Tapetenwechsel?
21.09.2009
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Total Steiermark: Von A bis Z


Überregional relevant und/oder bekannt:

Eine kurze alphabetische Reise durch die Steiermark.

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ARNOLD

Aufgelegt ist es, ein ABC zur Steiermark mit Arnold beginnen zu lassen. Etymologisch leitet sich dieser männliche Vorname nämlich aus dem althochdeutschen arn, Adler ab. Und dieser fliegende Hochgebirgsjäger findet sich auch in der ersten Zeile der Landeshymne, dem Dachsteinlied, wieder: „Hoch vom Dachstein an, wo der Aar noch haust“, heißt es dort. Das mutet anachronistisch an, so wie die ganze Hymne, die das Steirerland noch bis zur Sav (Save) und Dr (Drau) gehen lässt, also auch die Untersteiermark (Spodnja Štajerska), die seit 1918 zu Slowenien gehört besingt. 2004 wollte man das ändern, tat es aber dann doch nicht. Indessen hat man 2005 den Namen des Sportstadion in Graz Liebenau, die Heimstätte von SK Puntigamer Sturm Graz und dem GAK, geändert. Und zwar von „Arnold Schwarzenegger Stadion“ in „UPC Arena“. Der größten lebenden Arnold aller Zeiten („GRÖLAAZ“), der es vom Panzergrenadier bis zum Gouverneur von Kalifornien brachte, verbat nämlich der Stadt Graz mit seinem Namen zu werben, nachdem sich die Regionalpolitik mit seiner Haltung in punkto Todesstrafe nicht ganz einverstanden zeigte. Da sein Geburtshaus in Thal wahrscheinlich zum ihm gewidmeten Museum wird, dürfte er seiner Heimat mittlerweile wieder verziehen haben. Wo noch Eichen stehn, voll und grün von Saft die kein Sturmwind je noch hat gebeugt antizipiert die dritte Strophe der Landeshymne bereits dieses Politikum, geschrieben übrigens 1844 von Jakob Dirnböck.

 

BONGFISH

Die Grazer Spiele- und Softwareentwickler von Bongfish sind seit 1999 im Geschäft. Einen formidablen Hit landeten sie mit der Snowboard-Simulationsserie „Stoked Rider“, der weltweit an die 600.000 Käufer fand. Ebenfalls seit zehn Jahren im Geschäft ist die SMS-Portal sms.at, gegründet vom Grazer Brüderpaar Martin und Jürgen Pansy. Im weststeirischen Köflach zu verorten sind die vier Mittzwanziger von Commendo. Sie erhielten im Juli 2009 eine Million Dollar Preisgeld für ein Empfehlungsprogramm, das den Kundenrücklauf des US-Online-Film-Verleihs Netflix (Prinzip: Wenn Ihnen das gefallen hat, gefällt Ihnen vielleicht auf folgendes...) um mehr als 10 Prozent verbessern soll.

 

COOKS OF GRIND

Seit 2001 kombiniert das zwölfköpfige Kollektiv Kochen mit Aktionskunst. Das geht hart an die Grenze des guten Geschmacks, denn „sie haben schmutzige Gedanken, lausbübischen Witz, ein großes Herz für die Kunst, ein ebensolches für die Lust an der Provokation, keine Furcht davor, das zusammenwachsen zu lassen, was eigentlich nicht zusammengehört“, beschreibt Journalist und Künstler Martin Behr über die Cooks of Grind. Behr selbst ist Gründungsmitglied der Grazer Kunstgruppe G. R. A. M., die er gemeinsam mit Günther Holler-Schuster leitet. Schwerpunkt ist Multimedia-Art.

