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Na dann Prost - 0
Alkohol ist ja gerade in aller Munde, mehr als sonst. Im Rahmen des aktuellen und notwendigen Diskurses zum Thema Komatrinken wird vor allem eines wieder offenkundig: das dringende Verlangen, den Alkoholgenuss zu bagatellisieren oder bei der Lösung des Problems anhand Vorschlägen wie farbigen Bändern oder Ausweisen zu dilettieren.
Da will auch Mothor Gas Car – sprich Madagaskar – als verlässlich zündende Kolumne nicht hinten anstehen und in dieser Diskussion für weiteren Treibstoff sorgen. Alkohol ist nämlich tatsächlich eine tolle Sache und sorgt derzeit abgesehen von tragisch verirrten Jugendlichen auch anderorts für strahlende Gesichter: bei Vertretern der Autoindustrie. Denn Alkohol, genauer Bioethanol, macht Autos vereinfacht gesprochen schneller und sauberer. Bioethanol wird aus nachwachsenden Rohstoffen wie Mais, Raps, Holzschnipsel und künftig auch aus Biomasse aus dem Hausmüll gewonnen. Da Ethanol bei niedrigen Temperaturen jedoch ungünstige Eigenschaften aufweist, hat sich in der Autoindustrie die Variante E85 durchgesetzt, eine Mischung aus 85% Bioethanol und 15% Normalsprit. Beim bald im Handel erhältlichen Saab 9-5 Bio Power kann aufgrund der hohen Oktanzahl – diese liegt bei 104 – der Ladedruck erhöht werden, wodurch der 2,3-Liter-Turbomotor anstelle von 185 PS über nunmehr 210 PS verfügt. Wegen der geringen Energiedichte des Treibstoffs brauchen E85-Motoren zwar bis zu 30% mehr Treibstoff, in der CO2-Bilanz kommen diese Fahrzeuge aber bei ganzheitlicher Betrachtung dennoch ganz gut weg. Grund: Bei der Verbrennung von Bioethanol wird nur so viel CO2 freigesetzt, wie die Pflanze während ihres Wachstums aufgenommen hat, womit der Ausstoß des Treibhausgases gegenüber reinem Benzinbetrieb unterm Strich um bis zu 80% sinkt. Zusätzlich entlastet der wesentlich geringer besteuerte Ethanol auch das Geldbörsel der Autofahrer. Die Umstellungen des „normalen“ Saab-Aggregats auf den E85 fallen sehr gering aus - neue Schläuche, Ventile und Ventilsitze, da Alkohol aggressiver als Benzin ist – und landen bei schlanken € 1.000,- Aufpreis. Der Umbau aller Zapfsäulen einer Tankstelle wird mit ebenfalls moderaten € 10.000,- veranschlagt. Klingt zu gut um wahr zu sein, nach ferner Zukunft? Mitnichten. Des Bobos Lieblingsurlaubsland Brasilien fährt seit Jahren auf Ethanol ab. Mehr als 80% aller Fahrzeuge werden dort bereits mit E85 betankt, der ideale Testmarkt für den weltgrößten Autohersteller Toyota. Dieser schickt mit seinen beiden exklusiv nur in Brasilien erhältlichen Modellen Corolla Flex und Corolla Fielder Flex die weltweit ersten Serienmodelle auf die Straße, die mit 100%igem Pflanzenalkohol fahren. Toyota ist derzeit bekanntlich hauptsächlich aufgrund seiner umweltfreundlichen Prius-Hybrid-Modelle erfolgreich. Diese Hybrid-Motoren sind eine umweltfreundliche Kombination aus Elektromotor für ein langsameres (Stadtverkehr) und einem Verbrennungsmotor für ein schnelleres Fortkommen (Überland, Autobahn) und auf dieser grünen Imagewelle will Toyota gerne länger obenauf schwimmen. Brasilien auch deshalb, weil es nach den USA der zweitgrößte Produzent von Bioethanol ist, der dort allerdings aus Zuckerrohr gewonnen wird – für dessen Anbau wiederum der Regenwald abgeholzt wird. Ein Teufelskreis, um dessen Auflösung sich die Regierung Brasiliens derzeit (angeblich) kümmert – Stichwort Biomasse -, dessen Zentrum trotzdem jetzt schon eine positive Symbolwirkung hat. In den USA, wo General Motors (GM) Chef Rick Wagoner mit seinen Kollegen von Ford und Chrysler eine Selbstverpflichtungserklärung unterschrieben hat, erklären die „Big Three“ den E85-Anteil ihrer US-Verkäufe bis 2010 verdoppeln zu wollen, was bei GM im Jahr etwa 400.000 Fahrzeugen entspricht. Bis 2012 soll die Flotte der drei gar verdoppelt werden, meint Wagoner, und verweist auf die Vorbildwirkung Brasiliens. Die Situation wirkt derzeit dennoch ein wenig grotesk: Einer – auch in Österreich relativ großen, sonst - riesigen Bioethanol-Produktion stehen nur ein paar Autos – neben den Saab-Bio-Power-Modellen bringen bald auch Volvo und Ford ihre Flexi-Fuel-Modelle heraus – gegenüber, die E85 vertragen. Und beide können kaum zusammenkommen, weil es derzeit so gut wie keine Tankstellen gibt. Womit es wieder an der EU liegt, einen gewissen Bioethanol-Anteil im Treibstoff vorzuschreiben, wodurch die Bioethanol-Produktion von der Mineralölindustrie nicht mehr bekämpft sondern wahrscheinlich gekauft werden würde, um so die Verkehrshoheit behalten zu können – die auch den nötigen Tankstellenumbau beinhaltet. Aber gut, Alkohol ist nun mal kein ungetrübter Freudenbringer. Es bleibt zu hoffen, dass in diesem Zusammenhang die große Ernüchterung ausbleibt und man bald mit gutem Gewissen so richtig lässig rasen kann - bis zum prognostizierten Verkehrskollaps, dem totalen Stillstand. Über den denken wir aber ein andermal nach.
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