Tapetenwechsel?
01.08.2012
» musikinterview

You have to follow the music

von Stephan Brueckler  


The Frames, The Swell Season, The Commitments, Once, Falling Slowly – einige gewichtige Schlagworte, die recht grob die erstaunliche Karriere von Glen Hansard umreißen. Bei einem entspannten Gespräch erzählt uns Hansard über den Umgang mit plötzlichem Erfolg, die Spätfolgen des gewonnenen Oscars und die Wichtigkeit von Entspannung im Leben – und wie Grasrauchen auf Jamaika eine nicht unwesentliche Rolle dabei spielen kann.

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Nach 20 Jahren als Bandleader der irischen Folkrockband The Frames gründete Glen Hansard mit seiner damaligen Partnerin, Sängerin & Pianistin Markéta Irglová, das Bandprojekt The Swell Season. Mit seinem ersten Soloalbum "Rhythm And Repose" schlägt der irische Sänger & Songschreiber nun das dritte musikalische Kapitel seiner Karriere auf. Obwohl Hansard sich selbst nicht als Schauspieler sieht, gelangte er gerade durch seine Rollen in "The Commitments" und "Once" zu weltweiter Berühmtheit. Für "Once", den Low-Budget-Überraschungserfolg von 2006, erhielt Glen Hansard zusammen mit Markéta Irglová den Oscar für den besten Originalsong „Falling Slowly“.

Im Rahmen der Premiere des Harvest Of Art-Festivals in Wiesen empfängt uns Hansard im Backstageraum, einem umgestalteten Eisenbahnwaggon. Konzentriert widmet er sich gerade der Erstellung der Songliste für seinen in Kürze bevorstehenden Auftritt. „Ob diese für jedes Konzert geändert wird?“, werfe ich ein. „Nun, einige Teile werden immer geändert, einige Teile bleiben gleich, aber heute wird alles geändert und an das Festival angepasst“, sagt Hansard und ergänzt, „in den USA haben wir mit bis zu 13 Musikern gespielt, und ich versuche gerade herauszufinden, wie man die Setlist mit nur fünf Leuten spielt, das ist interessant“. Was gleich zu Beginn auffällt, Glen Hansard wirkt extrem entspannt, was nicht zuletzt seiner Auszeit zu verdanken ist, über die er uns später noch erzählen wird. Außerdem ist der in Irland aufgewachsene Sänger natürlich mittlerweile Routinier, was Auftritte anbelangt, hat er doch von der Pike auf seine musikalischen Sporen auf der Straße verdient – ähnlich wie im Film "Once", der stark auf Hansard´s Vergangenheit basiert.

 

Glen Hansard: Etwas, das ich wirklich mag, ist, in eine Livesituation hinein zu gehen, in der du nicht sicher bist, was dich erwartet. Es ist besser, wenn es nicht zu vorhersehbar ist, also dann mit dem zu arbeiten, was sich aus dem Moment heraus ergibt. So wie hier auf dem Festival, wo du dich mit der Situation arrangieren musst, das kann sehr aufregend sein. Mit The Swell Season hatten wir das Glück, in vielen schönen Theatern mit Sitzpublikum zu spielen. Und ich denke, jeder Künstler würde es vorziehen in einem Raum voller Leute zu spielen, die dich kennen und deine Musik schätzen. Aber dann gibt es diese Spannung, wenn du versuchst ein Publikum erst für dich zu gewinnen, und das ist prinzipiell das, was einen „Busker“ (Straßenmusiker, Anm.) ausmacht. Wenn du beginnst, auf der Straße zu spielen, spielst du immer vor Fremden. Daher wird es Teil deines Konzepts, in jeder Situation davon auszugehen, dass dich niemand kennt.  

In "Once" wie auch in "The Commitments" spielst du einen Musiker. Hast du dir überlegt, die Schauspielerei zu intensivieren und auch mal andere Rollen anzunehmen, die nichts mit Musik zu tun haben, oder war gerade der Musikbezug für dich ausschlaggebend?

Seit Once sind mir verschiedene Rollen angeboten worden, interessante Rollen, keine Musiker. Aber nachdem ich kein Schauspieler bin, habe ich den Luxus zu sagen, ich würde nie etwas machen, solange ich mich nicht regelrecht gezwungen fühle, es zu tun. Als Musiker habe ich diesen Luxus. Du schreibst nur dann einen Song, wenn du wirklich „musst“. Mit einer Rolle nimmst du einen Job an, für die nächsten drei Monate stehst du um Fünf in der Früh auf, und du gibst diesem Projekt 100% deiner Energie. Ich denke nicht, dass das auf viele Dinge zutrifft, die mir angeboten werden, das meiste fühlt sich an wie ein Job, aber nicht wie ein Job den ich mag. Es gab nur ein oder zwei Projekte, die auf mich zukamen, wo es mir leid getan hat, dass ich sie nicht machen konnte, weil ich mit Musik beschäftigt war. Aber du musst der Musik folgen.

Hat sich nach dem Erfolg von "Once" und dem Oscar viel verändert – persönlich wie auch beruflich?

Nun, beruflich natürlich. Uns wurde das größte Geschenk gegeben, von dem jeder Künstler träumt, nämlich ein Publikum. Das ist alles, was du dir immer gewünscht hast. Und wenn du ein Publikum bekommst, heißt das nicht, dass es bleiben wird, es bedeutet nur, dass das Publikum auf dich aufmerksam wird. Und das war die größte Chance, die wir daraus ziehen konnten. Aber um deine Frage zu beantworten: Ich würde sagen, es hat sich alles geändert und es hat sich nichts geändert. Der ganze Rahmen hat sich geändert, aber im Wesentlichen sind unsere Freunde immer noch dieselben.

Kommen wir zu deinem neuen Album "Rhythm And Repose", dein erstes Soloalbum. Was ist für dich persönlich der Hauptunterschied zwischen Glen Hansard als Solokünstler und The Swell Season bzw. The Frames, abgesehen von unterschiedlichen Besetzungen?

Das ist schwer zu beantworten, da es drei verschiedene Dinge sind. Als Songschreiber denke ich muss man über das singen, wo man gerade steht, sowohl in Bezug auf die Zukunft als auch die Vergangenheit. The Swell Season hat existiert, weil es aus mir und Markéta (Markéta Irglová, Anm.) bestand. Die einzige Möglichkeit, dieses Projekt weiterzuführen, wäre durch sie und mich. Aber wir sind verschiedene Wege gegangen. Markéta lebt nun in Island, und sie hat alleine zwei wunderschöne Platten gemacht.

 

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