kaffeehauskolumne
Kaffeehauskolumne #1
Das Wiener Kaffeehaus ist tot, es lebe das Wiener Kaffeehaus! Ein Nachruf und eine Empfehlung.

Wolfgang Pichler ist passionierter Kaffeehausbesucher und Kaffee-Gourmet, Kunstkritiker Journalist und Lebenskünstler.
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Als ich eben gerade nach einiger Zeit, die ich mit der Neuordnung meiner Lebensumstände nach dem Studium verbrachte, wieder in eines meiner liebsten Cafés in der Nähe der Universität Wien gehen wollte, musste ich enttäuscht feststellen, dass dieses nicht mehr existiert. Das Café Stadlmann in der Währinger Straße 26, eines der charmantesten klassischen Wiener Kaffeehäuser hat nach vielen Jahrzehnten zugesperrt. Denn nicht jedes Café ist – wie das Drechsler – zu ewigem Leben verdammt.
Nach einer Trauerminute, die ich durch das große Glasfenster in den leeren Raum starrend verbrachte, beschließe ich mich mit dem Besuch eines anderen Kaffeehauses in der Gegend zu trösten und begebe mich auf die Suche. Allerdings treffe ich nur wenige Meter weiter die Straße hinunter auf eines jener lauten und geradezu vorsetzlich ungemütlichen Starbucks-Lokale. Ich beschließe nach kurzem Zögern mein Vorurteil gegen diese Art seinen Kaffee zu trinken ein andermal zu überwinden und kehre in das kleine vor allem wegen der familiären Atmosphäre besonders gemütliche Café Glaser (siehe Bilder) ein.
Das Café Stadlmann, über das ich eigentlich schreiben wollte, gibt es also nicht mehr. Nun sitze ich ein paar hundert Meter weiter unten auf der Währinger Straße im Café Glaser und schreibe diesen Artikel als eine Art Nachruf. Das Stadlmann war der Gegenpol zum – zwar auch schon abgenutzten aber doch modern und sehr gelungen designten – Glaser. Es war, wenn ich mich recht erinnere, der Inbegriff eines klassisch eingerichteten Wiener Cafés. Ein großer Raum mit vielen Sitznischen aus rotsamten bezogenen Polsterbänken, dazu die marmorbeplatteten Tischlein und die obligaten Kleiderständer. Keine Bilder, keine Musik, kein sonstiger Schnick-Schnack (außer Dienstag und Freitag, da gab es Klaviermusik live).
Wenn die Erinnerung nicht trügt, dann hatte das Stadlmann weder einen besonders guten Kaffee noch eine erlesene Speisekarte, aber deswegen geht man auch nicht ins Kaffeehaus! Nicht, dass etwas auszusetzen gewesen wäre an den Getränken oder dem Essen, es war einfach normal gute Qualität. Warum ich aber immer so gerne in dem Café war, hatte einen anderen Grund und der lag in der Ruhe und klassischen Eleganz des großen hellen Raumes. Wenn ich mich recht erinnere gab es auch noch eine alte Telefonzelle im hinteren Eck, dort wo es zu den Klos ging. Es war also die – leider auch in Wiener Cafés immer seltenere – Fähigkeit als verlängertes Wohnzimmer für die verschiedensten Menschen zu dienen ohne zu privat zu wirken, die es so besonders machte.
Und genau diese Eigenschaft ist es auch, die das völlig andere, weil absolut unklassische Glaser auf seine Art und Weise ebenfalls hat. Der geradezu winzige Raum mit zwei in die historistischen Bögen eingepassten Glasfronten, wirkt durch seine spärliche Möblierung und die hohen Glasfenster nicht eng. Auch dass ein kompletter zweiter Raum als nach vorne offenes Zwischengeschoss in diesen eingezogen ist, fällt nicht unangenehm, sondern eher erfrischend auflockernd auf. Auf dieser „Veranda“ sitze ich immer besonders gern, da sie eine Form der Geborgenheit bei gleichzeitiger guter Aussicht bietet. Wenige aber immer empfehlenswerte Speisen und ein guter Kaffee, sowie dass auch auf individuelle Wünsche immer so weit als möglich eingegangen wird runden den uneingeschränkten oft stundenlangen Kaffeehausgenuss ab.
Café Glaser, Währingerstrasse 2-4 1090 Wien Tel. 01 319 67 72 Mo-Fr 9-2 Uhr Sa/So 18-24 Uhr
Café Drechsler, Linke Wienzeile 22, 1060 Wien Tel. 01 581 20 44
Starbucks, Währingerstrasse 18, 1090 Wien 01 31 96 440


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