Tapetenwechsel?
29.03.2012
» neue töne

departure Interviews, Pt.6: ntry

von Stefan Niederwieser  


Die Musik ist im Umbruch. Das ntry stellt sich mit einem mobilen Konzert-Ticket Service auf die Veränderung ein. Das Projekt erhielt von departure eine Förderzusage.

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ntry will sich am dichten Ticketing-Business breit machen. Das wird derzeit eigentlich von ein paar großen Konzernen besetzt. Und deren Geschäft läuft gut, der Event-Sektor war lange der Wachstumstreiber und Hoffnungsanker der Musikindustrie. Vielleicht lief das Geschäft sogar so gut, dass verschiedene Services wie Ö-Ticket oder Wien Ticket es bisher verschlafen haben Apps für den einfachen Ticket-Kauf für unterwegs zu veröffentlichen. Auch Skalar Music hat bisher keine App für Tickets – die Agentur veranstaltet immerhin Festivals wie das FM4 Frequency oder das Nova Rock. Diese Festival-Schwergewichte liegen aber einstweilen ebenso wie Konzerte in der Stadthalle für ntry ohnehin außer Reichweite. Bei ntry soll es die Masse an kleineren Konzerten richten.

Über die Jahre haben die Macher hinter ntry mit Ink Music bereits reichlich Erfahrungen im Event-Bereich gesammelt, die Booker wissen, welche Festivals und Locations verlässliche Partner sind, Bands können immer wieder im Feldversuch sehen, wie das Service läuft. Und man kann damit auch bestimmen, falls Tickets exklusiv über ntry verfügbar sein sollen. Vor allem aber war der Schritt zum mobilen Ticketing-Service fast überfällig. In anderen Ländern gibt es bereits eine Reihe von solchen Apps, in Österreich sind mittlerweile auch genügend Smartphones im Umlauf – gerade bei jungen Musikfans –, damit ein Service wie ntry auch ökonomisch Sinn macht.

Am 9. Mai wird ntry mit einem Konzert von Who Made Who offiziell eingeweiht, Karten werden exklusiv über ntry verschenkt, und zwar über: https://ntry.at/hi

Eine Beschreibung des Services findet sich zusätzlich hier.

Indie-CEO Hannes Tschürtz hat uns Fragen zu nrty beantwortet.

 

Was ist an ntry neu?

ntry ist ein Ticketingsystem „für jedermann“. Es bietet insbesondere kleinen und mittelgroßen Veranstaltern, aber auch Bands selbst die Möglichkeit, einen professionellen Ticketverkauf zu organisieren und selbst anzubieten. Neu ist insbesondere die Einfachheit der Handhabung: Man benötigt zur Kartenkontrolle lediglich ein Smartphone.

Habt ihr eine Wettbewerbs-, SWOT- und Branchenstruktur-Analyse gemacht? Inwiefern unterscheidet sich ntry von ähnlichen moblien Ticket-Anbietern, die es ja schon reichlich gibt oder von den Ticket-Majors entwickelt werden?

Natürlich haben wir uns intensiv umgesehen und andere System gut kennenlernen können. Die zentralen Schwachpunkte aus der Sicht des Veranstalters sind meistens immens hohe Kosten, vor allem bei der Einrichtung. Sehr oft ist es sehr umständlich und kompliziert. Und die Bezahldienste so zu integrieren, dass es Sinn macht, ist auch nicht einfach. Wir arbeiten etwa mit Paybox zusammen und ermöglichen damit fast jedem Handynutzer in Österreich das Bezahlen per Telefon. Wir haben simpel gesagt erstmal nicht daran gedacht: Wie können wir möglichst viel vom Kuchen haben? Sondern: Wie können wir ein gut nutzbares, simples Tool für Veranstalter und Bands kreieren?

Wie bekommt ihr eure Marge hin? In Wien gibt es ja den kostenlosen Ticketanbieter Jugendinfo, wie könnt ihr da noch mithalten?

Wir versuchen die Kosten im Haus so niedrig wie möglich zu halten, sodass auch die Marge extrem niedrig bleiben kann. Wir verstehen uns aber auch eher als Serviceunternehmen und nicht als Ticketportal. Verkaufen tun die Karten die Veranstalter, wir bieten dazu hauptsächlich die Logistik. Das Teuerste sind dabei die Bezahldienste wie payPal – wir integrieren aber deren Kosten in unserer Marge. Das und die Struktur insgesamt hat zur Folge: je mehr Leute das Service nutzen, desto günstiger werden die Bedingungen für alle. In der Menge macht dann auch eine kleine Marge genug Groscherln, damit die Kosten gedeckt werden können.

Wenn in fünf Jahren kein Förderung von departure mehr fließt, wie genau werdet ihr euer Geld verdienen?

Mit sehr vielen kleinen und mittelgroßen Veranstaltern, Ticketverkäufern und Bands, die Service, Qualität und Einfachheit unseres Systems zu schätzen wissen. Mit departure verdient man ja kein Geld, man bekommt einen Teil seiner Investitionskosten gestützt – eine große und wichtige Hilfe, aber arbeiten müssen wir schon selber.

 

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