Tapetenwechsel?
13.09.2012
» musik

Angst vor Indierock

von Stefan Niederwieser  


Mego hält die Avantgarde in Schuss. Das Label setzt von Wien aus seit Jahren Maßstäbe wie sonst nur noch Warp.

Bild: PREHBERGpic.jpg

Bild: Emeralds_Mego_Promo.jpg

Bild: Picture_1_8b5044.jpg

Bild: Fennesz_2.jpg

Bild: Picture_3_dff63c.jpg

Bild: OPN_002.JPG


Quelle: The Gap 129


social widgets
Sharen, Bookmarken etc.:





Dieser Artikel ist mir was wert:

Gerade hat Peter Rehberg eine Testpressung bekommen, eine Fennesz Single. Peter Rehberg wird heuer noch unzählige Testpressungen bekommen. Ungefähr zwanzig Releases stehen an. Eigentlich ist das viel zu viel. Aber die Welt der avancierten Elektronik tickert, zurrt, dröhnt und pulsiert anders. Die Leute kommen wegen der Musik, nicht wegen all dem Drumherum. Und Mego ist ein etablierter Name. Wenn über Twitter etwas Neues angekündigt wird, kaufen viele blind. Vielleicht ist Peter Rehberg deshalb so zuversichtlich, auch wenn er noch nie so viele Alben auf einmal geplant hat.

Dabei stemmt Peter Rehberg das Label ganz alleine. Vom Entdecken neuer Musik bis zum Postversand. Von Wien aus versorgt er die Welt mit intelligenten Geräuschen. Renommierte Medien wie The Wire, Pitchfork und Fact Mag besprechen neue Alben, wählen sie in ihre Jahreslisten und machen Interviews. De:Bug sieht dieser Tage für einen längeren Artikel vorbei. Das sind nur die bekanntesten Verehrer des Labels, zahlreiche Blogs und einige Feuilletons kommen dazu. Für so viel Scheinwerferlicht würden andere mindestens eine Niere spenden. Daheim rund um Wien sieht es deutlich finsterer aus. Donaufestival, Popfest und FM4 ignorieren das Label gerade einmal. Stattdessen heuer: Salzburger Festspiele. All die positive Presse führt allerdings noch nicht automatisch zu goldigen Verkaufszahlen. Pro Album werden etwa 500 bis 1000 Stück Vinyl gepresst, selten auch ein paar hundert CDs. Für Pop-Eurodance-RnB-Dubstep wäre das nichts. Für die Musik auf Mego, die auch einmal aus einem einzigen Schrei bestehen kann, der vier Mal 15 Minuten lang zu einem kalten Surren gestreckt wurde, ist das ziemlich erstaunlich. Und in Summe wieder spitze.

Back in Time

Das war zwischendurch nicht immer so. Mego war nach der Gründung 1994 ziemlich schnell ziemlich erfolgreich. Das Label kam aus der Techno-Szene, ohne dogmatisch zu sein. Anfangs hatte dort die allererste Scheibe von DJ DSL genauso Platz wie der rohe Elektro von Gerhard Potuznik und die brachialen Performances von Fuckhead. Trotzdem wurde Mego gleich in zwei Genres geschmissen, die sich zwar albern anhörten, aber bis heute nachhallen: Clicks & Cuts und Wiener Downtempo. Eines davon machte eigentlich nur insofern Sinn, weil man sich in etwa dieselben Lokale, dieselbe Stadt teilte und die Musik auch irgendwie kein Rock war. Das andere war nach Peter Rehbergs Einschätzung eine blöde Erfindung von PR-Leuten, Plattenläden und Medien. Es hat beides nicht geschadet.

Und so bestand Mego Ende der Neunziger aus vier Leuten, mit eigenem Büro, einem der ersten Webshops für elektronische Musik und dem Mut von unabhängigen Klangverbesserern ... solange, bis nach fast einem Jahrzehnt das Interesse schwand und damit die Verkäufe. Zwei der Gründer entschlossen sich umzusteigen, Peter Rehberg machte alleine weiter. Heute presst er oft weniger als früher, verkauft aber mehr. Er weiß was möglich ist. Das Büro ist ein Raum in Peter Rehbergs privater Wohnung, manche alten Label-Arbeiten wurden einfach ausgelagert. Deswegen heißt Mego seit sieben Jahren auch Editions Mego, um diesen Einschnitt zu markieren. Von den paar gleichgesinnten Labels von damals ist heute eigentlich nur noch Warp ähnlich aktiv.

 

kommentare

sozialisieren auf facebook