Tapetenwechsel?
14.05.2010
» shanghai calling

Shanghai Calling #5

von Werner Schröttner  


In den letzten paar Wochen gab es in China fünf Attacken auf Kindergärten und Grundschulen. Die Täter griffen Kinder, Lehrer und Wachleute mit Messern bzw. einem Hammer an. Die Bevölkerung ist erschüttert. Nicht zuletzt durch die Einkindpolitik haben Kinder in der chinesischen Gesellschaft einen ganz besonderen Stellenwert. Solche Angriffe sorgen daher für besonders viel Aufmerksamkeit. Vermutlich wissen die Täter das auch.

Shanghai Calling

Werner Schröttner lässt die Super-Fi-Arbeit mal für vier Monate ruhen und befindet sich gerade auf Bildungskarenz in Shanghai. Chinesischkurs und so. Mehr zu seinen Erlebnissen auf tumblr.


Bild: SNV13791.JPG



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Mittlerweile gibt es bereits einige Erklärungsversuche, warum sich die Taten auf Kindergärten und Grundschulen häufen. Der US-Psychologe Joshua Miller sah in einer Expertenrunde im chinesischen TV "sozialen Stress" als Hauptursache für die Attacken. Miller glaubt, dass vor allem der Stress durch den schnellen sozialen Wandel, Massenmigration, Aufweichung der Traditionen und Ungleichverteilung des Reichtums verstärkt zu Verunsicherung und psychischen Problemen führen (nachzulesen auf xinhua.net).

Motive für Attentate
Das Attentat auf den Kindergarten in Weifang hatte beispielsweise eine besondere Vorgeschichte: Der Täter, ein Bauer, hatte sein gesamtes Vermögen (110.000 RMB - ca. 12.000 Euro) in den Bau eines Hauses auf einem seiner Felder investiert. Das ist in China allerdings illegal. Als er von der Polizei erfuhr, dass das Haus behördlich abgerissen wird, nahm er einen selbstgebauten Hammer und fuhr in den Kindergarten. Vermutlich sah er darin die einzige Möglichkeit auf seinen Fall aufmerksam zu machen (Artikel auf xinhua.net). Der Attacke auf den privaten Kindergarten in Linchang ging offenbar ein Mietrechtsstreit voraus (Artikel auf xinhua.net).

Man sollte die Ursachen also nicht alleine im sozialen Wandel suchen. Einige der Attacken dienen offenbar dazu, um auf etwas anderes hinzuweisen, für das sich sonst niemand interessieren würde.

 

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