Tapetenwechsel?
13.06.2012
» zahlen, bitte!

17

von Thomas Edlinger  


17 Jahr’ sind wir alle mal, ob blond oder nicht. Unter anderem Helene Hegemann, Airen, Bret Easton Ellis und Ben Brooks, der gerne der neue Fänger im Roggen wäre, es aber zum Glück nicht ist.

Die Qual der Zahlen - 9 wie "Revolution Nr. 9" oder 99 wie in "99 Luftballons"? Schreibt uns eure Vorschläge, um welche Zahl zwischen 0 und unendlich es nächstes Mal gehen soll. zahlenbitte@thegap.at


Bild: 81e6acb71e_21.jpg


Quelle: The Gap 127


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Ok, Helene Hegemann haben wir alle noch im Kopf eingespeichert. Sie war die 17-Jährige, an der sich die Geister schieden. Die alten – meist männlichen – Gralshüter der Literatur warfen ihr anlässlich ihres Romans »Axololtl Roadkill« Datenklau vor, die anderen – meist weiblichen – Verteidigerinnen legten sich für ihren unverkrampften Zugang zum Dauerbrenner adoleszente Verwirrungen der Zöglinge ins Zeug.

Dabei war ihr Zugang so unverkrampft auch wieder nicht; schließlich verkleidete sich die Tochter des Volksbühne-Chefideologen Carl Hegemann in Buch und Interviews als Diskursballerina und redete so, wie der Schnabel von Polleschoiden Theaterinszenierungen im Zerrspiegel der Copy-&-Paste-Tastenkombination gewachsen war. Autorenschaft gibt es dann natürlich auch im Hegemann-Ich nicht mehr, sondern nur mehr Diskuseffekte, die hysterische, pillengeeichte Körper ausagieren. Das sahen dann ausgerechnet die selbsternannten Anwälte des Bloggers Airen, der als betrogenes Autorensubjekt von ein paar gesampelten Sätzen bald ausfindig gemacht war, anders, während Airen, der auch mit um die 17 Fahrt durchs Berliner Nachtleben aufgenommen hatte, die Sache mit dem Plagiieren halb so schlimm fand.

In beiden Texten lauerte jedenfalls in der Berliner Nacht ein knallsüßer, sensibelharter Hedonismus, der mit dem Sex-&-Drugs-Tempel Berghain lockt und mit dem Kater droht. Kapitalismus und Depression hießen die Stichworte, wie sie schon in einer Volksbühne-Buchreihe ausgegeben wurden.

Kapitalismus und Depression

An ihrem 18. Geburtstag bekam Helene Hegemann die Rechnung dafür präsentiert, dass sie nicht wie erwünscht im Dauerdelirium den Spagat aus gern bestauntem Nihilismus und gern beklatschtem Idealismus der Generation Null ff. vorturnte. Das Feuilleton schickte Abordnungen zu ihrem Geburtstag, den sie frecherweise im Veteranen-Technoclub Tresor zu feiern beliebte. Man stellte hämisch fest: So wild ist die ja gar nicht! Die lacht sogar! Die langen Haare im Gesicht sind gar nicht das Kainsmal einer Satanistin, sondern der Schutzwall einer normalen jungen Frau oder vielleicht einfach nur eine Frisur, und die Party hat sogar fast was von »Kindergeburtstag«, wie es in einem Artikel hieß.

 

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