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Big Deal - Lights out

Big Deal - Lights out

Bewertung

Redaktion: *****

Autor: Juliane Fischer

Erschienen bei: Mute



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Lolitapop

Pärchen-Performance scheint die neue Bandkonstellation im Popgeschäft. Selten klappt es aber gleich auf Anhieb so persönlich und gleichzeitig universell zu sein.


Wenn sich ein Label wie Mute schon ganz früh einer Band annimmt, ist das ein großer Vorteil. Wenn man dabei aber unbeeindruckt natürlich und unverzerrt bleibt, ist das obersuper. 

Eine Gegenlichtaufnahme im Vintage-App-Stil auf dem Albumcover drückt schon aus, was damit gemeint ist: Sonnendurchflutete Melodien bleiben naturbelassen und blinzeln naiv dem Licht entgegen. Spontan und unmittelbar agiert da eine blonde Frau und ein dunkelhaariger Mann. Unbeeindruckt von der Größe und Gewichtigkeit ihres Musiklabels, unbeeindruckt von einem Senkrecht-Start auf die große Bühne, stehen sie da und bezirzen ihr Publikum. 

Diese Boy-Girl-Konstellation scheint ja gerade das neue Ding zu sein. 

Das Zusammenspiel von weiblicher und männlicher Stimme assoziiert man schnell mit dem Geschwisterpaar Angus&Julia Stone oder Phrasen von The XX (gut, Jamie XX hält sich im Hintergrund). Auch bei She&Him bleiben die Gedanken hängen, aber nach kurzem Überlegen überzeugen Big Deal mit dem richtigen Maß an Hipstereskem Low-Fi und lassen Zooey Dechanel und Matthew Ward leicht altersgrau und zugeknöpft links liegen.

Musikerpärchen punkten jedenfalls richtig in der Lo-Fi-Popwelt. Sie orientieren sich im Normalfall kokett an den 50er und frühen 60er und kokettieren zumeist gehörig miteinander, was den Sex in der sonst vielleicht zu faden Jugendlichkeit beisteuert. Das Lolita-Modell funktioniert bei den Ting Tings hervorragend, warum nicht auch bei weniger Aufbrausendem? Das haben sich ziemlich zeitgleich auch Tennis und Best Coast gedacht. 

Was Big Deal nun von all diesen Männlein-Weiblein-Bands unterscheidet, ist das gleichzeitige Singen und das komplette Weglassen von instrumentalen Füllphasen-Zwischenspielen. Big Deal beschränken sich auf eine männliche und eine weibliche Stimme und auf ihre Gitarren, die mal akustisch, mal elektrisch sind. Der Amerikaner und die Britin scheinen jeden Nachmittag nach ihrem Schulunterricht zum Gitarre spielen zusammenzukleben. Diese Nähe bringt Einklang, Wohlklang, Harmonie und Stimmigkeit. Da passt höchstens eine Terz dazwischen. Die persönlichen Texte lassen Wohnzimmerstimmung aufkommen oder von Wiesenpicknicks träumen. Der Minimalismus bewirkt intime Natürlichkeit und natürliche Intimität. Richtig unschuldig klingt das vorerst. Beim genaueren Hinhören ist die erotisch aufgeladene Stimmung kaum zu überhören. Weiß man zusätzlich noch vom Lehrer-Schülerin-Verhältnis der beiden, macht das die Sache so richtig knackig: Während der von der amerikanischen Westküste stammende Kacey Underwood bei der Band Little Death spielt, unterrichtet er Gitarre. In der Musikschule heuert ihn Alice Costelloe´s Mutter an, ihrer Tochter Unterricht zu geben. Und plötzlich macht alles Sinn: Ihr Wunsch älter zu sein und ihre lustvollen Gedanken, die beim Hausaufgabe machen stören. Beim innig-einig gesungenen “Talk” ist alles klar: Das ist das, was man Lolita-Pop nennen kann. Zeitlos soll es sein, wie die neue Kurt Vile Platte, das ist eines ihrer Ziele und der Weg ist bekanntlich das Ziel. Big Deal haben die universelle Ebene schon mit dem Debüt erreicht; nun müssen sie sich nur noch die Erotik, die das Album ausmacht, aufrecht erhalten.

(8/10)




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