 

DIAGONALE

Seit 1998 findet die Diagonale, das Festival des Österreichischen Films in Graz statt, seit geraumer Zeit blickt man aber auch über die Grenzen und zeigt Schienen, die sich mit dem Filmschaffen in Slowenien und anderen Staaten aus dem ehemaligen Ostblock beschäftigen. Diskurs wird also groß geschrieben. So wie bei der Filmreihe agit.DOK die im Forum Stadtpark politische Dokus zeigt und im Anschluss diskutiert. Diskussionen, Vorträge und Workshops gibt es auch beim Festival für moderne Musik Elevate, das seit 2005 im Herbst rund um den Grazer Schlossberg stattfindet. Weitere wichtige steirische Veranstaltungen wären: Das Springfestival (Electronic Art & Music), das Grätzeltreiben Lendwirbel, die Hochkulturveranstaltung Styriarte, die eng mit Nikolaus Harnoncourt verbunden ist, oder der steirische herbst, Europas ältestes Festival für moderne Kunst, gegründet von Hanns Koren, dem umtriebigen Uni-Professor, Volkskundler und ÖVP-Politiker.

 

ERZHERZOG JOHANN

Der Habsburger-Spross starb vor genau 150 Jahren und ist ein steirischer Säulenheiliger und Mythos der im Laufe der Zeit auch zu einem Jodlertext verarbeitet wurde oder als Taufpate für Straßen, Käsesorten oder die Fachhochschule Joanneum herhalten muss. Er galt als sehr volksnah, war am Ende seines Lebens gar Bürgermeister von Stainz und heiratete die Postwerkstochter Anna Plochl aus Bad Aussee, dem geografische Mittelpunkt Österreichs übrigens. Von dort stammen übrigens auch Ulla Weigerstorfer (Miss World 1987, die mittlerweile für Frank Stronach als PR-Lady im Magna Racino arbeitet) und Klaus Maria Brandauer. Obwohl der Erzherzog nur einen Sohn (Franz) hatte, umfasst seine Nachkommenschaft um die tausend Personen. Darunter etwa auch die Familie Harnoncourt, die tief in der Steiermark verwurzelt ist. Musiker Nikolaus kennt man, Bruder Philipp ist ein bedeutender Theologe und Franz Harnoncourt war Vorstandsvorsitzender beim Kaufhausunternehmen Kastner & Öhler. In der Grazer Hauptfiliale des Warenhauses wurde übrigens Österreichs erste Rolltreppe hineingebaut – super!

 

FÜRSTENFELD

Die südoststeirische Bezirkshauptstadt erlangte traurige Weltberühmtheit in Österreich durch das musikalische Denkmal, das ihr das Gitarrentrio S.T.S. gesetzt hat. Die Steiermark scheint zudem so etwas wie ein Austropop-Nest zu sein. Namedropping gefällig: Stefanie WergerE. A. V., Opus, Wilfried (Beutesteirer), Boris Bukowski, Alex Rehak, Carl Peyer, aber auch Ludwig Hirsch, der in Weinberg geboren wurde, allerdings in Wien aufwuchs. Definitv keine Austropopschis sind Gustav (Eva Jantschitsch) und Soap & Skin (Anja Plaschg), Son of the Velvet RatKilled by 9-Volt Batteries, oder Binder Krieglstein. Beim Duo Luttenberger*Klug und Anna F. (Anna Wappel) wird aber die Zuordnung schon wieder etwas schwieriger, aus der Steiermark kommen sie trotzdem.

 

GRÜN/WEISS

Das grüne Herz Österreichs, oder die Grüne Mark sind geläufige Namen für das Bundesland, von dem ca. 61 Prozent bewaldet sind. Außerdem ist Grün die Flaggenfarbe, neben Weiß übrigens, das auch nicht selten vorkommt. Vor allem im Winter auf Loipen und Schipisten. Die berühmteste davon ist wohl die Planai in Schladming. Dort wird 2013 die Alpine Schi-WM stattfinden, zum zweiten Mal nach 1982 übrigens, bekannt ist der Zielhang, ob des Nachtslaloms, der jedes Jahr im Dezember vor rund 50.000 Besucher stattfindet.

