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Cherry Sunkist - OK Universe

Cherry Sunkist - OK Universe

Bewertung

Redaktion: ****/2*

Autor: Philipp L'Heritier

Erschienen bei: 22.Jahrhundertfuchs

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MENSCHMASCHINENMUSIK

Eine feine, merkwürdig angenehm aus der Zeit gefallene Nachtmusik: Die Oberösterreicherin Cherry Sunkist schließt auf ihrem Debüt-Album die alten Schwestern Laptop-Rock, Quietschpop und rappelige Elektronika kurz und erzielt dabei höchst angenehme Ergebnisse.


Es muss ja nicht unbedingt immer gleich an der Neudefinition der Weltformel gewerkt werden, häufig genügt es, wenn sich gewieft auf schon Vorhandenes bezogen wird, ein bisschen hin und her gebogen und umgedeutet sowie eine kleine Prise entscheidendes Eigenaroma beigegeben. Die in Linz ansässige Videokünstlerin und Musikerin Karin Fisslthaler arbeitet seit gut drei Jahren unter dem schön zuckersüßen wie bedeutungsschwangeren Namen Cherry Sunkist an wohlig schepperndem Maschinenterror im Zeichen von Gummipop. Bei dem, was ihr äußerst gelungenes, auf dem neuen Wiener Label 22.Jahrhundertfuchs erschienenes Debüt-Album „OK Universe” nun alles so anzubieten hat, tut sich freilich ein veritabler Katalog an möglichen Referenz-Bands und -Projekten auf: Was hier Laptop, Drumcomputer, Synthesizer und möglicherweise etlichen anderen Gerätschaften an freundlichen wie rumpeligen Beats entlockt wird, ruft Wald- und Wiesen-Elektronika beispielsweise der Marke Morr zurück ins Kurzzeitgedächtnis - minus zu hohem Niedlichkeitsappeal, plus leicht aufgekratztem Aggressionspotential. Die etwas forscher drängelnden Stücke, Fisslthalers Stimme und fallweise Gitarre deuten den Kabelsalat stark in Richtung Postpunk, Rrrrriot und Derivate, die irgendwie irgendwas mit Electro- im Namen führen. Gerne darf man hier an abgebremste Le Tigre, die Großmeisterin des Powerbook-Entertainments, Kevin Blechdom, oder, logisch, an etwas weniger nervige Chicks On Speed denken. Passenderweise war ein Stück von Cherry Sunkist dann auch auf der formidablen, im vergangenen Jahr beim Label der Letztgenannten erschienen Compilation „Girl Talk” vertreten. Durch den relativ mitreißenden und frohlockenden Partyalarm schlängeln sich Instrumentalstücke, die sich blubberndem Ambient und knartzige Andeutungen von Krach einverleibt haben – und dem Album zu wohl dosierten Ruhemomenten verhelfen. Die junge Frau tritt uns also auf die Füße, bläst uns bunte Girlanden ins Gesicht, lässt uns aber auch schon mal verdientermaßen ruhig auf der Chaiselongue fläzen. Nach nicht mal ganz dreißig Minuten ist – Zack! – das Album dann auch schon wieder vorbei, ein geschickter Move, man muss ja nicht immer gleich alles irgendwo behaupten, was einem gerade so eingefallen ist.

(7/10)




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