Tapetenwechsel?
26.01.2012
» musikinterview

Die glorreiche 7″

von Martin Zellhofer  


Totgesagte leben länger und Vinyl erlebt überhaupt eine kleine Renaissance. Dass sich das neue Label „Schall & Rauch Platten“ ausschließlich auf 7″-Platten (genau, das ist die Single, auf die höchstens zwei Songs pro Seite draufpassen) spezialisiert, ist dennoch selten.  

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Ende 2011 gründete der Vinyl-Liebhaber Klaus das in Wien beheimatete Label, das er heute mit seinem Partner Alessandro betreibt. Klaus entdeckte als Teenager beim Skaten seine Liebe zum Punkrock. Eine eigene Punkrock-Band, unzählige Konzertbesuche, eine Sammlung von Tonträgern (früher CDs, heute Vinyl) und der Schritt zum eigenen Label mit dem Schwerpunkt Punk zeugen von dieser Liebe. Wir trafen Klaus, der abseits seiner Labeltätigkeit Softwareentwickler ist, zum Interview:

 

Alle Welt spricht von der Krise, ihr gründet ein Unternehmen. Ist Unternehmertum in Zeiten der Krise nicht riskant?

Es ist insofern nicht riskant, weil das Label nicht auf Umsatz beziehungsweise Gewinn ausgelegt ist. Es ist ein reines Hobby, das ich da betreibe. Ohne den Hintergedanken, damit Geld zu verdienen, sondern um einfach Spaß damit zu haben.

Alle Welt spricht vom Niedergang der Musikindustrie, ihr gründet ein Label. Ist das nicht kontraproduktiv?

(lacht) Das mag schon sein, aber das ist eh schon auch mit der ersten Frage beantwortet. Das ist einfach meine Liebe zu Schallplatten und Vinyl und diese Liebe möchte ich gerne mit anderen teilen und Musik auf Vinyl verfügbar machen. 

Die Welt spricht von der zunehmenden Digitalisierung der Musikindustrie, ihr setzt auf Vinyl. Ist das nicht ein Widerspruch?

Gerade eben deswegen setzen wir auf Vinyl! Ich find’ MP3s auch wahnsinnig praktisch für unterwegs, aber ich möchte mich nicht am Abend auf die Couch setzen und den Computer einschalten! Ich will eine Platte auspacken, das Cover anschauen und die Scheibe auflegen.

Wie bist du denn auf die Idee gekommen, ein Label zu gründen?

Der Gedanke ist mir schon lange Zeit im Hinterkopf herumgeschwirrt. Weil ich selber gerne Platten kaufe, habe ich mir gedacht, es gibt coole Bands, die ich kenne, von denen es aber keine Platten gibt. Für diese Bands würde ich gerne welche veröffentlichen. Ich geb’ damit der Szene aktiv was zurück, was ich jahrelang nur konsumiert habe. 

Der erste Release wird zwei Punkbands bringen. Ist das schon der stilistische Wegweiser in die Zukunft?

Es ist sicher ein Wegweiser, weil wir einfach Sachen machen wollen, die uns gefallen und Bands veröffentlichen, die unseren Musikgeschmack treffen. Und weil das hauptsächlich Punk und Indie ist, wird das der Rahmen sein. Wobei Punk vermutlich überwiegen wird. Aber wenn es gefällt, geht auch anderes. Ich möchte aber nur Bands machen, die mir persönlich taugen.

Wie kommt ihr zu den Bands oder die Bands zu euch? 

Nachdem wir gerne auf Konzerte gehen und in der Szene beheimatet sind, kennen wir haufenweise Bands und gehen auf diese zu. Es ist aber ein jeder eingeladen sich bei uns zu melden und einfach zu fragen, ob man mitmachen kann. Schickt Lieder und Links!  

Nehmt ihr nur Österreicherinnen und Österreicher?

Das weiß ich jetzt gar noch nicht so genau. Jetzt mal ist es einfacher und billiger, Anreise- und Nächtigungskosten fallen weg. Aber prinzipiell könnte man schon mischen. Eine österreichische Band sollte aber immer dabei sein… 

Jetzt macht ihr aber nicht Alben, sondern Singles. Gibt’s da einen Markt dafür? 

Einen Nischenmarkt auf jeden Fall. Grad in der Szene wird ja doch einiges auf Vinyl veröffentlicht und ein kleiner, überschaubarer Markt ist da. Ich kauf’ selbst immer wieder auf Konzerten auch Singles. Für unseren Club sind nur Singles drinnen, LPs wären nicht finanzierbar, die kannst du einfach nicht verschenken. Die Single soll ja auch nur ein kleiner Anreiz für’s Publikum sein.  

Sind wir mit zwei Stücken nicht in einem Bereich, in dem man im Netz immer fündig wird? 

Natürlich. Es ist ja aber auch nicht als Alternative zu digitaler Musik zu sehen, sondern als Zugabe für Vinyl-Fans. Die Lieder werden sowieso auch gratis zum Download zur Verfügung gestellt. Die Vinyl-Fans werden die Platte trotzdem kaufen, die Download-Fraktion hätte sie ohnehin nicht gekauft…Kaufanreiz ist der Mehrwert des Vinyls…

Sind Plattenspieler bei den Punks so verbreitet?

Ja...offensichtlich. Im Punk- und im Indie-Bereich, eigentlich in der gesamten Underground-Szene, ist Vinyl durchaus ein Thema. Das sieht man auch an den diversen Wiener Labels, die veröffentlichen auch alle auf Vinyl. Wo die Liebe zur Musik da ist, ist auch die Liebe zum physikalischen Tonträger Vinyl da. 

 

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