 

HUMANIC

Die Schuhfirma ist ein Tochterunternehmen der „Leder und Schuh AG“, zu der auch Corti, Jello, Schuh 4 You und Dominici gehören. Mit immerhin 479,5 Mio. Euro Umsatz ist das Grazer Unternehmen der größte Schuhanbieter Europas. Erzrivale Stiefelkönig kommt übrigens ebenfalls aus Graz. Im kollektiven Gedächtnis verankert sind die Werbelinien von Humanic, die mit Unlogik provozierten. Anfang der 80er Jahre traten in diesen Spots etwa H. C Artmann, Gerhard Rühm, Andreas Okopenko, Herwig Seeböck und auch Wolfgang Bauer auf, der den Claim „Übrigens, Sie sind jetzt im Fernsehen“ lässig in die Kamera sagte. Der steirische Autor, Sprachkünstler und Dramatiker, berüchtigt für seine enttarnende Derbheit starb 2005. Bauer war Mitglied der Grazer Autorenversammlung (GAV), zentrale Figur in der Kunstaktionsgemeinschaft Forum Stadtpark und gründete mit den Künstlern Martin Kippenberger und dem Grazer Jörg Schlick, der ebenfalls 2005 starb, die „Lord Jim Loge“. Leitspruch der Verbindung: „Keiner hilft keinem“. Jörg Schlick plante übrigens mit Werner Schwab, neben Bauer der zweite trinkfeste Radikaldramatiker aus Graz, einen Briefroman zu schreiben. Es wurde nichts daraus, weil Schwab die Silvesternacht auf 1994 (4,1 Promille) nicht überlebte.


HEINZ FISCHER

Der achte Bundespräsident von Österreich wurde in Graz geboren und verbringt seine Sommerfrische im Jagdschloss in Mürzsteg, dem traditionellen Sommersitz des Bundespräsidenten. Also urlaubte dort auch bereits Amtsvorgänger Thomas Klestil, den Fischer 2008 posthum für die Präsidenten-Galerie in der Wiener Hofburg porträtieren ließ. Und zwar vom steirischen Künstler Josef Schützenhofer. Originelles Detail am Rande: Der Künstler gestaltete nicht nur die Wahlplakate der KPÖ Steiermark (vier Sitze im Landtag) sondern ist auch Neffe des steirischen ÖVP-Obmanns Hermann Schützenhofer.

 

INSEL

Was den Wienern ihre – auch künstlich angelegte – Donauinsel, war den Grazern ihre Murinsel. Zumindest im Kulturhauptstadtjahr 2003 erlangte sie als architektonisch auffällige Wegmarke mitten im Fluss, der Graz teilt, internationale Berühmtheit und war 12 Monate lang nicht aus den Hochglanzgazetten wegzudenken. Heute hängt sie stahlseilgesichert immer noch inmitten der Mur. Von Touristen besucht, von Einheimischen eher wenig beachtet.

 

JELINEK, ELFRIEDE

Die Schriftstellerin und Dramatikerin wuchs in Mürzzuschlag auf, lebt mittlerweile aber in Wien und München. Zu ihr gibt es soviel zu sagen, dass man am Wiener Germanistikinstitut ein eigenes Forschungszentrum eingerichtet hat. Und zwar bereits bevor sie 2004 den Literaturnobelpreis erhielt. Überraschend übrigens. Überraschend hat diesen Peter Rosegger nicht erhalten. Der Bergbauernbub vom Alpl galt 1913 als Favorit für den Preis. Das Komitee entschied sich anders. Zu recht übrigens, denn monarchietreuer Patriotismus, tief verwurzelter Katholizismus und ungebrochene Heimatliebe schwingen in Roseggers Texten stets mit. Trauriger Höhepunkt: Während des Ersten Weltkriegs verfasste der gelernte Schneider Kriegs bejahende Lyrik und Texte. Es bleibt also ein fahler Beigeschmack, gegen die Nazi-Vereinahmung konnte er sich aber trotzdem nicht mehr wehren, da er 1918 in Krieglach, Bezirk Mürzzuschlag, starb.

 

KERNÖL

Der dunkle Zaubertrank ist eine Vitamin E-Bombe, hilft bei Reizblasen und beugt Prostatabeschwerden vor – so die Fama – und gehört zur steirischen KKKK-Gruppe (Kernöl, Kren, Kukuruz und Käferbohnen). Seit 1996 ist das Öl herkunftsgeschützt, weswegen auf der Flasche „Steirisches Kürbiskernöl g. g. A.“ (geschützte, geografische Angabe) draufstehen sollte, will man echtes Kernöl, von den rund 1.700 zertifizierten Kernölbauern übers Vanilleeis gießen. Steht das nicht drauf, ist es gut möglich, dass sich in der Flasche Importkerne aus China, Russland oder Ungarn befinden. Zudem ist nicht überall Kernöl drinnen, wo ein Kürbis (steir. Plutzer) drauf ist. Ganz sicher nicht etwa bei der Plattform für Kulturarbeit „Kulturinitiative KÜRBIS Wies“, gegründet vom Schriftsteller und Musiker Wolfgang Pollanz, der auch den Kleinverlag „Edition Kürbis“, das Musik-Label Pumpkin Records und die Literaturzeitschrift „Sterz“ initiiert hat.

