Next Level: Etepetete-Goldketten

Graz wird gerade zur Nanny-Stadt, sagen die sonst wenig zimperlichen Etepetete im Interview. Auch wenn das kleine Österreich und die leidige Grazer List-Halle auch Themen sind, sonst sind Etepetete ziemliche Spasskanonen.

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Etepetete machen (noch) keine eigene Musik, auch keine eigene Partyreihe und trotzdem sind sie Dauergäste in österreichischen Clubs und auf Festivals. Das liegt schlicht an ihren Sets – zu denen sie eigene Visuals mitbringen –, die zwischen den unpeichlichen Hits der Gegenwart und avancierten Beatmonstern pendeln. Noch dazu sind sie beliebt. Auf Facebook und wenn man rumfragt, auch im echten Leben. Sie bringen die Crowd zu Parties mit, von der andere immer nur behaupten, dass mal grundsätzlich sowieso hundert, zweihundert Leute da sind, wenn ihr Name am Flyer steht.

Weil sie aus Graz kommen und es dort bekanntlich gerade einige Aufregung um das Spring Festival gibt, aber auch weil sie demnächst einige Parties spielen, haben wir Etepetete ein paar Fragen zur Clubkultur, allgemein und ihrer eigenen im Speziellen, gestellt.

Macht ihr auch mal einen eigenen Release, eine EP mit Video zu jedem Track, Etepetete-Goldketten, etwas für die Nachwelt?

Lisa: Danke für die Goldketten-Idee! Das wäre nämlich vielleicht ein bisschen leichter als der eigene Track ;-). Im Ernst: Es reizt uns in letzter Zeit tatsächlich, auch was Eigenes zu produzieren, wir möchten die Sache allerdings ruhig angehen und mal sehen, wie wir uns in der ganz neuen Producing-Welt einleben können. Und sollte sich herausstellen, dass uns da jegliches Talent fehlt, werden wir es auch einfach sein lassen. Die Muse küsst uns aber hoffentlich demnächst!

Lisge: Wenn wir eigene Musik machen sollten, dann wird es natürlich auch ein eigenes Video dazu geben. Ich glaube diesen visuellen kreativen Prozess könnten wir gar nicht aufhalten, der würde sich automatisch mit dem Musikproduzieren mitentwickeln.

Nane: Goldketten sind super – Next Level. Jutesackerl gibt es genug 🙂

In Graz musste die Niese schließen, nur 1.000 Fans für die Save-Springfestival-Page, Scherereien um das Parkhouse mit einem FP-Stadtrat, der auf rechtsverbindliche Rahmenbedingungen pocht – hat Graz den Platz an der Sonne der heimischen Clubkultur verloren?

Nane: Es gab, glaube ich, zwei Save-Springfestival-Pages – aber egal! Graz entwickelt sich politisch insgesamt immer weiter zu einer Nanny-Stadt. Ich glaube aber auch, dass es viele Veranstalterinnen und Veranstalter, DJs und ausreichend Vielfalt gibt um den clubkulturellen Platz an der Sonne, wie du es nennst, zu verteidigen. Wo ein Wille, da ein Weg.

Zum Thema Parkhouse: Eine Änderung des Veranstaltungsgesetzes um die Rahmenbedingungen zu verbessern, halte ich für absolut notwendig, fällt aber in die Landesgesetzgebungskompetenz.

Nane hat ja kürzlich gemeint, das Nachfolgefestival des Spring soll bitte die List-Halle sein lassen. Beim Waves Vienna wäre man andererseits froh über eine Headliner-Stage. Wie jetzt, pures Clubfestival oder doch notfalls Fever Ray in der List-Halle?

Nane: Ich habe mich da ja auf einen Artikel in der Kleinen Zeitung bezogen. Und ich fand es halt witzlos, ein Festival “Club-Festival” zu nennen, bei dem die Postgarage als eine der wichtigsten Locations der Grazer Clubkultur fehlt und gleichzeitig aber eine Halle als Veranstaltungsort angeführt wurde.

