Tapetenwechsel?
02.03.2012
» musik

15 Minutes To Fame

von Stefan Niederwieser  


Left Boy könnte ein Großer werden. An Voraussetzungen dazu mangelt es nicht. Wir haben ihn getroffen kurz bevor er sich entscheiden muss, ob er vom Fünf- oder Zehn-Meter-Brett springen soll.

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Quelle: The Gap 124


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Das Interview hat er dann nur in seiner gebügelten Version freigegeben. Left Boy ist seine Präzision wichtig. Einmal wechselt er im Gespräch versehentlich ins Englische. Es ist die Sprache, in der er lebt, in der er textet. Mit einer Reihe von genau überlegten Videos, einem Mixtape und Gratis-Tracks hat sich Left Boy so viele Facebook-Fans wie Soap & Skin oder Christina Stürmer gezüchtet. Er funktioniert als seine eigene Hype-Maschine, baut im Netz an seinen Meilensteinen zum Erfolg. Eine Million Youtube-Klicks, 1500 auf Twitter, ein maximal ausverkauftes Konzert im WUK. Woman hat ihn interviewt, das Mica, FM4, News wollte es machen – klingt beeindruckend, dabei ist Österreich nicht sein Fokus. Er wohnt halb in New York. Denn hier fragt man zu oft nach dem Papa.

Der ist zwar nicht ganz egal, aber um den näselnden Weißbrot-Flow von Left Boy sehr besonders zu finden, muss man keinen Umweg über die Biografie nehmen. In seinen Songs rechnet er stilvoll mit einer Ex ab, schickt die Neider heim, auf dass sie sich ficken mögen, erzählt von guten Momenten und den schlechten, seinem Swag und seinen Selbstzweifeln. Leute wie Drake, Casper oder Kanye haben spätestens 2011 einen Typus Rapper populär gemacht, der mehr mit seinen eigenen Schwächen beschäftigt ist, als mit dem Knarren, Games und heftigen Aufschneidereien. Die Themen von Left Boy sind dabei noch nicht ungewöhnlich, er erzählt keine erdrückenden Geschichten von der Straße, aus dem Leben in der Unterschicht auf dem Weg nach oben, und seinen Sprachbildern fehlen noch Schärfe und jene Slogans, die man sich im sozialen Netz dann zuwirft. Aber seine Art zu rappen, diese grelle Art die Wörter zu drehen, sie herauszupressen und Silben hinauszuzögern bekommt man schwer aus dem Kopf. Dass er noch dazu in seinen Videos die richtigen Bilder liefert, in denen er mal mit Luftballons, Messern oder Rauchbomben hantiert, aber irgendwie immer cool verloren wirkt, macht die Sache noch eindrucksvoller. In „Outro“ entwickelt er über fast vier Minuten einen Synth in immer anderen Beat-Mustern weiter, klassischer Songaufbau ade. Für seine weltbekannten Samples von Daft Punk, Lana Del Rey oder Radiohead bekommt er allerdings kein grünes Licht solange die grünen Scheine nicht stimmen.

À propos: Der Vater heißt André Heller. Wie Julian Casablancas und Albert Hammond Jr. (The Strokes), Steve Aoki, Mark Ronson, Sam Spiegel (N.A.S.A.) oder auch sein Vater früher hat er dadurch Voraussetzungen, die es ihm ermöglichen international zu denken und seine Tracks, Videos und Postings so lange zu schärfen, bis der letzte Zweifel verschwunden ist. Nun sind diese Herren nicht unbedingt bekannt dafür uninteressante Musik zu machen. Nur wenn man sie ohnehin diffus schlecht findet, ist ein Elternhaus eine allzu einfache Ausrede um nicht genauer hinzuhören.

Noch gibt es keinen offiziellen Left Boy-Release. Und kaum Interviews. Bei seinem Perfektionismus kann das eventuell noch bis 2013 dauern. Aber wenn dann wirklich ein Album kommt, dann mach dich auf eine Beats- und Bilderflut gefasst, die Swag, Kunst, Flow und Gefühle hat.

 

Machst du gerade viele Interviews?

Ja ich freue mich über das große Medieninteresse. Ich versuche die Interviews vorsichtig anzugehen.

Cirka seit Sommer 2011 veröffentlichst du verstärkt Videos und Tracks.

Ich hab meine Fanpage vor vier Jahren gestartet und bis ich 700 Likes hatte, habe ich eigentlich gar keine Promo gemacht. Damals gab es schon Songs von mir, die man heute nicht mehr so leicht im Netz findet. Bei 700 Fans hab ich eine Aktion gestartet, dass ich bei tausend, 1.500 und 2.000 Fans die nächsten Tracks veröffentlichen werde – und über Nacht waren es tausend und eine Woche später schon 3.000. Ich hatte damals um die 20 unveröffentlichte Songs für ein Album und sah mich ein Jahr lang nach einem Label um. In der Zeit, 2009 cirka, hatte ich zwei Musikvideos gedreht, die nie rausgekommen sind, weil sie nicht meinen Vorstellungen entsprochen haben. Seit damals gibt es auch meinen Manager Gonzalo in Berlin und London, der mich mit seinem Enthusiasmus und seiner Einsatzfreude überzeugt hat. 

Da ich in dem Jahr wenig veröffentlicht habe, verlor ich an Hype und entschied als Reaktion meine erste Mixtape gratis ins Netz zu stellen. Seit dem versuche ich so oft wie möglich ein Musikvideo zu drehen und den Fans zu bieten. Letzten Jänner habe ich wieder eine Aktion gestartet, um für eine Veröffentlichung Likes auf Hypem.com zu bekommen. Damit habe ich es dort gleich dreimal in einer Woche in die Charts geschafft. Es ist ein gutes Gefühl wenn eine Idee aufgeht. 

War das Material stärker?

 

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