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Damon Albarn - Dr. Dee


Damon Albarn - Dr. Dee

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Redaktion: ***/2**

Autor: Stefan Niederwieser

Erschienen bei: Parlophone

V: 04.05.2012





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Der Ausflug von Blur-Frontmann Albarn in die Historienmusik ist trotz wirrem Konzept immerhin nicht so schlimm wie die von Sting, Tori Amos oder Paul McCartney.


Wenn Popper einen auf Hochkultur machen, ist für Streit gesorgt. Zumindest war das früher einmal so, als die Grabenkämpfe zwischen Ernst und Unterhaltung noch sehr ernst und manchmal unterhaltsam ausgefochten wurden. So ganz sind die Komplexe nicht verschwunden, aber wenn sich Blurs Damon Albarn heute mit den Philharmonikern der BBC ins Bett legt, sorgt die Grenzüberschreitung eher für ein Schulterzucken, denn hitzige Debatten im Feuilleton und Facebook-Chat. Und das auch selbst dann, wenn man versucht, so wie Albarn etwas genuin Klassisches zu schaffen, statt das Orchester nur als Klangveredelung für seine Songs zu verwenden, wie das etwa Metallica oder Udo Lindenberg getan haben. Dabei gab es ja bereits einige Musiker, die mit den Möglichkeiten des Orchesters eigene Wege gingen, wie etwa Chilly Gonzales, Scott Walker, Jonny Greenwood (Radiohead) oder Jimi Tenor. Aber nein, Damon Albarn verschreibt sich verquerer Kunstmusik, Lauten, Amseln, Kathedralen, Harfen, Orgeln, Flöten und der alten Minne. Die Modernisierungsversuche bleiben dabei kosmetischer Natur, methodisch ist das ein bisschen wie barocke Musik mit Beats. Noch dazu ist das erstaunlich, weil Damon Albarn zwar bereits viele sperrige Projekte um ihrer selbst willen durchzog, aber das nie mit Unterstützung eines großen Labels.

2011 wurde diese Oper bereits in Manchester aufgeführt, sie handelt von John „Dr.“ Dee, vielleicht dem Inbegriff des englischen Universalgelehrten, der am Anfang des Wissenschaftszeitalter esoterische Lehren, Mathematik und Astrologie gleichermaßen erforschte. Tracks wie „A Man Of England“ werden trotz tragfähigem Fundament durch allzu förmliches Deklamieren in den zu engen Guckkasten gebannt, „Coronation“ fällt zu himmlisch aus, während „The Marvelous Dream“ Damon Albarns elegant-müden Tenor auf der Höhe seines Könnens als kleine Nachtmusik präsentiert. Bis die Oper aber mit seinem Star in eine Stadt in der näheren Umgebung kommt, bleibt „Dr. Dee“ ein vernachlässigbarer Gehversuch in der Schlangengrube „Klassik“.

(5/10)




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