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Zuckersüße Sommerdepression
Ein Debüt, das uns so unmissverständlich wie nur möglich klar macht, wie es um den Indie-Pop Sommer 2011 steht, nämlich genauso wie im letzten Jahr: Sonnig!
Auch wenn den Hörern nicht gleich die Sonne aus dem Arsch scheinen mag, kredenzt die Platte ein fruchtiges Gemisch aus Popmusikversatzstücken, die in den letzten vier Jahren in ausrangierten Jugendzimmern und Hipster-WGs als der heißeste Scheiß gehandelt wurden. Neben den beinahe schon obligatorischen 60ies-Girl-Group-Verweisen und Phil-Spector-Huldigungen gibt’s Bedroom-Recording-Charme und nostalgische Fantasien adoloszenter Dummheiten und Romanzen. Alles Sand von gestern, oder doch ganz anders?
Als sich zu Beginn des letzten Jahres in den Nischen unzähliger Blogs die Stimmen vor lauter Begeisterung überschlugen, war noch kaum etwas über das Boy/Girl-Duo aus NYC in Erfahrung zu bringen. Mit ihrer auf Forest Family – dem Imprint des US-Indieblogs Gorrilla vs Bear – veröffentlichten Debüt-Single stellten Brian Oblivian und Moline Folline klar, dass sie sich in Sachen Geheimniskrämerei ebenso außerhalb der talentfreien Zone bewegen wie in der Kunst des Songwritings: »Go Outside«, ein gleichzeitig verträumt wie auch mitreißendes Stück Popmusik, führte uns zunächst mit einem Zitat des Todessektengurus Jim Jones (»To me, death is not a fearful thing; it's the living that's treacherous«) auf falsche Fährten und flitzte in weiterer Folge erfolgreich durch das verwachsene Feld des 60er-Jahre-Pop. Also, berechtigt der Hype und folglich groß ist die Erwartungshaltung!
Umso erfreulicher nun, dass das vorliegende Debüt in keiner Weise enttäuschen mag. Eine Huldigung an Tommy James & The Shondells, Petula Clark und Jackson 5. Track für Track eine Ode an die Utopie des immerwährenden Sommers, aber auch an die kleinen alltäglichen Katastrophen, die sich vor allem in den eher verträumten Stücken manifestieren und der Platte einen subtil düsteren Touch verleihen: Auf »Never Heal Myself For You« berichtet Folline flankiert vom dezenten Glockenspiel von jugendlichen Selbstzweifeln. Das unschuldig dargebotene »Bumper« grüßt recht frech die Shangri-Las und lässt den Jungen in Form eines Dialogs auf das Mädchen los,um ihr nach durchlittener Beziehungskrise seine Liebe zu gestehen. Für immer 17! Auch Cults surfen auf der momentan schwer angesagten Retro-Pop-Welle in Richtung Sandstrand, haben jedoch eine klare Ansage an die Best Coasts dieser Welt in ihren Hipster-Taschen: „Dieser Sommer gehört uns!“
(7/10)
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