Tapetenwechsel?
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review - musik - album

231 - 23

231 - 23

Bewertung

Redaktion: *****

Autor: Klaus Buchholz

Erschienen bei: Sony



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Verschenktes Potenzial

Es hätte so klingen sollen wie »Watch The Throne« von Kanye West und Jay-Z. Doch die einstigen Pioniere Sido und Bushido geben sich mit bloßer Abwatschware zufrieden.


Zwei Dinge vorweg: Bushido ist immer noch ein lahmer Rapper mit schlampigem Flow und ermüdendem, vernachlässigbarem Inhalt (Kostproben wie »Hier kommt der Banger, du Hänger bleibst auf ewig Penner« gehen nicht nur einmal auf die Nerven). Die Nummer »Erwachsen sein« mit Rock-Schlagersänger Peter Maffay ist selbstverständlich eine einzige Katastrophe, wahrscheinlich die größte auf diesem Album, aber leider kein Einzelfall bei dieser großen Enttäuschung namens »23«.

Erinnern wir uns kurz an die Anfänge, an die Debütalben »Vom Bordstein bis zur Skyline« (2003) von Bushido und »Maske« (2004) von Sido. Während Bushido ein überzeugendes und originär deutsches Bild von deutschem Gangsta-Rap skizzierte, das Diskussionen in Talk-Shows und Nachahmungstäter hervorrief, lenkte Sido mit Provokationen und missverstandener Ironie die Aufmerksamkeit des gesamten deutschsprachigen Raums auf soziale Brennpunkte wie das Märkische Viertel in Berlin. Nebenbei halfen die beiden mit dem Label Aggro Berlin zwischen 2001 und 2009 eine neue Ära für deutschen HipHop zu etablieren. Anstößiger Rap von den Straßen Deutschlands wurde erstmals massentauglich, Pop auf breiter Basis und bis heute zum Dauerbrenner in den Charts. Sido und Bushido zerstritten sich, wurden jeweils solo zu Entertainment-Stars. Als das schnelle Geld der Musikindustrie schnell von einigen wenigen abgeschöpft war und die Anzahl an Nacheiferern inflationär wurde, ging deutscher HipHop in die Tiefe. Der Vergleich mit der Szene in Österreich liegt nahe, wo auf sehr hohem Niveau stagniert wird – wenn weder große Erfolge, noch breite Aufmerksamkeit in Aussicht stehen, wird intensiv an der Kunst gearbeitet. 2011 ist HipHop in Deutschland zugleich anspruchsvolle Subkultur und abnickbarer Mainstream geworden, so pluralistisch und aufregend wie noch nie. Rapper werden endlich als ernstzunehmende Musiker wahrgenommen, die einschlägigen Genre-Medien sehnen bereits französische Verhältnisse herbei. Zu dieser neuen großen Ära haben Sido und Bushido mit »23« aber nur unoriginelles Mittelmaß beizutragen. Ein deutsches »Watch The Throne« hätte es werden sollen. Funktionierende Konzepte, wie bei der guten Single »So mach ich es«, fehlen leider überall. Stattdessen gibt es zu viel Bauchpinselei und Pathos-Krämpfe. Da können die Beats noch so wuchtig sein, Jay-Z und Kanye West würden zu diesem Kitsch nicht mal die Augenbrauen heben.


(4/10)




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