Tapetenwechsel?
12.08.2010
» wortwechsel

Social Micro-Payments und Netzkultur

von Christine Baumgartner  


Seit Jahren wird gejammert: Wie soll sich Online-Content jemals finanzieren? Plattformen wie Flattr und Kachingle appellieren an das gute Herz des Users. Können Social Micro-Payments an der Gratiskultur des Internet rütteln?

Social Payment: Schöne neue Welt?

Social Payment: Schöne neue Welt?

Die Idee klingt bestechend. Auf der einen Seite die, die für die Erstellung von Inhalten kein oder nur wenig Geld bekommen. Auf der anderen Seite die User, die im Gegenzug ihre Wertschätzung monetär ausdrücken wollen und bereit sind, freiwillig einen kleinen Geldbetrag zu überweisen. Doch ganz so einfach ist es leider nicht. Flattr oder Kachingle haben nichts zu verschenken, sie müssen sich selbst finanzieren. Das bedeutet, sie behalten eine Gebühr ein, selbiges passiert bei Paypal, das die Transaktionen abwickelt. Derzeit sind diese Gebühren insgesamt gesehen noch recht hoch, was vor allem bei kleineren Beträgen ein Hindernis darstellt. Aber nehmen wir an, dass die Überweisung von Kleinstbeträgen ohne großen Aufwand und ohne Gebühren möglich ist. Was wir dann geschaffen haben, ist eine Art virtueller Klingelbeutel, in dem Spenden gesammelt werden. Social Payment basiert auf dem Prinzip der Freiwilligkeit, als Geschäftsmodell lässt es sich daher kaum bezeichnen und wohl  auch nicht durchsetzen. Trotzdem ist der Ansatz erfolgversprechend, denn es kann der Ausgangspunkt für neue Transaktionsmodelle werden, die das Ende der Gratiskultur mitsichbringen. So entstehen Geschäftsmodelle, die (neue) Gewinner und Verlierer hervorbringen werden. Es wird also nur eine neue, keine schöne neue Welt.

Christian Henner-Fehr, 48, betreibt Das Kulturmanagement Blog. http://kulturmanagement.wordpress.com

 

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Bild: WOWE_04.jpg


Quelle: The Gap 112


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Sharen, Bookmarken etc.:




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Artikel, Musik, Filme, Blogs – im Netz gibt es alles gratis. Schon seit Jahren zermatern sich Musiker, Online-Medien und Blogger den Kopf wie sich Online-Content finanzieren lässt. Die Regel, dass im Netz alles kostenlos verfügbar ist, wird durch wenige Ausnahmen wie etwa das Abo-Modell des /Wall Street Journal/ bestätigt. Abo-Modelle funktionieren aber nur in Ausnahmefällen, eine Content-Steuer wurde diskutiert, doch niemand weiß, wie diese konkret umzusetzen wäre. Die vorherrschende Gratiskultur im Netz erschwert Versuche, rentable Finanzierungsmodelle zu entwickeln. Werbung kann jedenfalls die redaktionellen Kosten nicht ansatzweise decken.

Flattr und Kachingle  sind Plattformen, die auf sogenannten Social Micro-Payments basieren. Sie appellieren an das gute Herz des Benutzers: Pro Monat können User Beträge überweisen, die dann auf die besuchten Websites, die diese Plattformen nutzen, verteilt werden. Bei Kachingle misst ein Plug-in die Besuche der unterstützten Seiten, bei Flattr muss wie auf einen Like-Button geklickt werden. Der Vorteil gegenüber Abo-Modellen: einmal aufgesetzt, läuft das System unaufwendig nebenher, die Mikrobeträge senken die psychologische Hemmschwelle.

Medien und Blogger werfen sich jetzt gegenseitig monatlich ein paar Euros in das digitale Sparschwein. Die Frage ist jedoch, ob sich genug normale Leser an diesem freiwilligen System tatsächlich beteiligen werden. Wer Flattr oder Kachingle nutzt, setzt auf die Anerkennung (abgesehen vom „Daumen hoch“ auf Facebook) des Users. Wir haben uns umgehört, ob das Modell der Social Micro-Payments der Gratis-Netzkultur tatsächlich etwas anhaben kann.

Mehr zum Thema:

www.thegap.at/kachingle

 

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