 

LENA HOSCHEK

Als pars pro toto für die Kreativszene in Mode und Kunst und Design sei hier die Grazerin Lena Hoschek genannt, die nach einem Praktikum bei Vivienne Westwood eine – eigentlich schon – ziemliche Weltkarriere in der Modebranche hingelegt hat. Extrovertierter 50er und 60er-Jahre-Style, den auch Katy Perry liebt. Gefördert und unterrichtet wird Kreativität in der Steiermark etwa in der renommierten Ortweinschule.

 

MAKAVA

Zwei Studenten, suchen nach einem Lebenselixier, im argentinischen Nationalgetränk Maté Tee werden sie fündig. Sie verfeinern den Tee, setzen auf Fair-Trade, Bio und Nachhaltigkeit und nennen den Trank Makava. Firmensitz ist fortan in Graz, abgefüllt wird in Kärnten, geliefert mittlerweile auch nach Deutschland und verkauft wurden mittlerweile 500.000 Flaschen von der bitteren Bobo-Gsiff.

 

NORTHLAND

Der Outdoor-Experte produziert hochwertige Bergsteigermode, hat Shops in über 36 Ländern und wurde 1973 von Gerwalt Pichler gegründet. Seit einigen Jahren produziert das (nach wie vor) Familienunternehmen auch multifunktionale (Sport-)Mode, die im Alltag getragen werden kann. Hauptsächlich von Sport- und Geografiestudenten, manchmal aber auch schon von HipHoppern.

 

OSTROWSKI, MICHAEL

Charmebolzen, Conferencier, Scherzkeks und kreativer Theatermacher – das ist der in Rottenberg aufgewachsene Michael Ostrowski (eigtl. Stockinger). Er ist einer der treibenden Kreativkräfte beim Schauspielkollektiv Theater im Bahnhof, einer Art Löwingerbühne der Subkultur, die gern mit Trash- und Pop-Ästhetizismen spielt. Zum Ensemble gehören neben Ostrowski u. a. Helmut Köpping, Pia Hierzegger oder Martina Zinner. Die künstlerische Leitung beim Theater im Bahnhof hat Ed Hauswirth inne. Regelmäßig wird auch mit dem Schauspielhaus Graz für Produktionen zusammengearbeitet und gerne werden die Ensemblemitglieder auch für Filmproduktionen engagiert. In Filmen wie „Nacktschnecken“ oder „Contact High“ vom steirischen Regisseur Michael Glawogger etwa oder im Film „Kotsch“ der in Fohnsdorf spielt.

 

PUNTIGAM

Puntigam ist der 17. und jüngste Grazer Stadtbezirk, 1988 wurde er aus Teilen der Bezirke Straßgang und Gries ausgegliedert. Im 6.900 Einwohner zählende Bezirk findet sich das Puntigamer Brauhaus. Dort wird seit 1478 Bier gebraut, jährlich gehen rund eine Million Hektoliter raus – Österreichrekord. Ebenfalls dort zu finden: Die Landesnervenklinik Sigmund Freud, im Volksmund auch als „Puntigam links“ bezeichnet, „(...) weil Autobahnabfahrt Puntigam und dann links.“ So der Krimi-Autor Wolf Haas in „Das ewige Leben“ (Hoffmann & Campe) und der muss es wissen, da er mit seinem Ermittler Simon Brenner einen waschechten Puntigamer geschaffen hat. Realer ist da schon der Grazer Scherzbold und Schauspieler Martin Puntigam, der seit Jahren auf FM4 sein Satire-Unwesen treibt und als Science-Buster Aufklärungsarbeit in Sachen Physik und Alltag leistet.

