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Michal Zamir - Das Mädchenschiff
Die Israelin Michelle leistet nach dem Gymnasium ihren zweijährigen Wehrdienst großteils als Bürokraft in einem Fortbildungsstützpunkt für höhere Militärs ab, wo sie wie viele der Rekrutinnen sexuellen Übergriffen ausgesetzt ist. Mit ihrer fünften Ausschabung beginnt der Roman. Ihrer scheinheiligen Familie nicht trauend, ist sie nach drei Abtreibungen, die bei Nennung vermeintlich arabischer Vergewaltiger das Militär übernahm, auf die Privatabbruchbezahlung seitens des zeugenden Generals angewiesen. Ihre Vorgängerin hatte sich umgebracht. Zamir schildert die verinnerlichten (Selbst-)Erniedrigungen der orientierungslos um Nähe ringenden Frau auf der patriarchalen Folie einer verlogenen Gesellschaft in einer kargen Sprache und monotonen Ablaufs: Avancen, ungeschützter Sex, Ausschabung – Zufluchtsuchen bei Bürofunktionalität, einem Hund, Mutterfantasien. In diesem Gefangenbleiben zwischen männlicher Despotie und nahezu andienender Devotion steckt auch des thematisch wichtigen Romans Problem: Die eigene Diensterlebnisse nach zwanzig Jahren aus damaliger Perspektive eruptiv verarbeitende Autorin billigt den Mädchen weder Selbstbewusstwerdung noch Emanzipation aus einer existentiell erfahrenen Opferrolle zu.
(4/10)
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