Tapetenwechsel?
review - musik - album

Gerard MC - Blur

Gerard MC - Blur

Bewertung

Redaktion: ****/2*

Autor: Klaus Buchholz

Erschienen bei: Eisbrand



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Blinded By The Lights

Gerard MC hat seinen Sound jenseits engerHip Hop-Grenzen gefunden. Dass The Streets dabei Pate standen, macht „Blur“ zu einem nicht minder großen Lichtblick.


„It‘s satsch ah blöhr“, stellt Gerard MC in bestem Austro-Englisch unmissverstĂ€ndlich im Intro seines neuen Albums klar. Der 22-jĂ€hrige Wahlwiener hat sich von seinen einstigen HipHop-Wurzeln im Schoße der Wiener Rooftop-Clique weitestgehend freigemacht und prĂ€sentiert rund zwei Jahre nach seinem DebĂŒt „Rising Sun“ ein Konzeptwerk namens „Blur“. Dieses handelt, gemĂ€ĂŸ dem Titel, vom Ungewissen, von Zwischenwelten, von RauschzustĂ€nden. Das „LebensgefĂŒhl einer Generation“ soll in diesen 16 Tracks vermittelt werden.
Diesem ambitionierten Anspruch versucht er mit dem ErzĂ€hlen urbaner Nachtlebensgeschichten beizukommen. Der deutsche Gast-MC Maeckes bezeichnet das im Track „Wahllose Szenen“ scherzhaft als „Original Piratenmaterial“. Wenn sich Gerard als fantasierender MĂŒĂŸiggĂ€nger zwischen Afterhour und Arbeitsplatzsorgen darstellt, wird bald wahrscheinlich, wer hier Vater des Gedankens gewesen sein könnte. Mike Skinner lĂ€sst grĂŒĂŸen. Doch etwas anders als dieser offeriert Gerard Einblicke in die GedankensprĂŒnge eines jungen Mannes, der persönliche Unsicherheiten und Selbstzweifel ĂŒberraschend unverkrampft zu thematisieren weiß. Die SchlĂŒsse, die er aus seinen Reflexionen ĂŒber zwischenmenschliche Beziehungen und Daseinsplanung zieht, klingen manchmal nach redundanten Durchhalteparolen und schrammen gelegentlich am Phrasendreschen vorbei. Auch der Reimfluss gestaltet sich nicht immer hĂŒrdenlos. In seiner ErzĂ€hlweise bietet er aber stets hörenswert aufbereitete Alltagserfahrungen, und schafft es zumeist, altkluge AllgemeinplĂ€tze zu meiden.
Die thematisierten Ungewissheiten allein machen ein Abtauchen in die umnachtete Welt des Gerard noch nicht zum LebensgefĂŒhl einer Generation. Doch die sphĂ€risch arrangierten Beats helfen, dem neu eingeschlagenen musikalischen Weg eine sehr persönliche Note zu geben. Konsequent wurden die Tracks – mal mehr, mal weniger druckvoll – mit hallenden Synthesizern, wabernden BĂ€ssen und stolpernden Drums bestĂŒckt, was besonders den elektronisch-experimentierfreudigen HĂ€nden der Produzenten Main Loop, Fid Mella und Clefco zu verdanken ist. Zusammen mit Stichwortgeber Gerard haben sie eine spannungsgeladene Kulisse entwickelt die ihrem Titel gerecht wird. Mit einer derart beachtlichen und doch eigenstĂ€ndig klingenden Sound-Ästhetik kann der jugendlich Leichtsinnige nun ruhigen Gewissens seiner Zukunft entgegenblicken. Nach der Katerstimmung ist schließlich vor dem nĂ€chsten Rausch.

(7/10)




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