Tapetenwechsel?
making-of eines musik-imperiums

Crunchtime #4: Bewegungen - 23.06.2009

Christian Schwanz


Crunchtime bekommt mediale Aufmerksamkeit und muss in allen Bereichen vorankommen: Theorie und Ideen, Vermarktung und Netz ebenso wie Platten und Konzerte.

Making-of eines Musik-Imperiums

Crunchtime ist seit Ende 2008 nicht mehr - nur - Party und loser Zusammenschluss von Musikern, sondern eine Firma. Wie lässt sich über ein globales Netzwerk von mehr oder weniger Gleichgesinnten über Umwege mit Musik auch im Zeitalter nach der Compact Disc und klassischer Vertriebskanäle genug Geld zum Überleben machen? The Gap begleitet Crunchtime 2009 bei diesem Abenteuer von Ausgabe zu Ausgabe.

www.crunchtime.at


Quelle: The Gap 096


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Momentan ist gerade jedes Medium scharf drauf, von uns zu hören, wie das „neue“ Musicbusiness so läuft. Und so geben wir ein Interview nach dem anderen und bleiben uns in unseren Antworten stets treu: Wir spielen mit Zusammenhängen und Kontakten, erkämpfen uns und unseren Künstlern Aufmerksamkeit, nicht wo es geht, sondern Sinn macht und fokussieren auf jede Menge Aufbauarbeit. In vielerlei Hinsicht geht es ums Durchhalten, da der Markt eben eigentlich noch keiner ist. Welchen Markt eigentlich? Ein gesunder, digitaler Musikmarkt. Ein Markt, für den es sich auch mal lohnen kann, immer noch verdammt kreativ zu sein. Keine Frage: Feedback geben MySpace oder Facebook genug, nur mit den Finanzen sieht´s ja deshalb nicht viel besser aus. Tagesstatistiken zu toppen ist trotzdem mal was Feines.

Die virale Wette
Wir bauen in der Zwischenzeit während der Marktumbauphase schwer auf attention. Ab Mitte Mai ist Crunchtime-Artist Arabyrd aus Kuala Lumpur für den Sommer bei uns und Stereotyp produziert zusammen mit mir ihr Album. Erst einmal ist jedoch fast egal, ob ein Album wie und wann fertig ist, denn uns geht‘s darum, Arabyrd auf jeder geilen Party in Europa auf den Tischen tanzen zu sehen. Unsere Motto: Party Busting. Ist die Party gut, enden wir mit Fotograf und Kameramann auf der Party und reißen sie für einen Song an uns. Jetzt müsst ihr einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Später gibt‘s natürlich die Ausbeute auf YouTube zu sehen. Und der Link landet dann früher oder später eh auf eurem Radar – virale Wette?

Crunchtime Girls
Neben solchen Neckereien haben wir Arabyrd natürlich auch nach Singapore verbucht und zusammen stehen Stereotyp und ich mit Ara und Fefe Talavera aka Lil Monsta auf der Worldwide Festival-Bühne vom guten Gilles Peterson. Fefe wird dann nach unserem Abstecher nach Asien auch nach Wien kommen und wird den gesamten Juni von uns in Szene gesetzt. In Szene setzen kann sie sich auch super allein, doch unsere Aufgabe ist es mit Crunchtime, denn Effekt zu verstärken. Eine Doku wird den Sommer über von dem Crunchtime Partner Butterflies & Bunnyrabbits erstellt und von uns verbreitet. Eine Reebok-Kooperation ist abgesegnet und das Museumsquartier als Residenz gesichert. Arabyrd schlägt sich mit Nike durch. Unsere Aufgabe ist es noch, Nike Asia mit Nike Europa auf den internationalen Weg mit Arabyrd zu führen. Gilles Peterson, Diplo, Cut Chemist und wir – es sind ohnehin alle Fans der ersten Stunde. Bei all der kulturellen Vielfalt steht übrigens auch eine kleine Kooperation mit einer Sprachschule uns Haus. Genaueres verrate ich aber im nächsten Artikel.

Sommerklamotten
Die Zeichen stehen auf Sommer, bequeme Klamotten und den richtigen Lifestyle Partner für unsere Acts. Jegliche Kooperationen sind entweder bereits langfristig angelegt oder wir testen noch das passende. Ku Bo wird übrigens nun immer stärker von der Choreographin und Tänzerin Danie Cell geprägt, die nun endlich das Mic ergriffen hat. Beim Worldwide Festival in Sete ist sie eingebaut und an der gemeinsamen Show und Karriere wird geschraubt. Das Projekt hat ohnehin schon gute mediale Wirkung, aber so wird die Show einfach eine Show. Anders kann ich das gar nicht sagen. Es bewegt sich nämlich.

Der Shop
Keine Frage, unsere Website www.crunchtime.at muss schwer erweitert werden. Noch immer steht der Webshop Partner nicht fest, um den T-Shirt-Versand gut über die Bühne zu bringen. Wir werden uns hier wahrscheinlich auf ein kluges On-Demand-System einigen. (Gerade stelle ich auch fest, dass ich bereits im vergangenen Monat  auf diese Baustelle hingewiesen habe. Die Lücke wird aber nun geschlossen.) An diese Baustellensituation anknüpfend stelle ich in diesem Monat auch fest, dass wir Themen wie Urheberrecht und sowas wie „Musikmarkt im Wandel“ im Schlepptau haben. Das Treffen mit Gerd Leonhard hatte das wohl auch heraufbeschworen. Diesen Monat liefen wir mehrfach Kollegen vom Zentrum für Innovation und Technologie für den Bereich Medien über den Weg. Zusammen kamen wir glücklicher Weise gut zum Thema „Kultur-Flatrate“ ins Gespräch. Zusammen waren wir beim Jour Fixe der Musikwissenschaft und gingen die Schritte einer möglichen Umsetzung theoretisch durch. Auch hier kann ich also am Ende meines Berichtes für diesen Monat sagen: Es bewegt sich was.

 

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