» sieben tage zu fuß
Forum Alpbach 2009
von Richard Schwarz
Ein Blick auf die Titel der einzelnen Veranstaltungsreihen macht deutlich, dass für zweieinhalb Wochen im „Bergdorf“ viel gesprochen wird: Seminarwoche, Reformgespräche, Technologiegespräche, Politische Gespräche, … womit ungefähr das Programm der ersten Hälfte beschrieben wurde.

Sieben Tage zu Fuß sind ungefähr nötig, um von Kufstein nach Bregenz zu kommen. Miteingerechnet ist dabei allerdings schon ein wenig Zeit, die es braucht, um sich mit Themen dieses Gebietes zu beschäftigen. - Jeden 2. und 4. Dienstag stellt diese Kolumne den popkulturellen Westen in Skizzen vor.
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Nach der zweiten Hälften ließe sich der „Spirit of Alpbach“ irgendwo zwischen Sommerfrische für Denkende und „Lan-party“ für Blackberryspieler verorten. Ab und zu wird ergänzend der Gründungsgedanke von 1945 erinnert, wonach das Forum – damals noch „Österreichisches College“ – dazu dienen sollte, Österreich nach dem Weltkrieg geistig zu öffnen.
Am Ende der diesjährigen Gesundheitsgespräche bemerkte Erhard Busek, Präsident des Forum Alpbach, zu deren Entwicklung, dass nun ein wirklicher Austausch stattfinde und es nicht mehr eine Debatte zwischen 30 Leuten sei, die sich alle kennen und ihre vorbereiteten und bekannten Meldungen abgeben. Allerdings ließe sich in Anlehnung daran formulieren, dass es nun vielmehr ein Forum für 1.000 Leute ist, die sich kennen. „Netzwerken“ wurde schon zur Eröffnung der Seminarwoche als zu verfolgendes Ziel dargestellt. Und die räumliche Gedrängtheit des Alpendorfes fördert dies, da die Gesichter nach rund zwei Tagen des Über-den-Weg-Laufens bekannt geworden sind. Jedoch muss nach der Gesprächsorgie die Frage erlaubt sein, wie vielen Menschen man die Hand geben und sich auch auf die Person einlassen kann? Wobei dies vorrangig für die vom Forum eingeladenen Stipendiaten gilt und nicht für die anderen 1.000, die sich schon von Beginn an die Hand reichen; vor allem bei den Wirtschaftsgesprächen, wo das Thema – das diesjährige lautete „Vertrauen“ – ab und zu in den Hintergrund zu rücken scheint.
Doch das Programm links liegen zu lassen, wäre ein Fehler, bringt doch die Fülle der Veranstaltungen vom Dubioza Kolektiv Konzert (siehe Bild) bis zum Lamento eines Christoph Leitl ein Aufeinandertreffen kontroversieller Ansichten mit sich, die in den Mehrheitsmedien bis zur Harmlosigkeit vermischt werden.
Nachdem Dennis Meadow mit „Trust comes by foot and leaves by horse“ einen prägnanten Beitrag zum Generalthema geliefert hat, kündigt er nüchtern eine Wende in den nächsten 20 Jahren an, zu der uns der Umgang mit Energie zwingen wird. An anderer Stelle warf Mariusz Jan Demner dem EU-Abgeordneten Elmar Brok vor: „Sie sind stumm! - Sie kommunizieren nicht!“, weshalb niemand wüsste, was los ist. Und es tut auch gut, zu sehen, mit welcher (Selbst)Ironie Roger de Weck ein Panel leitet.
Diese Feinheiten im Aufeinandertreffen von Personen öffentlichen Interesses, Um’s-Eck-Denkender und – generell – Menschen von unterschiedlichsten Orten, prägen den Eindruck vom Forum, weshalb eine Berichterstattung im Stile von „Beratungen über die Auswege aus der Finanzkrise stehen im Zentrum“ eher irreführt. Auch weil mit der Wichtigkeit der Personen (auch Themen) das inhaltliche Gewicht abnimmt.
www.alpbach.org
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