Tapetenwechsel?

Brauchen wir die Austro-Quote?

Heinz Wolf

Heinz Wolf

"Zwangsbeglückung entbehrlich"

Die Forderung nach mehr österreichischer Musik in den heimischen Rundfunkprogrammen ist zu unterstreichen. Airplay ist ein wesentliches Glied der Wertschöpfungskette und bedeutet schlichtweg Tantiemen. Egal welche der viel zitierten Studien man zur Hand nimmt und welcher Interpretation der Zahlen man folgt, im internationalen Vergleich gibt es hierzulande Nachholbedarf. So weit, so Konsens, wenn sich sogar der bei dieser Forderung in die Pflicht gerufene ORF im Rahmen der Enquete 08 mit dem Angebot einer freiwilligen Vereinbarung in die aktuelle Diskussion mit einbringt. Es scheint also ein konstruktiver Dialog möglich und so lange halte ich eine gesetzliche Zwangsbeglückung für entbehrlich. Eine Quotenverpflichtung kann nur - und muss dann aber auch - Ultima Ratio sein.
Während an diesem Nebenschauplatz mit großer Leidenschaft debattiert wird, hören allerdings die Umbrüche im internationalen Musikmarkt nicht auf zu dauern. Geschickte Einzelmanöver lassen sich bis dato nur schwer in stringente und nachhaltige Konzepte umlegen. Dieser Ratlosigkeit muss in erster Linie Qualität entgegengesetzt werden und diese Qualität muss ihren Weg raus aus Österreich finden. Diese Qualität hat viele Gesichter und Namen wie Siluh Records, Seayou, Fettkakao, Kreisky, Gustav oder Soap & Skin ...
Frei nach Patrick Wagner/Louisville Records: Bevor wir dieses Potenzial verschenken, schneiden wir uns lieber die Hände ab!

Heinz Wolf, 32, ist Artdirektor der Wiener Creative Industries Impulse-Gesellschaft “Departure” und betreut Projekte im Schwerpunktbereich Musik.

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Datum-Kommentar: "Querfinanzieren, statt Quoten!"

Österreichs Radios spielen genug „gute” österreichische Musik. Die nun – zuletzt auch im DATUM – geforderten Quoten begünstigen höchstens das belanglos-langweilige Mittelmaß.

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Quelle: The Gap 088


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Oft gefordert, nun heftig debattiert: eine gesetzlich festgelegte Regelung für heimische Musik in Österreichs Radios. Brauchen wir die Quote?

Wer wären die Nutznießer einer verbindlich definierten Quote? Genau darüber gehen die Meinungen auseinander. Die einen meinen, das gesamte Musikschaffen würde von einem gesetzlich festgelegten Anteil österreichischer Produktionen profitieren. Die anderen wiederum hegen Bedenken, eine einseitige Bevorzugung hiesiger Musiktitel  würde höchstens mittelmäßige Machwerke begünstigen.

Die einen, das sind jene, die man die österreichische Musik-Lobby nennen könnte, welche im Juni in beeindruckender Einigkeit (von den Wiener Grünen über zahlreiche Musikergilden bis zur Wirtschaftskammer) in einer parlamentarischen Enquete eine verbindliche Regelung zu Gunsten österreichischen Musikschaffens forderte. Als Argument haben sie den niedrigen Anteil österreichischer Produktionen vor allem im Mainstream-Radio auf ihrer Seite. Zuletzt stammten nur 14,5 Prozent aller von den ORF-Radios gespielten Titel von in Österreich produzierten Tonträgern – weshalb der Musikstandort in Gefahr wäre. Und die Plattform www.sos-musikland.at gegründet wurde, welcher der Hörfunkdirektor des ORF insofern entgegenkam als er eine “freiwillige Vereinbarung zur Steigerung des Marktanteils österreichischer Musik auf den ORF-Radios unter Beteiligung der Privatsender” vorschlug. Verpflichtende Quoten, in vielen europäischen Ländern Gang und Gäbe, lehnte er ab.

Die anderen, das sind diejenigen, die meinen, Gutes würde sich ohnehin Gehör schaffen. Anlass hitziger Diskussionen war etwa ein Kommentar des The Gap-Herausgebers Thomas Weber im Magazin Datum, in welchem dieser meinte, Österreichs Radios spielten genug “gute” österreichische  Musik – nämlich in den qualitätsbewussten Nischen Ö1 und FM4. Da es in der Debatte ohnehin nur ums Geld ginge, solle man Ö3 als Cashcow unbehelligt lassen, um die Nischen querfinanzieren zu können. Fakt ist jedenfalls: Vertretbare Mainstream-Produktionen kann man sich heute aus dem Land mit dem A kaum mehr vorstellen. Die Major-Labels haben – bis auf wenige Ausnahmen – von Verträgen mit  österreichischen Musikern Abstand genommen. Fraglich bleibt, ob eine Quote daran wirklich etwas ändern würde.

 

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