Tapetenwechsel?
29.06.2010
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Jurassic Rock Park

von Christian Prenger  


Die Geschichte wiederholt sich nicht oder doch, seit alles Retro ist.  Zahlreiche Vertreter der frühen Rockgeschichte verwandeln Österreich zur Live-Nostalgie-Liegewiese.

Bild: fogerty-1.jpg

Bild: beckbending.jpg



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Sicher hat euch Papa, der Opa, Arte oder ein Althippie im Esoterikladen schon vom Summer Of Love erzählt. Woodstock, Vietnam, Revolution, Sex für und mit allen und jeder Menge geile Musik von Jimi Hendrix über Janis Joplin bis hin zu Creedence Clearwater Revival.

Da war doch was. Genau, deren Frontman John Fogerty  gastiert am 12. Juli in Graz, am 13. Juli in der Wiener Arena, am 14. Juli in Salzburg  und  bringt die alten Zeiten zurück, als Rockmusik noch Einstellung war und nicht Pose. Was heuer im Sommer konzerttechnisch im Alpenland passiert, darf getrost als Summer Of Love, Austria, Part 2, bezeichnet werden.

Denn Fogerty ist beileibe nicht der einzige Abgesandte des modernen Retro-Zeitalters. Am 2. Juli, ebenfalls in der Arena, sind Jethro Tull (in den Seventies genial progressiv, dann in der latenten Formkrise) und Colosseum (Pioniere des Jazzrock und immer noch echt bärenstark) zu Gast.

Das „Classic Rock Festival“ auf der beeindruckenden oberösterreichischen Burg Clam am 9. Juli. Dort geigen neben Alt-Kalibern wie Toto, Manfed Mann´s Earthband oder Uriah Heep doch glatt die Herren Ray Manzarek & Robbie Krieger. Jaja, die haben mit Jim Morrison bei The Doors gespielt und haben deren dunklen Klassiker The End nicht wörtlich genommen. Ah ja, die Spencer Davis Group ist ebenfalls hier werktätig.

Keep on running – oder anders gesagt: Jeff Beck am 6. Juli in der Staatsoper und das nächste Rückschau-Feeling. Der Gitarrist, einst bei den legendären Yardbirds, später Protagonist von Fusion und immer für Überaschungen gut, auch im schon leicht fortgeschrittenen Alter, hat nach sieben Jahren ein neues Album parat und tourt wieder.

So, wo liegen die Gründe? Eine sozialpsychologische Erklärung: In Zeiten der Krise suchen Menschen Halt – nicht selten in Zeiten, wo subjektiv „alles besser war“.

Eine gesellschaftspolitische Erklärung: In den Sixties herrschte Aufbruchsstimmung, heute herrscht Krisenstimmung. Wenn dann der einstige Hauch der Veränderung zumindest musikalisch weht, ist das auch nicht schlecht und verkauft Tonnen an Konzerttickets. Eine musikhistorische Erklärung: Die Industrie hat der Zielgruppe der älteren Konsumenten nichts zu bieten, was deren Wertschätzung für die alten Klassiker qualitativ erreicht und eine steigende Zahl von Youngstern hat die digitalen Archive für sich entdeckt. Was bleibt, ist eine stabile Erkenntnis: Der Retro-Boom geht weiter.

Jeff Beck
6.7.2010
Staatsoper Wien

Classic Rock Festival
9.7.2010
Burg Clam

 

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