Tapetenwechsel?
23.06.2009
» story

Hydrosphären

von Lisa Stadler  


Mit den Wortwerft-Mitgliedern Roland Steiner und Karl Resel sprach Lisa Stadler über die diversifizierte Präsentation von Literatur, Genregrenzen und Wasser. Genau richtig für diese Regentage.

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Die Literaturgruppe Wortwerft präsentiert dieser Tage Text in einer ungewohnten Form: Mit der Einbindung verschiedener Kunstformen wie Malerei, Musik, Performance und Literatur wird die klassische Lesung gehörig in den Schatten gestellt. „Hydrosphären“ heißt das Werk, das zum vorerst letzten Mal am 26. Juni bei freiem Eintritt in der Galerie vor Ort gezeigt wird und sich generell um Krise und Exzess in einem klassisch italienischen Badeort dreht.

Lisa Stadler: Was kann man sich unter „Hydrosphären“ vorstellen?

Karl Resel: Hinter Hydrosphären versteckt sich, dass es eine Überschneidung von verschiedenen Kunstformen ist. Wortwerft ist ja dafür bekannt, dass wir in der Kooperation mit verschiedenen Kunstgattungen arbeiten. Dieses Mal gesellt sich die bildnerische Kunst, genauer die Malerei zu uns. Hydrosphären besteht daraus, dass wir Texte verfasst haben, die gemeinsam haben, dass alle Protagonisten  eine gewisse Zeit an einem italienischen Badeort an der Adria verbringen. Diese Texte lesen wir selbst und währenddessen wird an den großen Fensterscheiben der Galerie außen gemalt. Das ist sozusagen Glasmalerei auf moderne Art und Weise. Die Bilder unterstützen so die Texte.

Roland Steiner: Bei einem Projekt wie diesem ist die Herangehensweise immer eine ähnliche. Wir überlegen zuerst eine Grundthematik und dann ein spezifisches Thema. Nach einem gemeinsamen Brainstorming gehen wir dann alle nach Hause und schließlich entstehen die einzelnen Texte. Wenn einmal eine Rohfassung beziehungsweise eine Konzeptfassung eines Textes da ist, dann wird überlegt, welche Kunstformen wir in diesem Projekt miteinander verschränken können. Prinzipiell ist es aber nicht wie bei der stringenten Concept Art in der bildenden Kunst, dass alles durchtheoretisiert ist. Es gibt den Freiraum für Spontaneität und die Zugänge der einzelnen Texte sind so unterschiedlich und störrisch, dass sie gar kein kongruentes Gemeinsames ergeben könnten.

Karl Resel: Wo ich dir Recht gebe, Roland, ist, dass die Texte sehr offen und in lebendigem Austausch entstanden sind. Was aber schon passiert ist, ist, dass wir uns sehr intensiv damit auseinandersetzen und die Texte auch Bezug aufeinander nehmen. Aber die Texte sind formal ganz unterschiedlich, so wie wir auch ganz unterschiedliche Künstler sind. Was mir bei Hydrosphären besonders auffällt, ist das Nebeneinander von abstrakten und konkreten Texten.

Lisa Stadler: Neben Text und Malerei kommt bei „Hydrosphären“ auch Musik vor. Dafür habt ihr Hano Aaruk engagiert. Welche Rolle spielt die Musik in der Performance und welche Art von Musik produziert Aaruk?

Roland Steiner: Hano Aaruk ist einer von Wortwerft, der mythisch aufgeladene elektronische Musik produziert, die teilweise auch ziemlich alte Bezüge hat, etwa zum Mittelalter. Es ist aber nicht so, dass jedes Mal Hano Aaruk die Musik für uns macht. Wir haben eigentlich drei Musiker, die mit uns arbeiten, das ist einerseits Rocko Anal, Hermann Niklas mit Schalldicht und eben auch Hano Aaruk. Diese Musiker treten oft alleine oder auch in Kombination für unsere Projekte auf, wir hatten aber auch schon einmal eine andere Band von „außen“ engagiert.

Wie gehen die Musiker generell an die Projekte bei euch heran?

Roland Steiner
: Sie bekommen schon vorher die Texte und produzieren dann an die Texte orientiert ihre Stücke. Diesmal fungiert die Musik bei uns als Untermalung und schafft Atmosphäre, während das Glas bemalt wird.

Neben Text und Musik spielt eben Malerei eine tragende Rolle bei Hydrosphären: Könnt ihr uns etwas über die Künstlerinnen, die involviert sind, sagen?

Karl Resel: Barbara Pipan ist unter anderem für die Zeitschrift Keine Delikatessen grafisch tätig, wo auch unser Mitglied Maria Seisenbacher involviert ist. Über sie wurden auch Ulli Klepalski und Irene Falkner einbezogen, die ebenfalls in diesem Netzwerk aktiv ist, und dann haben wir gemeinsam besprochen, was Hinterglasmalerei in diesem Kontext bedeuten kann.

Roland Steiner: Die Malerei soll bei Hydrosphären schon ein eigenes Medium sein, und sozusagen kein Begleitgeräusch, aber sie soll auch nicht als dominantes Medium wirken. Alle drei Kunstformen fungieren in diesem Projekt mehr oder minder gleichwertig und erdrücken keinen anderen Part.

Karl Resel: Wichtig zu erwähnen ist bei diesem Projekt auch, dass wir ein Innen- und Außenkonzept haben. Innen holen wir die Leute in die Geschichte hinein und dann wechselt der Fokus nach Außen, das Ganze ist nur von Außen beleuchtet und da findet dann das Aktionistische statt.

Das Konzept für „Hydrosphären“ ist ja doch eher ein experimentelles und inhaltlich anspruchsvolles. Dazu kommt die Exklusivität der 3 Vorführungen. Habt ihr ein Zielpublikum und wenn ja, welches?

Roland Steiner: Ein Zielpublikum zu definieren in diesem Sektor, vor allem in der Literatur, das wäre falsch. Wir haben sechs verschiedene Autoren dabei und das kann man nicht wirklich definieren. Aber „Hydrosphären“ richtet sich erstens an ein an Kultur interessiertes Publikum und an ein Publikum, das es schätzt, mit zu reflektieren und nicht nur zu konsumieren. Dass Hydrosphären drei Mal stattfindet, hat auch organisatorische und zeitliche Gründe, wobei auch die Förderungen eine Rolle spielen. Wenn es funktioniert, kann die Performance auch öfter stattfinden.

Karl Resel: Es war aber schon wichtig für uns, das an verschiedenen Orten auszuprobieren, und es entsteht wirklich jedes Mal eine ganz andere Atmosphäre. Zudem hat jeder der Veranstaltungsorte, die Bar Joanelli, die Wienstation und die Galerie Vor Ort ein anderes Publikum. Da ist es natürlich spannend, immer verschiedene Leute und Netzwerke anzusprechen.

26.6., Galerie vor Ort, Wohlmutstraße 14-16, 1020 Wien, 20:00, freier Eintritt

Bild: Sabine Ziegelwanger

 

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