Tapetenwechsel?
29.08.2012
» musikinterview

„Ich wollte nicht nur Play drücken“

von Bernd Fabritius  



Kaum jemand bewegt sich im Spannungsfeld von Mainstream-Pop und Future-Beat derzeit so virtuos wie der Berliner Musiker, DJ und Produzent Robot Koch. Am 31. August erscheint seine neue EP „Cosmic Waves“. Im Interview mit Bernd Fabritius sprach er über das Genre HipHop und den Einfluss des Producings auf die Evolution von Musik.

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Dieser Artikel ist mir was wert:

Wie siehst du die Zukunft des Genres HipHop?

Sicher ist, dass sich der HipHop weiterentwickeln wird. Er ist ja ein Musikstil, der sich seit jeher aus Elementen anderer Stile gespeist hat. In den 80er Jahren haben Acts wie die Beastie Boys Rock-Elemente einfließen lassen, in den 90ern war Rap-Musik sehr Sample-lastig. Heute ist die elektronische Musik der Haupteinfluss im Rap. Dadurch, dass HipHop sich ständig auf sich selbst bezieht, wiederholt sich natürlich vieles. Das ständige Auf-sich-selbst-Beziehen der Rap-Musik ist aber auch ihr Problem. Da wird oft nicht über den Tellerrand hinausgeblickt. Genregrenzen können so nicht überwunden werden.

Als Künstler möchte ich diesen Rahmen sprengen. Auf meinem letzten Album „The Other Side“ von 2011 waren HipHop-Bezüge quasi nicht vorhanden, anders als bei vielen meiner früheren Werke.

Lass uns über Producing reden. Dort haben in den vergangenen Jahren Leute wie El-P im amerikanischen Underground-Rap und der dänische DJ Trentemøller in der elektronischen Clubmusik neue Standards gesetzt. 2003, kurz vor seinem Tod, hat BBC-Legende John Peel dich für deine selbst produzierte Musik „geadelt“ – was bei Deutschen nicht oft vorkommt. Welche Rolle spielt also das Producing bei der Weiterentwicklung von HipHop und generell bei Musik?

Technik ist wichtig, sollte aber nicht überbewertet werden. Die rein musikalische Komponente ist wichtiger als technische Skills. Manchmal muss man technische Tricks aber anwenden können: Wer Sidechain-Compression erzeugen will muss wissen, wie das geht. Ich weiß aber im übrigen nicht, warum Leute immer erwähnen, dass ich deutscher Künstler sei. Das ist ja auch wieder so ein Rahmen ...

... darauf wollte ich nicht hinaus.

Es ist erstaunlich, wie häufig mich Menschen mit Sätzen ansprechen wie „Deine Musik klingt ja überhaupt nicht deutsch“. Dann wundere ich mich und denke: Warum ist das denn wichtig? Ich sehe mich als internationalen Musiker und Producer. Unter dem Namen Robot Koch mache ich eigene Sachen, zudem produziere ich Tracks für andere Leute ... 

... die sowohl aus dem Indie- als auch dem Major-Bereich kommen: Neben Marteria hast du – man glaubt es kaum – Max Mutzke produziert.

Ich habe einen Komponistenvertrag mit Sony Music und habe Songs für Chart-Acts wie Max Mutzke und Casper produziert. Weil von deren Musik natürlich etwas anderes erwartet wird, spricht das Label zuweilen Leute wie mich an mit dem Auftrag, dem Sound einzelner Lieder eine gewisse Frische, mehr „Coolness“ hinzuzufügen. Zum anderen: Für Marteria aka Marsimoto habe ich beispielsweise „Verstrahlt“ produziert.

Als vor zwei Jahren Marterias Lied „Endboss“ erschien, waren viele erleichtert, dass im Radio endlich jemand den Deutschrap der Prägung Aggro Berlin und ähnlicher Couleur ablöst. „Endboss“ war massentauglich, vom Sound her eigentlich ein Clubtrack, mit verspielten Raps und auf eine kiezig angehauchte, aber sympathische Art witzig ...

Ja, das sehe ich auch so. Ich war von Deutschrap lange Zeit enttäuscht, bis plötzlich Marteria auftauchte, der offen war für neue Beats.

Bei „Verstrahlt“ von Marteria ist deine Handschrift unverkennbar.

Marteria hat mir mal erzählt, dass er früher oft kleine Elemente aus meinen Songs geklaut hat, um sie in seine Tracks einzubauen. Damals hat er noch nicht damit gerechnet, dass ich ihn mal produzieren würde ...

Was wird man als nächstes von dir hören?

Ende August erscheint meine neue EP „Cosmic Waves“, auf der ich mit Künstlern wie Headshotboyz, Pavel Dovgal, Kuhn, Submerse und Rain Dog kollaboriere. Das Projekt, woran ich grade arbeite und für das es noch kein Release-Datum gibt, ist ein Album, das sich mehr an klassischen Songstrukturen und Pop orientiert, sprich: Refrain und Strophe. Dabei setzen wir klassische organische Instrumente ein, etwa Schlagzeug ...

... das Schlagzeug spielst du?

(lacht) Nein, ich sehe mich hierbei nicht als Schlagzeuger. Ich bleibe beim Soundbasteln und Producen. Mit von der Partie ist übrigens erneut der US-Sänger John LaMonica, der schon zu Songs auf meinem 2011er Album „The Other Side“ die Vocals beigesteuert hat.

Robot Koch, vielen Dank für das Interview.

 

"Cosmic Waves" erscheint am 31. August via Project: Mooncircle.

 

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