» making-of eines musik-imperiums
Crunchtime #1: Weltweit oder was? - 0
Die Compact Disc ist eine von vielen Promotion-Möglichkeiten und das Verwertungssystem direct music sales definitiv Vergangenheit. Nach wie vor aber transportiert Musik Werte und Verwertbares. Musikmarketing steht 2009 gerade erst am Anfang. Crunchtime, ein von Wien aus agierendes Unternehmens-Netzwerk, will sich mit Booking, Merchandising, Promotion und Artist Management, Finanzierung und Publishing genau auf diesem Feld behaupten.
Crunchtime ist seit Ende 2008 nicht mehr - nur - Party und loser Zusammenschluss von Musikern, sondern eine Firma. Wie lässt sich über ein globales Netzwerk von mehr oder weniger Gleichgesinnten über Umwege mit Musik auch im Zeitalter nach der Compact Disc und klassischer Vertriebskanäle genug Geld zum Überleben machen? The Gap begleitet Crunchtime 2009 bei diesem Abenteuer von Ausgabe zu Ausgabe.
www.crunchtime.at
Quelle: The Gap 093
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Als ich vor einem Jahr Österreich für zwei Monate in Richtung Malaysia verließ, wusste ich ehrlich gesagt nicht so recht, wie und ob es mit mir und vor allem mit meiner Musik so weiter gehen sollte. Die Tücken des zusammenbrechenden Verwertungssystems Musikmarkt hatten auch mich erwischt. Links und rechts implodierte ein Musikvertrieb nach dem anderen. Eine stabile Musik-Szene war Illusion, der Traum von einem Label, bei dem man sich wohl fühlt wie bei guten Freunden, wo einfach alles passt – dieser Traum war schon längst ausgeträumt. Die Kassen waren leer.
Stillstand war dennoch keine Option: Eine kleine Workshop-Tour verbunden mit ein paar Gigs in Asien wurden im eigenen Netzwerk organisiert, die Winterkälte hinter mir gelassen. Ab in die Sonne: Abtauchen, eintauchen, weggucken und – natürlich nicht auf Anhieb – aber in einer genialen Minute, bei kühlem Bier, bei Hitze und umgeben von guten Freunden kam die Idee: Wir starten unser eigenes Musikimperium. It’s crunchtime!
Interesse fürs Uninteressante
In Wirklichkeit hatte ich aus der Ferne begonnen, mir ein paar konkrete Gedanken über die Musikindustrie zu machen und über Dinge Bescheid wissen zu wollen, die mich als Künstler eigentlich gar nicht interessiert haben: Wie wurde Musik zu einem Produkt? Warum ist die Blase geplatzt? Was ist ein Produktlebenszyklus? Hat da jemand geschlafen? Bin ich high? Das war ich wahrscheinlich auch, aber dennoch hatte ich einen Faden, an dem ich mich entlang hangelte ... von einer Website zur nächsten.
Musik ist in erster Linie kein Produkt, sondern eher ein Lebensgefühl. Musik kann man erleben, nicht besitzen. Erlebnisse können wir teilen – sonst bleibt die Freude aus. Irgendjemand hatte allerdings auf der Wegstrecke aus Musik ein Produkt gemacht und jede Menge Schotter vor allem mit dem Verkauf von CDs gemacht. Wie jedes andere Produkt hat die Plastikscheibe allerdings einen Lebenszyklus. Und in dem Moment, wo praktisch jeder – technisch gesehen – in der Lage war, die Daten vom Träger CD zu ziehen, war das Desaster unvermeidlich. Ein Markt brach zusammen. Eine großartige Ausgangssituation für einen Neuanfang!
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