 

Q

Seit Ewigkeiten belagern Gothic-, Metal- und Hardcore-Gestalten sowie unzählige andere verirrte Seelen auf der Suche nach dunkler Heimeligkeit das Q, das selten vor Sonnenaufgang seine Türen schließt. Etwas szeniger und gehaltvoller gibt sich Graz in der Postgarage, im legendären Sub oder im gerade – samt Proberäumen, Clubräumen und Büros für Kulturiitiativen – neu gegründeten KKZ Annenstraße.

 

ROTOR

Dem bürgerlichen Mainstream wohl mindestens zwei, drei Jahrzehnte voraus ist seit jeher Rotor (http://rotor.mur.at), das seit 1993 agierende Projekt des Künstlerpärchens Anton Lederer und Margarethe Makovez’. Nicht nur wagten sich die beiden mit ihren grenzüberschreitenden Arbeiten, von der EU geförderten Projekten und Kollaborationen schon weit nach Südosteuropa vor als andere noch „Grenze schauen“ gingen, sondern fungierte ihr sich aus dieser Tätigkeit natürlich ergebende internationale Kunst-Netzwerk auch zu einem permanenten kreativen Austausch über die Grenzen hinweg. Herausragend bleibt Rotors Aktion „Land of Human Rights“. Demnächst, im Rahmen des Festivals Steirischer Herbst aktuell: ihr Projekt „Annenviertel. Die Kunst des urbanen Handelns“.

 

SKULPTURENPARK

Auf dem Gelände der ehemaligen Gartenausstellung zeigt das von Peter Pakesch geleitete Landesmuseum Joanneum im Süden von Graz an die 60 zeitgenössischen Skulpturen primär österreichischer Künstler. Dort u.a. zu sehen: das „Fat Car“ von Kunst-Star Erwin Wurm, welcher wiederum aus Bruck an der Mur stammt.

 

TURNTABLISM

Kein unbeschriebenes Blatt ist Graz das DJing betreffend. Bereits seit 1997 prägen etwa die Artists von Tiefparterre die Szene, wobei auch schon DJ-Contests gewonnen wurden. Genauso umtriebig sind die Leute von Disko404 oder die Runde rund um Clara Moto und ihre DJ-Workshops.

 

UNTERWEGER, JACK

Die Steiermark ist auch ein guter Boden für Psychos, Borderliner und Mörder: Briefbomber Franz Fuchs zum Beispiel, Karl Otto Haas, der Nazi-Mörder Aribert Heim oder eben Jack Unterweger. In den 70er Jahren zu lebenslanger Haft verurteilt, begann Unterweger im Gefängnis zu schreiben. Österreichische Schriftsteller und Intellektuelle wie Günther Nenning, Milo Dor und Elfriede Jelinek machten sich für seine Entlassung stark. Als dann Prostituierte in Österreich, Tschechien und den USA ermordet wurden, war der Ofen aber aus und die Sache mit der Resozialisierung ein Stammtischthema.

 

VANEK, THOMAS

Der österreichische Eishockey-Star Thomas Vanek verbrachte Teile seiner Jugend, ehe er mit 14 in die USA auswanderte, in Graz. Das reicht, um ihn zum Steirer zu machen. So bei Formel-1-Weltmeister Jochen Rindt, der in der Landeshauptstadt bei seinen Großeltern aufwuchs, allerdings als aktiver Sportler in der Schweiz lebte und zeitlebens deutscher Staatsbürger war. Am Österreichring im obersteirischen Spielberg, der mittlerweile Didi Mateschitz gehört hat Rindt allerdings nie gewonnen. Ähnliche kernölchauvinistische Vereinahmung widerfuhr Fußballer Ivica Vastic, der 1998, nach einem Tor bei der WM in Frankreich die Staatsbürgerschaft von der Kronen Zeitung, de facto aber vom Steirer Hans Dichand verliehen bekam. „Ivo, jetzt bist du ein echter Österreicher“ titelte damals das größte Kleinformat der Welt. Beim Leibnitzer Thomas Muster, Inbegriff des Sandplatz-Hacklers und ehemaliger Tennis-Weltranglisten-Erster (ATP), war so etwas nie nötig.

