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review - musik - album

Julia Holter - Ekstasis

Julia Holter - Ekstasis

Bewertung

Redaktion: *****

Autor: Stefan Niederwieser

Erschienen bei: Rvng Intl

V: 30.03.2012





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Wohin? – Dass es so nicht weitergeht, ist klar. Der brave Eskapismus von Julia Holter klingt bezaubernd, hilft aber auch nicht weiter.


New Age also. Das war irgendwann einmal für ein paar Wochen kein Schimpfwort, sondern drückte den Willen aus, dass der Materialismus noch nicht alles sein kann, dass auch Religion nicht alle Antworten bereithält. Irgendwo da draußen ist ein anderes Zusammenleben möglich. Einzelne Psychedelic- und Krautrock-Bands haben sich in langen Improv-Meditationen auf die Suche nach dieser Anderswelt gemacht, Ambient hat einiges dazu beigetragen, New Age seinen teils üblen Ruf zu verleihen. Wenn nun Julia Holter die alte Kiste aufmacht und dafür von Fact Mag bis BBC, von Pitchfork bis Sputnik lautes Hurra erntet, hat das sicher auch mit dem Versagen von Indiepop und HipHop zu tun, in den Nuller Jahren mehr als nur puren Konformismus zu produzieren. Echte Alternativen sind willkommen. Und nachdem man zwar in der Vergangenheit teilweise fündig geworden ist, aber die Gegenwart auch nicht stehen bleibt, ist der Schritt hin zu New Age zumindest konsequent. Ekstasis, der Albumtitel, bedeutet immerhin »aus sich hinaus treten«, verrät Wikipedia.

Julia Holter kommt dabei ohne Kommunen oder Bio-Technologie aus, auch ohne alternative Vertriebswege (Fair Trade, AR App, Schneckenpost) oder antiheteronormative Manifeste. Ihre Mind Machine heißt Musik. Mit einem Schuss Bildungsbürger-Geheimwissen. Geheimwissen, verrät Wikipedia, heißt auch Esoterik. Das führt dann doch auf eine falsche Fährte. Julia Holter möchte ihre konzentrierten Sound-und-Song-Atmosphären eher als etwas Intuitives verstanden wissen. Tatsächlich, ihre behutsam zerbrechlichen, immer wieder abbremsenden Songs sind mal zart, wehmütig und wirken dabei immer wieder altertümlich. Nur selten haben sie klare, klassische Strukturen, Strophe, Refrain und das. Sie sind im Avant-Pop genauso daheim wie in Folk und Soundscape-Kompositionen. Auf ihrem Fact-Mix arrangiert sie überhaupt nur noch zittrige Samples und durchbricht sie jäh mit Kassettenrauschen und Abwasser. Dabei tun sich ein paar Ähnlichkeiten zu CocoRosie und Joanna Newsom auf, nur singt Julia Holter weniger gekünstelt, zwar mit sich selbst im Chor, durch Schleier aus Hall, aber wenn man so will, klarer. Auch wenn die Details feinst verwoben sind, dürfte das nur noch aufregender klingen, radikaler, ungewöhnlicher, fremder, ekstatischer – immerhin muss Musik die Welt für ein paar Minuten retten.

(6/10)




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