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"Indie-Regeln brechen"
von Thomas Weber
Kürzlich hat Frank Spilker, sonst bekannt als Sänger von Die Sterne, sein Soloalbum „Mit all den Leuten“ herausgebracht. Ein Interview über das Feingefühl des Publikums und sympathische kleine Festivals.
Weil man um die Frage ohnehin nicht herum komme, stelle ich sie gleich zuallererst: Wird man bei einem Auftritt der Frank Spilker Gruppe auch Songs deiner Stammband Die Sterne hören können?
Nicht solange es die Sterne als aktiv live spielende Band gibt. Ich würde sonst völlig durcheinander kommen…
Dein Album ist musikalisch äußerst vielseitig ausgefallen – von Chanson bis Schweinerock. Wie kann man sich denn einen Live-Auftritt der Frank Spilker Gruppe vorstellen. Gerade im Gegensatz auch zu einem Sterne-Gig?
Man muss sich das vorstellen wie einen "entschlackten" Sterne-Auftritt. Alles etwas schlanker, geraffter, präziser. Und ohne die Verpflichtung die Vergangenheit zu repräsentieren.
Auf deiner Website gibt es insgesamt nur 3 Festivaltermine. In Anbetracht des heran gebrochenen Sommers ist das doch eher ungewöhnlich. Was spricht gegen Festivals? Es gibt ja doch auch eine ganze Reihe von kleinen, sympathischen ...
Nichts spricht gegen ein kleines sympathisches Festival. Aber bei der FS.G handelt es sich leider auch um so eine Art Supergroup, deren Mitglieder allesamt sehr eingespannt sind - auch in andere Projekte. Wir haben kaum die Termine für die Tour zusammenbekommen. Man muss jetzt einfach jedes Konzert als exklusives Ereignis ansehen.
Weil wir vorhin beim Reim waren. In Indie-Kreisen war es eines zumindest früher verpönt: lautes Mitsingen, Mitklatschen. Wie stehst du denn dazu? Bzw: Wie reagierst du, wenn dein Publikum lautstark mitsingt?
Ich finde das ist eine Frage des Feingefühls. Und Regeln - auch Indie-Regeln - sind ja dazu da gebrochen zu werden.
Der Hidden-Track deines neuen Albums enthält eine Art Poetik des Songwriting, in der du das Postulat „Scheiß auf den Reim!" aufstellst. Gleichzeitig machst du dir auf „Mit all den Leuten" auf so manches deinen Reim. Dein Verhältnis zum Reim?
Reime fallen ja nur auf, wenn sie allzu plump sind, oder nicht funktionieren. Genau wie das Versmaß tragen sie dazu bei, dass ein Text Festigkeit bekommt und sich leichter merken lässt. Aber bitte nicht auf Krampf und auf keinen Fall in der Metrik versagen.
Dein Album erscheint auf dem kleinen Label Staatsakt. Dennoch hätte es dir von deinen Fans vermutlich niemand übel genommen, wäre es bei einer Major Company rausgekommen. Die Zeit der großen Indie-Debatten scheint vorbei, eine Zusammenarbeit mit der Industrie wird nicht mehr fundamental als problematisch angesehen. Was bedeutet Indie denn 2008 noch?
Die Situation ist heute ganz anders als in den Neunzigern. Mein Standpunkt heute wäre eher, dass man keine Majors mehr braucht, weil das in vielen Fällen nur noch billige Werbeagenturen sind. Staatsakt z.B. hat überhaupt keine Kohle, bringt aber total Bock. Das tolle an der heutigen Zeit ist, dass trotzdem niemand Schwierigkeiten haben dürfte, die Platte zu bekommen.
Die Frank Spilker Gruppe live zu sehen gibt es u.a. am 1.8. in der Feldkircher Poolbar, am 2.8. am Prima Leben & Stereo Festival in Freising, am 16.8. am Hamburger Dockville Festival und am 18.9. in der Wiener Arena. Weitere Termine unter www.frankspilker.de


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