 

WEINSTRASSE

Straßenrouten die durch ein Weinanbaugebiet gehen, werden landläufig als Weinstraßen bezeichnet. In Wirklichkeit ist das aber ein Tarnname, um Pensionistenbussen und Radtourfamilien zum Saufen in den Buschenschank zu locken. Die südsteirische Weinstraße ist die berühmteste, sie erstreckt sich entlang der österreichisch-slowenischen Grenze. Nicht zu verachten ist auch die Schilcherweinstraße in der Weststeiermark. Der Rosé Wein zählt wie Kernöl zum steirischen Stolz, macht aber in groben Mengen genossen etwas aggressiv – angeblich. Ein großer Freund des Schilcher ist Autor Reinhard P. Gruber, der 1988 die Satire „Schilcher ABC“ veröffentlichte, seinen literarischen Durchbruch schaffte er aber mit der blutrünstigen Heimatsatire „Aus dem Leben Hödlmosers“. Die spielt in Kumpitz, einer Katastralgemeinde von Fohnsdorf, einem traditionellen Bergbauort (Kohle). Teile seiner Jugend verbrachte übrigens Patrick Pulsinger in dieser Ecke im Murtal, aber auch Ex-Burgtheaterdirektor Klaus Bachler oder der 2005 verstorbene Kurier-Kolumnist Herbert Hufnagel, der die gängige Abkürzung wie ULP (Unsere Liebe Post) oder UHBP (Unser Herr Bundespräsident Heinz Fischer) schuf, stammen von dort.

 

XENON ARCHITECTURAL LIGHTING

Das Grazer Unternehmen stellt Leuchten und Lichtsysteme für Shops, Büros, Wohnräume und Hotels her, hat über 400 Mitarbeiter und Tochtergesellschaften in München, Zürich, London und New York. Ob Architekt Thomas Pucher auf Lichtkonzepte von XAL zurückgreift konnte nicht eruierte werden, sein Atelier in Graz wird in der Architekturszene aber im Moment als eines der kreativsten und wichtigsten weltweit eingeschätzt.

 

Y

Ein Ypsilon kommt immer dann ins Spiel, wenn sich die Steiermark besonders mondän gibt. Etwa bei der von der von Graz aus europaweit agierenden katholischen Mediengruppe Styria (zu der hierzulande neben den Tageszeitungen Die PresseKleine Zeitung und dem Wirtschaftsblatt auch die Furche und die Magazine Wiener, Diva oder Wienerin gehören), bei der UNESCO-Bewerbung der Landeshauptstadt als Design-Hochburg, als City of Design durch die Creative Industries Styria, oder, gleich zweimal, bei Stefan Auers Compilation-Reihe Styrian Stylez, die steirischstämmige Musik auf CDs packt.

 

ZIRBENSCHNAPS MIT RED BULL

Derzeit unter Komatrinkern bei Feuerwehrfesten ein sehr beliebtes Mixgetränk. Obgleich der süßbittere Zirbenschnaps im gesamten Alpenbereich hergestellt wird, sind die Steirer auf ihr „Zirberl“ besonders stolz. So wie auf den Mürztaler Didi Mateschitz, der in den 80er Jahren aus einem Thailand-Urlaub das Rezept für Energydrink Red Bull mitbrachte, ein Marketingimperium aufbaute und gegenwärtig auf der Forbes-Liste der Superreichen auf Platz 151 rangiert. Da polarisiert Austrokanadier Frank Stronach, der im steirischen Weiz als Franz Strohsack zur Welt kam ein bisschen mehr. Onkel Frank wanderte in den 50er Jahren nach Kanada aus und gründete dort den Autozulieferer Magna Inc., einen Global Player reinsten Wassers, der 1998 etwa die Steyr Daimler Puch AG übernahm und 2009 nach langem Hin und Her wohl den angeschlagenen Opel-Konzern kaufen wird. Wie Stronachs Koffeinbrause „Frank’s Energy Drink“ mit Zirbenschnaps schmeckt, ist leider nicht überliefert, er wird – obwohl abgefüllt und hergestellt in Oberwaltersdorf (NÖ) – nur in Nordamerika verkauft und hat auf Facebook bereits 310 Fans.

 

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