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Chefsitten - 10.06.2009

Bettina Benedikt


Werbechefs brauchen Betreuung, weil außerhalb der Agentur niemand mit ihnen spielen will. Zum Glück haben sie Mitarbeiter zum Chefsitten.

Werber - ein fragwürdiger Beruf

Werbepause. Texterin Bettina Benedikt schreibt zwischendurch über die wunderliche Welt der Werbung.



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Agenturbosse haben oft keine Spielkameraden – vermutlich, weil sie wie im Berufsleben ständig schummeln, um jeden Preis gewinnen wollen und nicht verlieren können. Ohne Privatleben haben sie aber zuwenig Aufmerksamkeit und zu viel Langeweile. Deshalb werden immer wieder Mitarbeiter zum Chefsitten eingeteilt. Und wie beim Babysitten wird gespielt, was das Baby – äh, der Chef am liebsten spielt. Und zwar nach seinen Regeln.

Spielvorbereitung:
Am Ende eines Arbeitstages will der Chef noch nicht nachhause, weil dort keine Spielgefährten auf ihn warten. Deshalb setzt er kurz vor Dienstschluss ein Meeting an.

Spielverlauf:
Im Meeting spricht der Chef pro forma erst über Berufliches und gleitet dann fast unmerklich in Privates ab. Alle anderen hören zu und täuschen geistige Gegenwart vor. Den Mitarbeitern ist es erlaubt, während des Spiels zu arbeiten, also sich etwa ein Plakat auszudenken oder die Kosten dafür durchzurechnen. Absolut regelwidrig ist allerdings, einen etwaigen eingestreuten Witz des Chefs zu ignorieren. Das heißt, wer nicht gleichzeitig arbeiten und über Chefwitze lachen kann, lässt das mit dem Arbeiten lieber.

Ziel des Spiels:
Der Chef hält sich solange selbst bei Laune, bis er doch nachhause will. Bis dahin hat der Chef Zeit gewonnen, alle anderen haben Zeit verloren. Die müssen sie dann natürlich einarbeiten.
 
Verschärfte Spielvariante:
Im Unterschied zur klassischen Form hat der Chef hier sehr wohl Spielgefährten zuhause. Das sind meistens eine gleichaltrige Spielgefährtin und zwei gemeinsam erspielte deutlich jüngere Spielkameraden. Allerdings hat er keine Lust mit denen zu spielen, nicht nach Feierabend, und schon gar nicht ein ganzes Wochenende.

Spielvorbereitung verschärfte Variante:
Der Chef macht Freitag nachmittag einen Termin für Sonntag nachmittag.

Spielverlauf:
Wie bei der klassischen Version.

Ziel des Spiels:
Für die Mitarbeiter: möglichst viel vom Wochenende retten. Für den Chef: möglichst wenig vom Wochenende übrig lassen.

Spielende:
Das Spiel ist aus, wenn der Chef keine Lust mehr hat. Nur in einem einzigen Ausnahmefall kann ein Mitarbeiter das Spiel beenden – mit den Worten „Ich kündige.“

 

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