Tapetenwechsel?
18.09.2008
» story

von Sophie Preisch  

"Ah geh bitte, Bauchklang interessiert doch wirklich keine Sau", so kommentiert T. mein Vorhaben, zum Konzert zu gehen. Wenn man sich das ausverkaufte Radiokulturhaus aber so ansieht, scheint er damit nicht ganz Recht zu haben. Gespannter als vor dem Kasperltheater, andächtiger als am Weihnachtsabend wartet das altersmäßig gut gemischte Publikum auf den Auftritt. Als die fünf Niederösterreicher schließlich auf die Bühne kommen, werden sie mit zunächst leicht verhaltenem Applaus begrüßt.

Bauchklang

Bauchklang © Sophie Preisch

1 / 5


Die Aufregung, ob des Live-Streams von Ö1 und der Anwesenheit in den "ehrwürdigen Hallen" (wie Frontmann Andi Fraenzel das RKH nennt), kann man den Jungs ankennen, sie geben es auch zu. Auch wenn sich mit steigender Begeisterung des Publikums die Anspannung der Bauchklangs (oder Bauchklänge oder Bäucheklänge?) allmählich löst, bleibt bis zum Schluss das Gefühl, dass sie mit der Situation leicht überfordert sind. Mit wiederholten Aufforderungen ans Publikum aufzustehen oder sich aktiv an der musikalischen Darbietung zu beteiligen, wirken die Jungs ein bisschen unbeholfen. Die Stimmung im RKH erinnert an ein Zirkuszelt und weil jede Bewegung, jeder Ton und jede Geste vom ruhig sitzenden Publikum mit Staunen verfolgt wird, kann man auch Profis eine gesteigerte Aufregung nicht übel nehmen.

Übrig bleibt sowieso die Essenz: Bauchklang sind nicht umsonst international  erfolgreich und haben es auch an diesem Abend nicht umsonst bis ins Radiokulturhaus geschafft. Mouth Percussion und Human Beatboxing in den stilistisch und rhythmisch unterschiedlichsten Varianten werden vom Publikum bestaunt und mit Respekt belohnt: der Applaus kommt (fast) immer erst wenn auch der letzte Schnaufer draußen ist.

Außerdem finden im Laufe des Abends doch ein paar "Vorbilderinnen" (Andi) das Sitzen zu fad und tanzen neben den Sitzreihen. Als Publikumswunsch "L.O.V.E." erfüllt wird, haben sich an den Rändern schon mehrere Vorbilder zum Tanzen zusammengefunden. Beim Finale der Zugabe bewegt sich auch der bis dahin noch sitzende Teil der Besucher zu Standing Ovations. An glücklichen Gesichtern und teils noch immer staunenden Blicken lässt sich beim Hinausgehen dann eindeutig erkennen, dass der T. nicht Recht hat.

Das heimliche Highlight des Abends war durch die Radioübertragung leider nicht zu verfolgen: der Hüftschwung der sibirischen Obertonsängerin Sainkho Namtschylak. Die wurde von Bauchklang für eine Nummer als Gast auf die Bühne gebeten und hatte mit ihrem unglaublich süßen Lächeln, den Fellstiefeln, die man sonst nur vom Kollegen Hinterseer kennt, und ihrer beeindruckenden Sing-, Schrei- und Flüster-Einlage das Publikum sofort auf ihrer Seite.


kommentare

sozialisieren auf facebook