Tapetenwechsel?
story

"Michael Jackson tot"

Stefan Niederwieser


Um 00:06 bekomme ich genau diese Kurznachricht von einer mir unbekannten Handy-Nummer. Schockrückblende "King of Pop".

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Erster verdatteter Blick nach: Twitter. Dort hört man sich heutzutage zuerst um. Man zwitschert sich noch widersprüchliches quer über den Erdball zu. Der Hashtag „#cardiac arrest“ schält sich ziemlich schnell heraus und bis ein Uhr mischen sich immer mehr „confirmed“ unter die Meldungen. Für Bestätigung verlässt man sich immer noch auf die Glaubwürdigkeit klassischer Medien. LA Times, CBS, BBC – the king is dead, long live the king.

Kein Album hat sich so oft verkauft wie „Thriller“. Keine Musik des 20. Jahrhunderts wird dementsprechend so universell geschätzt, wie die Musik von Michael Jackson. Denn es gibt Musik, die in den USA ähnlich erfolgreich war, aber quer über den restlichen Erdball ist Michael Jackson der großartigste gemeinsame Nenner zwischen den Kulturen und so etwas wie eine allgemein verständliche Chiffre US-amerikanischer Kultur. Und das, obwohl er als Person sehr widersprüchlich war. Zu seiner Kindlichkeit und seinem unvorstellbaren Reichtum kam vor allem sein selbstzerstörerischer Umgang mit seinem eigenen Körper; und später eine Reihe von unaufgelösten Vorwürfen sexueller Belästigung von Kindern.

Gerade am Anfang seiner Karriere verkörpert Michael Jackson mit den Jackson 5 den enormen Erfolg von Motown Records aus Detroit, seine langsame Integration in den Entertainment-Mainstream und damit in den Mainstream der US-amerikanischen Gesellschaft. Nach den erst vor 10 Jahren aufgehobenen Gesetzen zur Trennung nach Hautfarben in den Südstaaten versinnbildlichten Motown und Jackson den mühsamen und duldsamen Weg der ökonomischen Integration. Michael Jackson spielte bald nach den ästhetischen und sozialen Regeln der weißen Mehrheit. Was dann „Thriller“ ausmachte, war unter anderem, dass Sex nicht nur in einer harmlosen Verpackung verkauft werden konnte, dass die Geschichte kindertauglich und klaustrophobisch zugleich war, seine epochalen Videos ganz enorm auf seine Musik zurück strahlten – und die Musik schlicht eine der tanzbarsten von Neverland über Indien und Mallorca bis Fantasia war. Seine späteren Alben mussten sich daran messen lassen und seine Rolle wurde in einer Zeit maximaler Ghettoisierung der nationalen Minderheiten immer öfter angegriffen.

Geprügelt von seinem Vater, eine Scheinehe mit Lisa Marie Presley, langsamer Verlust von Haut-Pigmenten und klarer Geschlechtsmerkmale, Nasen-OPs, angeblicher Medikamenten-Missbrauch in den allerletzten Jahren, Medienprügel, noch mehr Prügel und sicher viel eklige Geschäftemacherei mit seinem Tod. Auf der anderen Seite Über-Stardom, Live Aid, soziale Integration, unterschwelliger Sex, Video- und Dance- und Musik-Kunstwerk, totales Entertainment - an Michael Jacksons Vorbild lassen sich so viele Transformationen innerhalb der USA ablesen und trotzdem hat diese einzelne Person vier Jahrzehnte globale Kulturgeschichte geprägt wie sonst vielleicht noch... Eben.

 

Linksammlung:

www.tmz.com
pitchfork.com/news/35744-michael-jackson-has-heart-attack/
blogs.villagevoice.com/music/archives/2009/06/michael_jackson.php
artsbeat.blogs.nytimes.com/2009/06/25/michael-jackson-hospitalized/
www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-43777.html
pitchfork.com/news/35746-artists-react-to-michael-jacksons-death/
musikwirtschaftsforschung.wordpress.com/2009/07/03/michael-jackson-king-of-pop-1958-2009-%e2%80%93-in-memoriam/

 

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So ein Scheissleben aber auch

Schon als Kleinkind auf die Bühne gestellt, besser gesagt vom lieben Papa geprügelt, Teeniestar, Megahits, permanent oszillierend zwischen Objekt lächerlich übertriebener Verehrung (nicht wegen ihm, solche Verehrung wär bei jedem Menschen lächerlich) und sich selber völlig der Lächerlichkeit preisgeben - Von der Ferne hat Jacko schon lange gewirkt wie ein kleiner Bub der sich im Wald verirrt hat und der jetzt heulend und nach der Mama schreiend unter einem Baum sitzt. Hätt ihm sehr gewünscht dass er sich ein wenig einkriegt und ihm noch ein bisschen der Wind des wirklichen Lebens um die Nase weht (achtung: keine Ironie). Der war wohl trotz seines Geldes und seines Erfolges immer nur in der Scheissgassen und hat nicht raus gefunden...


