Tapetenwechsel?
05.10.2012
» musik

Ikonen klonen

von Yannick Gotthardt  


Bat for Lashes klingt jetzt hörbar. Artwork, Video und Sounds sind hochwertige, routinierte Abziehbilder. Was langweilig klingt, erfüllt dennoch alle Voraussetzungen für ein großes Album.

Bild: Picture_1_d0066f.jpg

Bild: india_coyote_20101.jpg

Bild: patti-smith-horses.jpg


Quelle: The Gap 130


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Bat for Lashes aka Natasha Kahn entlässt ihr drittes Album in die Welt. Es heißt »The Haunted Man«. Auf dem Cover ist sie nackt. Grob gesagt ist das alles, was bislang berichtet wurde. Ein bisschen merkwürdig ist das schon, denn nach einem innovativen ersten und einem relativ erfolgreichen zweiten Album lag auf dem dritten Album die Hoffnung nach einem reifen und einflussreichen Werk der mittlerweile 32-jährigen Sängerin. Was aber »The Haunted Man« scheinbar am stärksten zu charakterisieren scheint, ist die Tatsache, dass Natasha Kahn auf dem Cover nicht viel anhat. Das Foto soll übrigens unretuschiert sein. Dem britischen Guardian sagte Kahn, sie wolle mit diesem Cover Patti Smith ehren, die sich auf ihrem Debüt »Horses« ungeschminkt und übervoll mit Selbstbewusstsein ablichten ließ. Coole Poetin, das könnte Bat For Lashes eventuell werden – abhängig eben von diesem Album. Dafür müsste Bat For Lashes aber für etwas stehen, sie müsste festlegbar sein.

Hochwertiges Selbstplagiat

Ryan McGinley als Fotografen für das Cover anzuheuern war daher naheliegend. Der hatte das Coverfoto bereits im Portfolio, nur mit einem Wolf auf den Schultern. Bat For Lashes musste das Foto also nur noch nachstellen. Vor allem aber ist Ryan McGinley der zurzeit wohl gehypteste Fotograf der Welt. Und das, obwohl die Welt momentan mehr Fotografen beherbergt als je zuvor. McGinley selbst hat vieles richtig gemacht. Er sieht ziemlich gut aus, ist ziemlich schwul, zog mit 18 nach New York und macht Fotos, die das Potenzial haben, die Postmoderne ikonisch zu erklären und die wie zufällig auch noch wunderschön sind (hier hier hier). Ryan McGinley ist bewiesenermaßen spätestens 20-jährig schon brutal cool gewesen und hatte viele spannende Freunde. Wikipedia weiß sogar, dass er 1998 ins East Village gezogen ist und sein Appartement mit Polaroids von Leuten, die ihn dort besucht haben, übersät hat. OMFG – Polaroids! Eigentlich erfüllt er damit schon die wichtigste Voraussetzung, ein richtig stilprägender Künstler zu sein.

Rückblickend epochal

Es überrascht nicht, dass McGinleys Arbeiten, als die eines Künstlers mit Star-Appeal, Covers von Bands zieren, die wohl erst in Zukunft und dann im Rückblick als stilprägend erkannt werden. Ähnlich wie The Velvet Underground oder Joy Division vielleicht. Ähnlich wie Bands also, die zu ihrer Zeit viel weniger Menschen hörten, als sich in den folgenden Jahrzehnten darauf beriefen. Was The Velvet Underground, Joy Division und New Order aber schon damals hatten, waren epochale Plattencover von epochalen Künstlern wie Andy Warhol oder Juergen Teller. Das Sigur Rós-Album mit dem vermutlich erst in 20 Jahren landläufig bekannten Namen »Með suð í eyrum við spilum endalaust« zierte bereits 2008 eines der bekanntesten McGinley-Fotos.

Druckvoll zur Reife gebracht

Und nun also Bat For Lashes mit der McGinley-Kopie eines McGinley-Fotos auf dem Cover. Der Musik andererseits wird derzeit noch bei Weitem nicht so viel Aufmerksamkeit zuteil – zu Unrecht. Was Natasha Kahns Musik, als die einer Tochter eines pakistanischen Squash-Spielers aus Peshawar, immer noch ausmacht, sind die atmosphärisch-exotischen Klangteppiche. Ihr Sound ist sofort da. Er war es, der die ersten beiden Alben interessant machte, damals voller Zäsuren und fast jeder Song ein Experiment. Das neue Album hat ihn zu geradliniger Souveränität gebündelt.

 

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