Tapetenwechsel?
29.05.2008
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Health - gesunder Lärm am Nebenschauplatz

von Werner Reiter  


Bild: health_1.jpg



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Montag, 26. Mai an einem Nebenschauplatz des frühsommerlichen Konzertreigens: Während im großen Saal der Arena ein mit der Band gealtertes Publikum erfuhr, dass Dinosaur Jr. ihren legendären Ruf noch immer zu Recht haben, ging es im kleinen Saal deutlich heftiger zur Sache. Und quasi am Nebenschauplatz des Nebenschauplatzes lernte ich eine Band kennen, die wenn's nach mir geht, bald ebenfalls einen legendären Ruf haben wird. Im Vorprogramm von No Age zeigten Health, dass Lärm zur großen Kunst werden kann, wenn er durchdacht und präzise in Szene gesetzt wird. Das Quartett aus Los Angeles verband diese Präzision dann auch noch mit einer hochenergetischen Performance. Ein übergroßer schlaksiger Asiate wand sich ekstatisch und schüttelte sein langes Haar zu Noise-Eruptionen, um sich so wie seine Kollegen gleich darauf wieder auf die nahezu unüberschaubare Batterie von Effektgeräten zu stürzen, an denen eine exakt geplante musikalische Dramaturgie umgesetzt wurde. Dass so etwas auf Tonträger funktioniert ist klar. Live habe ich selten eine Umsetzung gesehen, die so penibel auf Timings achtet und dabei keine verbissen konzentrierten Schräubchendreher zeigt. Die Drums werden bei Health weder live noch auf Platte verfremdet und bauen primär auf simple, archaische Rhythmik, die abrupt abreißen kann oder sich in die eruptiven Ausbrüche einfügt. Der Sänger streut gelegentlich leicht psychedelisch anmutende Melodiefetzen ein. Fazit: Health sind sowohl auf Platte als auch live uneingeschränkt empfehlenswert. – Auch für anämische Studenten mit großen Brillen, die sich in der Arena mit Ohropax um einen Teil des Vergnügens brachten.

Der Hauptact No Age war da eher eine Enttäuschung. Die losen Enden und die collagen-artige Verbindung unterschiedlicher Einflüsse von Hardcore, New Wave, Psychedelik bis Noise aus denen immer wieder eine Prise Pop blitzt machen den Reiz ihres Albums aus. Live sind dem Gitarre-Schlagzeug-Duo die losen Enden entglitten und sie haben sich leider einigermaßen verfranst. Im Fall der aus den Resten der L.A. Hardcore-Band Wive entstandenen No Age ist der Tonträger "Nouns" der bedeutendere Schauplatz.

 

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