Um aber deine Frage zu beantworten: Ich wäre persönlich sehr froh darüber, wenn Fever Ray auf den Kasematten spielen würde (so wie 2009) und nicht in der List-Halle.

Vor einem Jahr war die Aufregung relativ groß, weil es Frauen in elektronischer Musik schwer haben. Hat sich in Österreich seither etwas geändert?

Lisa: Es wundert mich fast täglich, dass nicht mehr Frauen nachkommen. Aber ich bleibe optimistisch und denke, dass sich das bald ändern wird.

Nane: Ich finde, es kommen schon junge Frauen in Form von DJ-Teams oder auch als Einzelpersonen nach. Kürzlich hat zB. in Graz ein sehr gutes Projekt im Forum Stadtpark gestartet, welches Frauen einen über einen längeren Zeitraum stattfindenden DJ-Workshop anbietet. Die hier: www.facebook.com/yesshecandj

Ich glaube, dass diese Art von Projekt sehr nachhaltig ist und Frauen den Zugang zum Djing jedenfalls erleichtert.

Gerade ist in Wien das Soundframe rum, ihr werdet selbst immer wieder für Visuals gebucht. Verglichen mit eurem Musik-Set, wie viel Zeit steckt ihr da rein, in neue Ideen und frische Gadgets?

Lisge: Generell bereiten wir uns immer gemeinsam auf die Gigs vor, also Musik und Bewegtbild zusammen, damit dies eine Einheit bildet. So entstehen neue Ideen und Inspirationen. Aber auch der Austausch mit anderen VJs, sei es national oder international, ist uns wichtig und hier bietet uns vor allem die Partyreihe "Dusch Dich" der Pratersauna eine Spielwiese, auf der wir uns mit anderen VJs austoben können.

Ihr scheint ja einen guten Draht zu Stefan Auer zu haben. Und der scheint ja in Graz nicht nur Freunde zu haben. Warum ist das so, mal abgesehen von ein paar ausstehenden Gagen …

Nane: Ich glaube, diese Frage kann generell authentischer von Personen beantwortet werden, die öffentlich damit auftreten, ein Problem mit Stefan Auer zu haben – oder von Stefan Auer selbst – Ich werde hier jetzt bestimmt nicht darüber gossipen – ihr seid ja nicht die In Touch ;-).

Eine von euch war kürzlich beim SXSW in Texas. Fühlt man sich da plötzlich wieder wie ein Popkultur-Entwicklungsland?

Lisa: Es war ein ziemlicher Wahnsinn im positiven Sinne dort. Dadurch, dass die SXSW aber weltweit eines der tonangebenden Events in Sachen Musik ist, befindet sich das Festival schon in einer so anderen Liga, dass der Vergleich mit Österreich zumindest mir schon gar nicht mehr in den Sinn kam. Österreich ist glaube ich einfach zu klein, um da nur irgendwie mitspielen zu können – und gerade wenn man elektronische Musik macht und auflegt, führt sowieso kein Weg an internationaler Denke vorbei. Sehr kitschig gesagt: Da muss man sich mindestens als Europäerin, am besten als Weltbürgerin sehen. Trotzdem ist bei uns nicht alles verloren und ich besuche unsere Festivals und Clubs sehr gern.

Drei Geheimwaffen in eurem aktuellen Set?

Lisa: Aktuell kommt gerade House bei uns wieder etwas stärker durch. Und immer für uns der größte Spaß: Hip Hoppige Sachen von Leuten wie Kolombo.

Nane: Bipp – Sophie. Bounce – Dizzy Womack ft. Mile. Zsa Zsa (Cato’s Retouche) – Blamma! Blamma! feat. Kristina Train

Die nächsten Parties mit dem Grazer DJ-VJ-Kollektiv Etepetete:

11.4. Säulenhalle, Wien

12.4. Pratersauna, Wien (Visuals)

17.5. Sasstal Beach Festival, Mettersdorf

3.7. Urban Art Forms Festival, Graz

2.8. Palaverama Festival, Gmünd

www.facebook.com/etepetetegirls

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