dieses arme Kind ein Opfer der Werbung. Sein Bauch sagt „eine Extrawurstsemmel mit Gurkerl“, das Herz sagt, „bloß keine Wurst, sonst hast du in 60 Jahren einen Herzinfarkt“. Und der grüne Daumen sagt: „Ich wollt eigentlich zum Bellaflora – sind wir schon da?“

Ein weiterer Sklave der Werbestimmen ist der scheinbar völlig orientierungslose Mann, der seinen voll geräumten Einkaufswagen bei der Tiefkühlkost mitten im Gang stehen lässt. Sein Hausverstand sagt ihm noch, „da kommt ja jetzt keiner mehr vorbei“. Aber der Hausverstand hat dem armen Mann schon bei der Milch und bei der Wurst die Ohren voll gesungen. Also geht der Mann jetzt ohne Einkäufe nachhause – seinen Ohren zuliebe. Denn die Werbung sagt: „Liebe deine Ohren.“

Spontanes Handeln ist überhaupt ein typisches Anzeichen für den Einfluss der Stimmen im Kopf. Auch die Frau, die ihr Auto vorm Supermarkt gleich über zwei Parkplätze abgestellt hat, tut das nur auf Befehl eines Körperorgans. Wahrscheinlich hat der Darm ihr eingeflüstert, so schnell wie möglich eine Vorratspackung Activia zu kaufen – sch... aufs Einparken.

Ach ja, falls Sie die Stimmen auch hin und wieder hören: Lachen Sie drüber und denken Sie dabei ganz fest an die NIVEA-Werbung: „Wenn ich lache, lache ich mit dem ganzen Körper.“

 

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