Tapetenwechsel?
22.08.2012
» musikinterview

Der bescheidene Fädenzieher

von Nicole Schöndorfer  


The XX waren eines der Highlights auf dem diesjährigen FM4 Frequency Festival. Hatte man schon im Vorhinein das Vergnügen mit Producer Jamie Smith aka Jamie XX, sagt sich dies noch leichter. Warum die Band Main-Slots auf Festivals ablehnt, Remixes der Entspannung dienen und das mit dem Hype so eine Sache ist, erklärte er ganz in Schwarz im klimatisierten Tourbus.

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Copyright: Jamie James Medina


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„Coexist“ erscheint am 11. September. War der Aufnahmeprozess anders als beim ersten Album?

Wir waren dieses Mal vollkommen auf uns alleine gestellt – also ja, er war anders. Obwohl wir auch beim ersten Album schon relativ unabhängig waren, hatten wir einen Tontechniker und nahmen in den Büros des Labels auf. Es waren also dauernd jede Menge Leute da, die unsere Musik gehört haben. Dieses Mal habe ich ein Apartment gefunden, ein paar Lautsprecher hinein gestellt, Vorhänge aufgehängt und da sind wir schließlich sechs Monate geblieben

Hattet ihr zeitliche Einschränkungen?

Ja, hatten wir. Wir wollten das Album eigentlich im Sommer rausbringen, sodass die Leute die Songs schon kannten, wenn wir auf Festivals spielten. An dem Punkt, an dem wir das Album übergeben sollten, dachten wir uns aber dann, dass wir noch nie etwas übereilt hatten – warum also jetzt damit anfangen? Wir haben uns dann noch ein paar Monate mehr Zeit genommen, um das Album richtig fertigzustellen und zu mixen. Darüber bin ich sehr froh.

Was kommt zuerst in eurem kreativen Schaffensprozess? Die Lyrics, die Instrumente, die Beats?

Die Lyrics als eine Art Gedicht. Meistens entstehen sie getrennt zwischen Romy und Oliver und werden danach zusammengemischt. Bei vier Songs auf diesem Album kamen die beiden aber tatsächlich zusammen und haben gemeinsam etwas niedergekritzelt. Meiner Meinung nach sind das die besten Songs geworden.

Den Rest macht ihr dann alle zusammen?

Ja, dann kommen wir zusammen und spielen uns stückweise alles zu. Manchmal beginnt Romy mit einfachen Gitarrenakkorden, dann kommt eine Idee von mir dazu und so weiter.

Das neue Album scheint sehr gut produziert und obwohl es immer noch diese für The XX charakteristische unaufdringliche Sexiness hat, kommt es mir ein Stück selbstbewusster vor. Ist das eine rein subjektive Empfindung?

Wir waren auf jeden Fall selbstbewusster, was die technische Seite und die Instrumente angeht. Auch war unser musikalisches Wissen viel breiter gefächert. Während beim ersten Album noch jeder in seiner eigenen musikalischen Welt lebte und wir lediglich ein paar Knotenpunkte hatten, war das bei „Coexist“ viel gemeinschaftlicher. Auch generell als Personen sind wir erwachsen geworden, denke ich. Wir waren 18, als wir angefangen haben, das erste Album zu schreiben und nun sind wir 23 und halten unser Leben nicht mehr getrennt von der Musik – es ist nicht mehr, was wir machen, sondern alles, was wir sind.

Wenn man euch als Band sowie als Individuen sieht und hört, scheint ihr sehr ruhig und bescheiden und auch etwas schüchtern. Man fragt sich, ob es denn irgendetwas gibt, dass euch ärgert.

Wir sind eigentlich nicht besonders schüchterne Menschen, aber wenn man uns vor eine Kamera oder auf eine Bühne stellt, ist das eine vollkommen andere Situation, als eine alltägliche und private Unterhaltung. Ich glaube, wir kommen schüchterner rüber, als wir wirklich sind. Und ja, es gibt Dinge, die uns ärgern, wir schauen ja auch oft recht ärgerlich drein.

Was ist es also, das euch auf die Barrikaden bringt?

Ich würde sagen, belanglose Dinge, aber Romy, Oliver und ich kennen uns schon so lange und so gut, dass, auch wenn wir Differenzen haben, welche sich meist um die Musik drehen, diese innerhalb von ein paar Minuten wieder geschlichtet sind. Da haben wir großes Glück. Ich könnte es mir nicht vorstellen, mit Leuten in einer Band zu spielen, die man kaum kennt.

Denkst du, dass dieses introvertierte Image einen Teil des Hypes um The XX ausmacht?

Ich denke, dass wir nicht unbedingt gegen dieses Image arbeiten. Wir tragen immer Schwarz, sehen auf Fotos mürrisch aus. Dieses Mal versuchen wir aber ein bisschen mehr von unserer Persönlichkeit zu zeigen, da wir das Gefühl haben, mehr Kontrolle über das, was passiert, zu haben und wir mittlerweile besser Bescheid wissen, was wir tun. Anstatt von Backsteinmauern wählen wir beispielsweise nun schönere Kulissen für Pressefotos und versuchen, uns auch sonst etwas von dieser düsteren Seite  zu distanzieren. Immerhin gibt es auf diesem Album neben den dunklen auch helle Momente.

Ist dieser Hype beängstigend? Denkst du, dass es für eine junge Band sogar gefährlich sein kann, derart gehyped zu werden?

Das habe ich gedacht, als wir das erste Album aufgenommen haben. Wir waren brandneu und es gab zur selben Zeit viele Bands um uns herum, bei denen der ganze Hype plötzlich verblasste oder ganz verschwand – deswegen haben wir uns auch Sorgen gemacht. Wir haben aber immer schon versucht, die Dinge entgegen aller Erwartungen herunterzuspielen und unserem eigenen Tempo nicht vorauszueilen. Ich denke, das hilft in dieser Beziehung. Man wird nicht gerne ins kalte Wasser geworfen, ohne darin schwimmen zu können. Wir versuchen also immer noch, alles Schritt für Schritt zu machen.

 

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