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Label-Interviews Pt.5: Luv Lite Recordings
von Johannes Piller
In Österreich werden wieder Labels gegründet. Eine Reihe von Produzenten und Veranstaltern aus Techno, House und gemischten Beats schickt sich an unter den neuen Bedingungen der internationalen Musiknetzwerke ihre Tracks unter die Leute zu bringen. Wir stellen sie in einer Serie vor.
Mit dem wiedererstarkten Vinylverkäufen, der Zunahme an Produzenten (ohne Release kein internationales Ansehen), nimmt nun auch in Österreich, vor allem in Wien, die Labellandschaft zu. Überall sprießt es wild und die Euphorie ist groß – aber nicht so wie kreischende Teens losjagen, sondern wohl überlegt und nicht uninformiert über den klapprigen Status Quo des momentanen Musikbusiness. Was sind aber genau die Beweggründe zur Gründung eines eigenen Labels? Was erwartet Gründer und womit müssen sie rechnen?
Luv Lite ist der Name des ziemlich jungen Labels von Sascha Weisz, den die Meisten wohl unter seinem Synonym Megablast kennen. Das Debüt-Album von Makossa und Megablast erschien 2007 noch auf dem Wiener Label G-Stone. Danach erzielten sie mit "Soy Como Soy" einen Clubhit. Mit Fertigstellung des zweiten Album kam es dann zum Bruch zwischen den beiden Musikern und G-Stone, woraufhin Weisz das eigene Label gegründet hat. In der Ausgabe 121 von The Gap standen die beiden bereits Rede und Antwort, warum sie nicht Album der Woche auf FM4 wurden. Nun gibt Megablast mehr Einblick in die Handhabe mit dem eigenen Label und worauf selbst alte Füchse achten müssen.
Warum habt ihr das Label gegründet?
Ursprünglich wurde Luv Lite Recordings aus einer Notwendigkeit heraus gegründet. Wir wurden uns mit Kruder & Dorfmeister nicht mehr vertragseinig. Das hat uns dann fast ein halbes Jahr an Zeit gekostet und war wirklich ziemlich stressig. Letztendlich wurden wir dann gedropt, weil wir nicht mehr bereit waren die kompletten Verlagsrechte herzugeben und die beiden Downtempo Ikonen auch nicht gerne Kritik hörten; was schade ist, weil ehrliche Kommunikation und die damit einhergehende Kritik durchaus auch konstruktiv sein kann. Die einzig vernünftige Lösung war dann das Makossa & Megablast Album selbst zu releasen.
Nachdem wir ja ein gutes Netzwerk über die letzten Jahre aufgebaut haben war es das Nächliegenste den Schritt zu einer eigenen Labelgründung zu setzen. Mit !K7 fanden wir einen erfahrenen, internationalen Vertriebspartner. Es war mir sehr wichtig die Eigenkompositionen nicht einfach aus der Hand zu geben, da ich das Gefühl verloren habe, dass hier ein kompetenter und professioneller Verlag dahintersteht der unterstützend wirkt um aus diesen Werken etwas Vernünftiges und Fruchtbares zu generieren. Einfach nur Prozente und Anteile abzugeben wie das heutzutage bei vielen Labels üblich ist, ist mir einfach zu wenig und dahinter stehe ich auch zu 100 Prozent.
Was war der schwierigste Schritt beim Gründen des Labels?
Das Schwierigste war und ist wohl mein Leben als Artist und Labelbesitzer zu vereinen. Ich bin ein gesellschaftlicher Querdenker und folge nicht blind gesellschaftlichen bzw. businesstechnischen Mustern. Das ist natürlich nicht immer einfach.
Ich bin Künstler und eigentlich im Studio zuhause, aber ein Label zu gründen und es professionell zu betreiben bedarf auch viel mehr an „Office Work“ als ich davor gewohnt war, obwohl ich natürlich schon auch diesbezüglich zuvor Erfahrungen in der Musikwelt gesammelt habe. Ich habe gemeinsam mit meinem Bruder Andreas, der auch bei diesem Label mitarbeitet, versucht Förderungen zu beantragen um das Label überhaupt vernünftig „starten“ zu können. Ohne Musikfonds, SKE und Departure wäre so ein Unterfangen heute schwer möglich, weil ich es natürlich bevorzuge mit Leuten zu arbeiten, die professionell in ihrem Metier sind und das geht logischerweise nicht immer „gratis“.
Musik hat momentan in „Zeiten wie diesen“ keinen Wert im Sinne von Geld mehr. Niemand „kauft“ noch Musik. Und so gestaltet es sich sehr schwierig von Musik leben zu können. Das ist mir natürlich schon lange bewusst und genau deswegen fokusieren wir auch auf andere Kanäle, vor allem auf Sync-Deals (Anm.) und Live Shows um mit diesen Quellen „Income“ zu generieren, damit Releases überhaupt vernünftig promotet werden können.
Ich halte auch nichts von blindem Rausschleudern und Überflutung des Marktes ohne ein bestimmtes Qualitätslevel zu gewährleisten. Aber genau das passiert momentan. Deswegen war auch die Idee ein Team zu bilden, das eigentlich drei Generationen zusammenführt. Makossa als ein sehr guter Berater in Bezug auf Radiopotential und Originalität, mein Bruder der selbst auch ein musikalisches Projekt (Weisz & Schrenk) am Laufen hat und für klassisches Labelwork ausgebildet ist und mich selbst, der über viele Jahre seine Productionskills verbessert hat und neuen Acts helfen möchte ihren Stücken den richtigen Schliff zu verleihen um international Fuss zu fassen. Aber auch viele andere wie zB. Erdem Tunakan helfen uns, weil ihnen entweder der Spirit oder die Qualität der Tracks gefällt.
Auch Institutionen wie die Mica haben uns immer sehr supported und uns geholfen Verträge richtig zu analysieren. Wenn da mehrere Gleichgesinnte zusammenstehen- und helfen, wie das auch in anderen Städten üblich ist, kann man schon was auf die Beine stellen.
Georg Schenks Videosupport für "Soy Como Soy" hat zB. mittlerweile über eine halbe Million Views auf Youtube generiert. Das Pilotprojekt Makossa & Megablast hat generell viel internationalen Support bekommen und das hilft natürlich enorm um das Rad voranzutreiben. Wir haben fürs M&M Album wirklich sehr viel investiert und auch eine gute Auswahl an Promo-Agencies getroffen um das Album gut zu positionieren. Das war klar für uns, denn wir können uns ja nicht einerseits bei G-Stone beschweren und es dann selbst nicht besser machen.
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