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Denk einfach an deine Scheißkindheit
von Lisa Stadler
Letzten Freitag fand der erste Poetry Slam der Eventreihe Slam B im Wiener Literaturhaus statt. Karsten Rühl ging als glänzender Sieger hervor.
Marc Kelly Smith wurden Mitte der 80er Jahre in Chicago klassische Lesungen zu öde und er rief den Poetry Slam ins Leben. Dabei lesen mehrere Autoren an einem Abend ihre Texte und stehen miteinander im Wettbewerb. Hinzu kommt, dass jeder Autor auf wenige Minuten beschränkt ist und sowohl der Text als auch die Performance-Leistung bewertet werden. Den Gewinner ermittelt das Publikum.
Seit nunmehr 10 Jahren gibt es auch in Österreich eine rege Poetry-Slam-Community. Die Musikerin und Schreiberin Mieze Medusa etwa veranstaltet regelmäßig die Textschau im Rhiz in Wien, seit gestern bereichert der Slam B die Szene. Die Organisatorin und Moderatorin Diana Köhle durfte sich über ein proppevolles Literaturhaus freuen, wo aufgrund des großen Andrangs sogar eine Übertragung im Nebenraum organisiert wurde.
Auf die Bühne trauten sich Slam-Promis wie Tschif, Yasmin Hafedh (eine von 100 in unserer Jubiläumsausgabe und am 16.10. auf Platz 2), Wende Wjassel, Didi Sommer (Platz 3) oder Karsten Rühl. Letzerer konnte mit den Texten „Gehetzte Manager“ und „Tanzprobe“ die Gunst des Publikums gewinnen und ist kein unbeschriebenes Blatt: Der Schauspieler sammelte bereits Erfahrungen am Schauspielhaus Zürich, Stadttheater Klagenfurt, Schauspiel Bonn oder am Schauspielhaus Wien und schreibt auch selbst Theaterstücke. Des Öfteren ist er bei diversen Poetry Slams zu finden, die er unter anderem als Testplattform für die Publikumstauglichkeit seiner Texte nutzt.
Karsten Rühl ist für die „normale“ Lesebühne überqualifiziert: Mit Hilfe seiner schauspielerischen Fähigkeiten wird der Text wahrlich lebendig. Die bewundernswerte flüssige Schnelligkeit, mit der Rühl seine Texte vorträgt, erklärt der Gewinner ganz simpel und tiefstapelnd durch seine Unfähigkeit, Texte zu kürzen und die fünfminütige Begrenzung beim Poetry Slam. Mit „Gehetzte Manager“ und „Tanzprobe“ wurden zwei Monologe gelesen, einer von einem Manager, der mit einer Unterschrift 10.000 Angestellte kündigt, der andere von einem Choreografen. Gelesen wir mit einer ordentlichen Portion Ironie:
„Sylvia, die Arme nicht zu hoch, das kann mehr wie ein abgebrochener Vogelflug ausschauen, denke mal einfach an deine Scheißkindheit,… ja siehst du, geht doch besser und Joo bitte, ich brauch da ein paar andere Farben. Schling mal die Arme um Dich selbst und versuch dich zu missbrauchen, Sehr schön! Gekauft! Das wird für den Zuschauer der totale Überraschungseffekt sein.“
Der Autor und Schauspieler zeigte sich sehr erfreut über den Erfolg. Der nächste Slam B findet am 20. November statt. Die Teilnehmer am 16. Oktober waren:
1. El Awadalla
2. Philipp Huemer
3. Tschif
4. Elwood Loud
5. Yasmin Hafedh
6. Jimi Lend
7. Matthias Vieider
8. La Paz
9. Andi Pianka
10. Michael Murnau
11. Christian Schreibi Schreibmüller
12. Wende Wjassel
13. Karsten Rühl
14. Didi Sommer
Foto (c) Tamara König
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