Tapetenwechsel?
17.01.2012
» musikinterview

Grrrrls on stage!

von Andreea Dosa, Stefan Niederwieser  


Was »Femous« ist und warum sie durch Musik Menschen begeistern wollen, die sonst Vorurteile haben, erzählt uns Susi Rogenhofer aka Sweet Susie, Mitgründerin der Platform.

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Die Initiative »Femous - platform for famous female culture« ist als Vernetzungs- und Sichtbarmachungs-Plattform für weiblicher Kultur konzipiert. Wann und warum habt ihr euch dazu entschlossen als »Femous« etwas zu verändern?

Meine Partnerin, Silvia Jura und ich, arbeiten schon lange im Musikbereich. Silvia ist IG World Vorsitzende und Managerin von Celia Mara. Ich habe 12 Jahre lang den Dub Club mit organisiert, bin freie Kuratorin und Kulturarbeiterin im Bereich Popkultur und an der Schnittstelle zur bildenden Kunst und bin seit Jahren als DJ und Elektronikmusikerin unterwegs. Beide fanden wir es unglaublich und schade, dass nach wie vor so wenige Frauen im Musikbereich tätig sind, bzw. dass in bestimmten Bereichen nur Männern das Sagen haben. 

Was das Spielen von bestimmten Musikinstrumenten betrifft, gibt es nach wie vor  geschlechterspezifische Zuordnungen. Es gibt nur wenige Produzentinnen, Labelbetreiberinnen Festivalintendantinnen, – das Musikbusiness ist vorwiegend in männlicher Hand. Wir wollten aber nicht jammern, sondern etwas tun. Anlässlich des 100-jährigen Frauentags 2011 haben wir dann unsere Plattform ins Leben gerufen, die Künstlerinnen aus den Bereichen Jazz, World Music, elektronische Musik, Advanced Pop und Soundart sichtbar macht. 

Beim Startschuss der Veranstaltungsreihe »A Femous Centenary Night« bekräftigte Ministerin Heinisch-Hosek, dass „ein wichtiger Schritt geschafft wäre, wenn es uns heute gelingt, Frauen in der Musik bekannter und ihre Leistungen sichtbarer zu machen“. Kann man das irgendwie in konkrete Ergebnisse gießen? Wie viele Besucher hattet ihr? Wie viele Zugriffe? Wie viel Gagen habt ihr an Künstlerinnen ausgezahlt?

»Femous« rief für den Zeitraum von März bis September 2011 österreichische VeranstalterInn auf, vermehrt Künstlerinnen zu buchen. In Zusammenarbeit mit  »Femous« und Österreich’s Festivals und VeranstalterInnen wurde ein feines Programm mit über 100 Konzerten und Auftritten mit Musik aus weiblicher Hand zusammengestellt. Es entstanden Kooperationen mit Festivals und VeranstalterInnen, wie DonaufestivalArs Electronica, Pop Fest, Gasometer, Wir sind Wien, Techno Cafe, Flex, Mak Night, Sargfabrik, Jazz Fest, Radiokulturhaus, Jazz It, Porgy & Bess, Kosmos Theater oder Cafe Leopold.

Dann gab es auch einige Eigenveranstaltungen, wobei »A Femous Centenary Night« am 19. März 2011 unsere größte war. Durch Konzept, Gestaltung und PR ist es uns gelungen eine fette Party mit über 1500 Besucherinnen und Besuchern durchzuführen, die denke ich, alle gängigen Vorurteile gegenüber „Frauenveranstaltungen“ in Frage stellte. Gagenmäßig haben wir alle Künstlerinnen angemessen bezahlt, bzw. sogar oft mehr als wir ursprünglich vereinbart hatten. 

Nach welchen Kriterien wurden die jeweiligen Künstlerinnen für die Veranstaltungen ausgesucht?

Da wir »Peaches« für eine der besten Verkörperungen eines modernen Feminismus halten und natürlich auch ihre Musik extrem super finden, wollten wir diese unbedingt für »A Femous Centenary Night« dabei haben, was uns auch gelungen ist. Bei den restlichen Lineup Entscheidungen, sei es fremd-, oder eigenveranstaltet, sind natürlich auch Bands, oder Acts dabei, wo auch Männer spielen. Das Auswahlkriterium ist, dass das künstlerische Konzept und die Produktion vorwiegend weiblich sein soll. Klarerweise entscheiden wir auch nach unserem Geschmack und wieviel der Act an Besuchern und Besucherinnen bringt.

Sind Frauen im Kulturbereich stärker oder weniger stark von Diskriminierung betroffen, als in der restlichen Gesellschaft?

Der Kulturbereich ist hinsichtlich Geschlechterverhältnisse nicht wesentlich anders als andere Bereiche, wobei z.B. in der bildenden Kunst schon etliches bewegt wurde, da es hier u.a. seit den 60ern die feminsitische Kunst gibt. Die Musik gehört aber schon zu eines der Branchen, die im Bezug auf Gender schon noch sehr oldschoolmäßig unterwegs ist. Gendermäßige Diskriminierungen funktionieren ja gleich wie Rassismus. Im übertragenen Sinne kann man sich in der Musikbranche auch noch nicht so wirklich vorstellen, dass ein Schwarzer Präsident wird. 

Wie viele eurer Besucher waren Frauen? Wie versucht ihr preaching to the converted zu vermeiden? Ist das überhaupt wichtig für euch?

Wir betrachten Veranstalten als etwas Gesellschaftspolitisches. Wir labeln unser Veranstaltungen nicht als  „Frauenevents“, wo Geschlechter trennende Aktionen gesetzt werden. Ein Hauptziel von »Femous« ist das Bauen von sozialen Skulpturen, die Menschen verschiedenster Herkunft, Szenen und mit unterschiedlichen Gesinnungen,- Hetero, Queer, Gay, Lesbisch, u.v.m-  verbinden möchte. 

»Femous« will mit den Mitteln der Kunst, der Kultur und der Party für eine offene, tolerante Gesellschaft kämpfen. Wir sehen uns also nicht nur als rein feministisches Projekt, sondern als Diversitätsprojekt. Dabei ist es wichtig, durch die Musik Menschen zu begeistern, die sonst Vorurteile hätten.

 

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