Tapetenwechsel?

Brauchen wir die Austro-Quote?

Lisa Leitich

Lisa Leitich

"Ja, aber ... was wirklich zählt, ist die Ausbildung"

Österreich braucht eine geregelte Quote von österreichischen Produktionen in öffentlich-rechtlichen Radioanstalten. Jedoch impliziert für mich der Wunsch nach einer Quotenregelung weitere Aspekte, die offenkundig bei vielen Diskussionen Beachtung finden. Die Regelung an sich ist nicht ausreichend hinsichtlich der Unterstützung der österreichischen populären Musikszene. Anzusetzen ist bei der Musikausbildung im populären Musikbereich im Grundschulalter. Eine Fülle an Einrichtungen und Proberäumen ist zu schaffen, um Musiker/innen die Möglichkeit zum Musizieren und Experimentieren zu geben. Nachwuchsförderung ist das Schlagwort, um eine Vielzahl an heimischen Produktionen aus denen sich Spitzen ergeben, gewährleisten zu können. Diese benötigen Unterstützung durch intensive mediale Beachtung, Räumlichkeiten für Live-Konzerte und Institutionen, welche sich neuen Problematiken im digitalen Medienzeitalter widmen. Eine unterstützende Funktion nimmt die vereinte Repräsentanz von österreichischen Musikern, Labels, Verbänden, Institutionen etc. bei Musikmessen im Ausland ein. Der Ausbau der bereits bestehenden Strukturen würde für alle Mitwirkenden einen optimistischen Blick in die Zukunft zulassen.

Lisa Leitich, 27, ist Musikwissenschaftlerin, Organisatorin des 1st Austrian Mobile Music Day an der Donau-Universität Krems und Mitherausgeberin der Schriftenreihe “werkstatt populäre musik”.

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Datum-Kommentar: "Querfinanzieren, statt Quoten!"

Österreichs Radios spielen genug „gute” österreichische Musik. Die nun – zuletzt auch im DATUM – geforderten Quoten begünstigen höchstens das belanglos-langweilige Mittelmaß.

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Quelle: The Gap 088


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Oft gefordert, nun heftig debattiert: eine gesetzlich festgelegte Regelung für heimische Musik in Österreichs Radios. Brauchen wir die Quote?

Wer wären die Nutznießer einer verbindlich definierten Quote? Genau darüber gehen die Meinungen auseinander. Die einen meinen, das gesamte Musikschaffen würde von einem gesetzlich festgelegten Anteil österreichischer Produktionen profitieren. Die anderen wiederum hegen Bedenken, eine einseitige Bevorzugung hiesiger Musiktitel  würde höchstens mittelmäßige Machwerke begünstigen.

Die einen, das sind jene, die man die österreichische Musik-Lobby nennen könnte, welche im Juni in beeindruckender Einigkeit (von den Wiener Grünen über zahlreiche Musikergilden bis zur Wirtschaftskammer) in einer parlamentarischen Enquete eine verbindliche Regelung zu Gunsten österreichischen Musikschaffens forderte. Als Argument haben sie den niedrigen Anteil österreichischer Produktionen vor allem im Mainstream-Radio auf ihrer Seite. Zuletzt stammten nur 14,5 Prozent aller von den ORF-Radios gespielten Titel von in Österreich produzierten Tonträgern – weshalb der Musikstandort in Gefahr wäre. Und die Plattform www.sos-musikland.at gegründet wurde, welcher der Hörfunkdirektor des ORF insofern entgegenkam als er eine “freiwillige Vereinbarung zur Steigerung des Marktanteils österreichischer Musik auf den ORF-Radios unter Beteiligung der Privatsender” vorschlug. Verpflichtende Quoten, in vielen europäischen Ländern Gang und Gäbe, lehnte er ab.

Die anderen, das sind diejenigen, die meinen, Gutes würde sich ohnehin Gehör schaffen. Anlass hitziger Diskussionen war etwa ein Kommentar des The Gap-Herausgebers Thomas Weber im Magazin Datum, in welchem dieser meinte, Österreichs Radios spielten genug “gute” österreichische  Musik – nämlich in den qualitätsbewussten Nischen Ö1 und FM4. Da es in der Debatte ohnehin nur ums Geld ginge, solle man Ö3 als Cashcow unbehelligt lassen, um die Nischen querfinanzieren zu können. Fakt ist jedenfalls: Vertretbare Mainstream-Produktionen kann man sich heute aus dem Land mit dem A kaum mehr vorstellen. Die Major-Labels haben – bis auf wenige Ausnahmen – von Verträgen mit  österreichischen Musikern Abstand genommen. Fraglich bleibt, ob eine Quote daran wirklich etwas ändern würde.

 

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