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Trouble Over Tokyo - The Hurricane
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Die düsteren Gefilde des Pop
Es gibt immer noch Platten, die akustisch zugemüllte Ohren schon mit den ersten Tönen freiblasen, unaufdringlich und nachhaltig. »The Hurricane« ist genau so eine.
Sturm bringt immer auch Veränderung mit sich. So produzierte Toph Taylor, der Mann hinter Trouble Over Tokyo, »The Hurricane« nicht wie noch die beiden Vorgängeralben im sicheren Schlafzimmer, sondern – deutlich hörbar – im Studio. Aber nicht nur was die Sound-Qualität betrifft ist die Platte ein Schmankerl: Während anderswo Booklets immer nichtssagender werden und der Abgesang auf die gute, alte CD längst verklungen ist, bringt der Wahlwiener Album Nr. 3 ganz konservativ als Buch mit Bonusmaterial heraus. Inhalt: die langsame Menschwerdung des (emotional) durchaus verletzbaren Superhelden im roten Cape, der den Künstler jahrelang als Alter Ego begleitete und Videos und Artworks zierte.
Die Geschichte mit biografischen Zügen findet sich in zwölf düster-melancholischen Liedern wieder, die aber immer auch Hoffnung ausstrahlen. Schon der Opener »Bone« weht graue Wolken vom kummerverhangenen Himmel der Nerd-Seele: Sanfte Chöre über zurückhaltenden Klavierakkorden bäumen sich mit verhallten Synthesizern zu einem ersten musikalischen Wirbelsturm auf. Aber es geht weiter, direkt hinein ins Auge des Sturms. Man muss nur der verletzlichen, leicht entrückten Stimme Taylors folgen. Dort haut er dann noch einmal ordentlich mit verstörenden Elektroversatzstücken, R’n’B-Fragmenten und Pathos um sich. Bei all dem kommt aber auch eine gute Dosis Pop-Appeal nicht zu kurz: »The Hurricane« kann man getrost am Tanzboden zelebrieren, eingeschränkter vielleicht als die Vorgängeralben, aber spätestens im letzten Albumdrittel bricht die Club-Tauglichkeit doch durch. Oberflächlich wird es trotzdem nie, denn während andere Künstler weiter davon träumen, tiefgründiger als eine Wasserlache zu sein, schnallt der Electro-Wunderwuzzi einfach sein Cape um und entschwebt in die Sphären der Bedeutsamkeit. Wer bei all dem Pathos, der manchmal doch hart an der Grenze ist, zunächst noch unentschlossen ist, ob er sich in die Schmalz-Suppe plumpsen lassen soll oder sich angeekelt abwenden, lässt sich irgendwann doch fallen. Und wenn am Ende zu Streichern, Glockenspiel und existenzialistischen Texten vergilbte Fotos und Erinnerungen hervorgekramt werden, dann möchte man sich von diesem Sound-Orkan für immer tragen lassen.
(8/10)
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