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Girls - Father, Son, Holy Ghost
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Girls haben bereits auf ihrem zweiten Album die Verdichtung von epischen Stoffen auf vier bis sechs Minuten perfektioniert.
Zeilen wie die von Girls hatte lange niemand mehr zu sagen gewagt. Ungebrochen, unironisch, mit einfachen und großen Worten. Da ist keine Spur von den ironischen Doppelbödigkeiten von so großen Nuller-Jahre-Bands wie MGMT, den White Stripes oder Vampire Weekend. Ihre schnellen Popnummern wirken manchmal schon lächerlich, so als wäre der Geist einer US-60s-Soul-Pop-Girl-Group im Körper von Indierock gefangen. Doch die sind klar die Ausnahme. Ihre neue Single »Vomit« erzählt von tiefer Entfremdung, im Video sieht man eine Fahrt durch einsame Straßen voll mit Prostituierten, Armut und dazwischen das kalte Blech des feuerroten, polierten Ford Mustang. Das erinnert an die schwule Ikonographie von Kenneth Angers »Scorpio Rising« und an »Taxi Driver« gleichermaßen, ein Film, in dem ein rastloser De Niro im Schmutz auf der Suche nach Liebe ist. Nach mehr als vier verzweifelten Minuten, in denen Sänger Christopher Owens immer wieder »Looking for love« und »I Need your love« winselt, wird das düstere Gitarrenmotiv des Anfangs plötzlich nach Dur gedreht: »Come Into My Heart« – nach dem Tal der Tränen kommt die Erlösung mit himmlischen Gospelchören.
Diese Verdichtung von fast epischen Stoffen auf vier bis sechs Minuten haben Girls bereits auf ihrem zweiten Album perfektioniert. Es ist atemberaubend, mit welcher Präzision Girls immer wieder diese Stiche ins Herz setzen, in denen Text und Musik ineinander aufgehen. Auf »Alex« etwa. Oder in in »Just A Song« heißt es da: »Seems like nobody’s happy now« und gleich noch ein bisschen tiefer, wehmütiger hinterher: »Seems like nobody’s happy now«. Es sitzt. Weil man dagegen nicht argumentieren kann. Rundherum stürzt gerade die Welt zusammen. Wer es nicht wusste. Dabei ist »Father, Son, Holy Ghost« kein gesellschaftskritisches Album. Liebe, Liebe und Erlösung sind die allbestimmenden Themen. Auf »Forgiveness« wird ein Akkordwechsel sieben Minuten lang hinausgezögert. Am Ende von allen Zweifeln steht eine kryptische Wahrheit, Schuld und Sühne. »Father, Son, Holy Ghost« bewegt sich dabei manchmal gefährlich nahe an genialischem Prog-Rock, manchmal gefährlich nahe an Bubblegum-Pop, ist voll mit christlichem Ballast, aber auch voll mit viel zu vielen großartigen Momenten und Songs, um sich davon beeindrucken zu lassen.
(9/10)
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