JosefSchick am 26.06.09 um 15:36 | Antworten

thomasw

da hast du wohl recht

definitiv ein bedauernswerter mensch


thomasw am 26.06.09 um 16:26

ziemlich armes schwein

er war definitiv total gestört, wegen genannten dingen auch kein wunder. er hat mir immer leid getan. dass er nicht mehr auf die beine kam in den letzten jahren, war echt schade. ich hätte ihm ein echtes comeback gewünscht, dass er sich gute produzenten wie pharell oder timbaland holt und noch mal allen zeigt, wer der king ist. es gab doch auch immer gerüchte, dass er mit will.i.am an einem neuen album arbeitet?


weirdsista am 26.06.09 um 17:12
stefanniederwieser

menies wissens hatte pharell ihm ein ganzes album angeboten, aber jacko mochte die musik nicht und 'invincible' wurde veröffentlicht wie es nun in den virtuellen regalen steht.


stefanniederwieser am 28.06.09 um 13:27

Mass Moonwalk

Heute 18:30 Uhr am Karlsplatz: Mass Moonwalk! www.super-fi.eu/2009/06/26/moonwalk/


sober am 26.06.09 um 15:20 | Antworten

Letzte Nacht

war weg, sitz gerade im Taxi auf der Heimfahrt, ca. 2 uhr, radio war an, dann kam die nachricht...


FMaximilian am 26.06.09 um 12:21 | Antworten

thomasw

sony comments on the passing of michael jackson

soeben als mail von sony music eingelangt: Sony Comments on the Passing of Michael Jackson NEW YORK, NY – June 25, 2009 – Michael Jackson, one of the most widely beloved entertainers and profoundly influential artists of all-time, leaves an indelible imprint on popular music and culture. Commenting on his passing, Sir Howard Stringer, Chairman, CEO and President, Sony Corporation, said: “Michael Jackson was a brilliant troubadour for his generation, a genius whose music reflected the passion and creativity of an era. His artistry and magnetism changed the music landscape forever. We have been profoundly affected by his originality, creativity and amazing body of work. The entire Sony family extends our deepest condolences to his family and to the millions of fans around the world who loved him.” Rolf Schmidt-Holtz, CEO, Sony Music Entertainment, said: “Michael Jackson's unsurpassed artistry and beloved music brought joy to every corner of the world. We join today with his millions of fans in expressing our profound sadness and we offer our deepest condolences to his family and loved ones. It was a true privilege for all of us in the Sony Music family to work with one of the most talented superstars in the history of music. We will miss him greatly.” Martin Bandier, Chairman & CEO of Sony/ATV Music Publishing, said: “Michael was the kind of amazing talent that comes along once in a lifetime. He was an incredible recording artist, an insightful businessman, an unmatched performer, and a true icon. To all of us at Sony/ATV Music Publishing, he was also a trusted and passionate partner, who was very proud of our accomplishments. He will be dearly missed. We wish his children and entire family our deepest condolences.” Five of Jackson’s solo albums – “Off the Wall,” “Thriller,” “Bad,” “Dangerous” and “HIStory,” all with Epic Records, a Sony Music label – are among the top-sellers of all time. During his extraordinary career, he sold an estimated 750 million records worldwide, released 13 No.1 singles and became one of a handful of artists to be inducted twice into the Rock and Roll Hall of Fame. The Guinness Book of World Records recognized Jackson as the Most Successful Entertainer of All Time and “Thriller” as the Biggest Selling Album of All Time. Jackson won 13 Grammy Awards and received the American Music Award’s Artist of the Century Award. Michael Jackson started in the music business at the age of 11 with his brothers as a member of the Jackson 5. In the early 1980s, he defined the art form of music video with such ground-breaking videos as “Billie Jean,” “Beat It” and the epic “Thriller.” Jackson’s sound, style and dance moves inspired subsequent generations of pop, soul, R&B and hip-hop artists.


thomasw am 26.06.09 um 10:07 | Antworten

thomasw

ein kleiner fehler

ist da in aller eile passiert lisa marie natürlich, nicht priscilla. danke an ole weinreich für den hinweis


thomasw am 26.06.09 um 09:54 | Antworten

stefanniederwieser

natürlich lisa marie! my bad.


stefanniederwieser am 26.06.09 um 10:27

bevor wir alle zu emotional werden, kurzer Realitäts-check: "off the wall" u. "thriller" sind Klassiker. der Rest Müll.


deraesthet am 26.06.09 um 09:54 | Antworten

Kugelsicher

Hab grad in einem alten Rolling Stone geblättert: Quincy Jones 1984 über die Arbeit an "Thriller". "Wir wollten ganz bewusst einen weißen RocknRoll-Groove. Als Smelly dann Beat It geschrieben hat, wussten wir auf Anhieb, dass dieser Song Nitroglycerin ist. Smelly? Wir nennen Michael jackson manchmal Smella, denn er ist so höflich und anständig, dass´er nicht einmal das Wort "funky" über seine Lippen bringt. Ehrlich wahr! Er ist das sauberste Produkt, das Amerika heute zu bieten hat.....


bebop am 09.07.09 um 10:32


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