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Orcas - Orcas
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Song und Abstraktion, Einheit und Spaltung: Musik zwischen Frühlingsriten, Kunstverständnis und Pop-Appeal.
Auch wenn der Frühling noch in weiter Ferne liegt: Die Musik der Band Orcas bringt das Gras zum Sprießen. Traditionelle Folk-Ästhetik und Electronica-Collagen vermischen sich auf “Orcas“ zu einem sphärischen Kopftrip. Zirpend und leichtfüßig beginnt das Debütalbum des Minimalisten-Duos Benoit Pioulard und Rafael Anton Irisarri mit “Pallor Cedes“: Zuerst ist da nichts, außer fern klingenden Ambient-Variationen und einem digtalisiert-analogen Knistern. Ganz langsam werden Gitarrensaiten gezupft. Dann entspringt dem Klangbrunnen so etwas wie ein Song, der bedacht in den nächsten überfließt. Ein Effekt, der sich das ganze Album über wiederholt. “Arrow Drawn“ führt mit kryptischem Gesang ins Narrativ der Imagination. Die Piano-Elegie “Carrion“ schwebt wie ein dicker Nebel im Raum, der sich im nachfolgenden Track “A Subtle Escape“ in elektronischen Regen löst. “There‘s a place I have never exposed, another world we have yet to conquer and until then none of us have anything.“, singt Benoit Pioulard in “Until Then“. Es klingt nach Räucherstäbchen und Pink Floyd während ihrer experimentellen “Ummagumma“-Phase.
Getragen hymnisch gibt sich“I Saw My Echoe“, das letzte Vocal-Stück der Platte, ehe “High Fences“ den Frühlingsriten-Songzyklus so sanft ausklingen lässt, wie er angefangen hat. Der organisch anmutende Fluss des Albums erreicht sein Klimax erst nach mehrmaligen Hören, wenn man die Songs als Ganzes begriffen hat. Unter diesen Bedingungen taugt dieses wundersame Debüt als perfekt durchdachte Antithese zum typischen Pop-Gratifikations-Prinzip. “Orcas“ ist eine Platte wie ein Ölgemälde: Abstrakt und naturverbunden, schwer und trotzdem leicht, voller vorder- und hintergründiger Rätsel - und tief verwurzelt in einer mythisch-psychedelischen Variation von getriebenem Kunstverständnis.
(8/10)
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