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Rewind: Bangers
von Jakob Bouchal
Liebe auf die erste Kick? Fehlanzeige. Das dritte Album von Vitalic benötigt Zeit, will verstanden und in Kontext gesetzt werden.
"Auf seinem aktuellen und dritten Studioalbum Rave Age trotzt Vitalic einmal mehr den Einflüssen des alles verschluckenden musikalischen Mainstreams und stellt eindrucksvoll unter Beweis, dass die verheerende Buchstabenkombination EDM in seinem Wortschatz nicht mal ansatzweise existiert". In einer besseren Welt würde dieses Review wohl mit diesem Satz beginnen - weil wir aber in einer schlechten und von Grund auf bösen Welt leben ist die Sache leider nicht ganz so einfach.
Der flüchtige Erstkontakt mit Rave Age wird langjährige Fans wohl enttäuscht und traumatisiert zurücklassen: prominent platzierte Vocals dominieren fünf der zwölf Tracks, und bereits die ersten beiden Titel Rave Kids Go und Stamina lassen deutlich erkennen, dass hier nicht Clubs sondern Festivalbühnen als Maßstab angelegt wurden. Vocals, Aufbau, Drop, Hände in die Höhe.
Und dann Fade Away, der dritte Track des Albums. Zack, Gänsehaut. Joe Reeves von Shitdisco singt um sein Leben. Lauter drehen. Dieses seltene, unglaubliche Gefühl, sich bereits nach wenigen Sekunden eines Songs zu wünschen, er würde nie enden. Noch lauter. Ohne Zweifel ein Schlüsseltrack - der Schlüssel zum Album? Plötzlich fällt es wie Schuppen von den Augen: Rave Age muss im Gegensatz zu den ersten beiden Alben unter eine völlig andere, aus dem Zeitgeist heraus zu verstehende Prämisse gestellt werden. Es handelt sich um Vitalic's ganz persönliche, subjektive Aufarbeitung des "Rave Age", des Zeitalters in dem elektronische Tanzmusik erstmals den Sprung aus den Clubs geschafft hat und zum Massenphänomen explodiert ist.
Rewind
Mit dieser Erkenntnis geht es zurück an den Start, Rewind zum ersten Track. Und nun ist sie plötzlich wieder da, diese mitreißende Euphorie, die Vitalic auf den ersten beiden Alben perfektioniert hat und die man auf Rave Age anfangs schmerzlich vermisst: Moll statt Dur, Gänsehaut statt Ekstase. Großes Gefühlskino. "Machines are designed to do whatever you want them to do." antwortet Vitalic auf die Frage, wie man mit Computern und Synthesizern Emotionen transportieren kann.


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