Tapetenwechsel?
review - musik

Pantha du Prince - Black Noise

Pantha du Prince - Black Noise

Bewertung

Redaktion: *****/2

Autor: Stefan Niederwieser

Erschienen bei: Kompakt



Retour Retour

bookmarks

Pantha du Prince unterstreicht mit dem dritten Album seinen Ausnahmestatus. Hier kommt sternenklarer Autorentechno.


Ja, Hendrik Weber (aka Pantha du Prince) ist zwar mit Freunden in die Schweizer Berge gefahren und hat bei einem längst verschütteten Dorf den Klang von langsam fallenden Kieselsteinen aufgenommen, aber genau das hört man auf „Black Noise“ fast nicht. Die alpenländische Forschungsreise erweitert stattdessen den Fiktionsraum von „Black Noise“ und verdeutlicht Hendrik Webers intensive Suche nach ungewöhnlichen Klängen. Im Kontext von Techno stellt der musikalische Output von Pantha du Prince ohnehin seit seinem ersten Release auf Dial im Jahr 2002 einen Sonderfall dar: Getragene, manchmal ätherische Soundwände, die zwielichtig flirrten, trafen da auf ein straffes Beat- und Bassgerüst. Geisterhafte Verwehungen durchzogen die Tracks von Pantha du Prince. Immer schon. Nur verwuchsen sich diese im Laufe der Zeit mit den immer feiner ausgedrahteten Rhythmusgespinsten. Schwere, verhallte Gitarren, verfremdete Marimbas, Brian Eno-Samples, klingende Kürbisse, zarte Obertöne, weit entfernte Chorechos und permutierte Feedbackschleifen – das sind mittlerweile die Zauberzutaten von Pantha du Prince. Auf „Black Noise“ schält sich aber zudem ein Schlüsselsound heraus, der neben dem lehmigen Bassfundament Melodien und Harmonien vorgibt: Glocken! Glocken, Glocken – in allen Größen und Klangfarben, bauchig dumpf bis hell und strahlend, machen „Black Noise“ zu einem fast, hmm, ja, ... spirituellen Ereignis.

Nur selten stechen aus „Black Noise“ einzelne Tracks heraus, wie das durch die Stimme von Noah Lennox (Animal Collective) veredelte „Stick To My Side“. Der Personalsound von Pantha du Prince hat sich mittlerweile über das gesamte Album ausgebreitet und lässt „Black Noise“ dadurch mitunter wie einen einzigen, majestätischen Track erscheinen, der behutsam kristalline Kerben ins Herz schlägt. Pantha du Prince schreibt dabei Natur virtuos auf verschiedenen Ebenen in seine Musik hinein – als mikroskopische Impulse, als melodische Sounds, als cineastische Klangräume. Anderswo im Techno wird das Thema natürlicher Räume auf stupid mittels Sampling von folkloristischen Instrumentalpassagen in die Tracks integriert oder der Waidmannsrock für Pressefotos angezogen. Das Cover-Artwork verspricht zwar auch hier noch ein unverbrauchtes Naturidyll, doch spätestens mit dem letzten Ton von „Black Noise“ fragt man sich, wie so dichte, künstlerische Visionen überhaupt noch in das Korsett /Techno/ passen.

(9/10)




kommentare

oder auch via facebook