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Wie filtern wir in Zukunft Information?
von Martin Mühl, Thomas Weber
Die zunehmende Daten- und Informationsflut scheint zu beunruhigen. Auch wenn die Beschäftigung mit dem Phänomen lohnt, besteht kein Grund zur Sorge.
Wem vertrauen wir?
Glücklicherweise ist der Mensch seit Millionen von Jahren darauf trainiert, die Informationen zu selektieren, die für sein Leben (und Überleben) erforderlich sind, und so kommen wir auch heute in den meisten Fällen mit der Informationsflut zurecht – vor allem durch Selektion der Quellen. Das ist kein neuer Mechanismus. So las man schon vor Jahrzehnten – wenn überhaupt – im Regelfall eine Tageszeitung und verlässt sich auf den Filter »Redaktion«. Inzwischen hat sich die Informationsbeschaffung ins Internet verlagert, aber auch dort beschränken sich die meisten auf ein Nachrichtenportal. Mit dem Aufkommen der Social Networks ist ein neuer Filter entstanden, bei dem das Medium Internet seine Stärken ausspielen kann: Plötzlich liest man Artikel aus Zeitungen, die man nie gekauft hätte, die vielleicht auch gar nicht in der nächsten Trafik vertrieben werden. Diese Art der Informationsvermittlung sehe ich derzeit als eine der spannendsten: Neben dem Informationsgehalt des Artikels erfahre ich auch persönliche Interessen des »Freundes« (um es im Facebook-Jargon zu sagen), und kann so Anknüpfungspunkte finden, auf die ich bei der Lektüre des Wochenmagazins Profil nicht gestoßen wäre.
Eine besondere Aufmerksamkeit muss man den Informationen widmen, die in einem konkreten Zusammenhang zu einem wirtschaftlichen Wirken stehen. Aus Sicht einer Privatperson könnte das die Recherche vor einer größeren Anschaffung stehen. Im Netz finden sich technische Informationen aller Produkte, die in den meisten Fällen für den Laien nicht aussagekräftig sind. Die Webseiten der Hersteller sind Marketing-Instrumente, zusätzliche Quellen sind erforderlich, um eine Bewertung vornehmen zu können. Auch hier stellt sich die Frage: »Wem vertraue ich?« Wann immer kommerzielle Interessen im Spiel sind, muss man die Seriosität der Quelle und der dortigen Information hinterfragen. Die Einfachheit, Information mittels Internet zu verbreiten, kann auch missbraucht werden, und so wundert es nicht, dass es mittlerweile Agenturen gibt, die positive Produktbewertungen in verschiedenen Bewertungsportalen als Dienstleistung anbieten. Also ist es auch in diesem Fall das Beste, wenn es einen »echten« Freund gibt, der einem weiterhelfen kann – da ist die Gefahr am geringsten, dass seine Meinung gekauft ist. Leider habe ich nicht genügend davon, um alle Produktgruppen abzudecken.
Franz Knipp ist 36 Jahre alt, Vater zweier Kinder und leitender Software-Entwickler in Wien. www.m-otion.at
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NächstesCurated Content wird derzeit zum Schlagwort in den Marketing-Abteilungen und immer mehr Unternehmen und Marken beginnen zu verschiedenen Zwecken nun auch als Content-Lieferanten aufzutreten. Fast zwangsweise herrscht dort Aufbruchsstimmung und man blickt positiv nach vorne. Beinahe überall anders aber scheint der Blick in die nähere Zukunft unserer Informationsgesellschaft eher Sorgen zu bereiten. Ängste und Befürchtungen werden ausgedrückt – nicht zuletzt in den Medien, die ihrerseits kein Geschäftsmodell zu finden scheinen, das ihr Fortbestehen sichert, damit sie die Funktion des Filterns und Aufbereitens von Information für uns weiter gewährleisten können. Wie soll man sich im ständigen Strom vermehrender Informationen und Daten überhaupt noch zurechtfinden? Wie können wir sichergehen, dass für uns wichtige und relevante Informationen ankommen? Wem sollen wir vertrauen, für uns vorzufiltern? Überlassen wir das global agierenden Unternehmen wie Google, müssen wir selbst einen Algorithmus schreiben oder reicht es gar, sich auf das soziale Umfeld (Facebook oder offline) zu verlassen? Und letztlich: Wie sollen wir den ganzen Informationsmüll, der uns umgibt, entsorgen oder endlagern?
Es ist ein Faktum, dass sich vorhandene Information laufend vermehrt – und dazu kann man eigentlich alles zählen: berufsbezogene Daten, Unterhaltung und private Kommunikation. Ebenso vermehren sich aber auch die (digitalen) Kanäle, über die wir auf diese Information zugreifen bzw. diese an uns herantritt. Echter Anlass zu Sorge muss das alles aber trotzdem nicht sein. Wir werden nichts Wichtiges verpassen, müssen uns aber wohl spätestens jetzt von der Illusion verabschieden, Überblick bewahren zu können. Vollständigkeit wird in diesem Sinne aus unserem Vokabular und unseren Köpfen als Kategorie verschwinden. Eigentlich beruhigend.
Am 22. Juni 2011 wird im Rahmen von twenty.twenty, einer Veranstaltungsreihe von A1 und The Gap, im Wiener Hub zum Thema »Social Information Managing. Wie wird die Gesellschaft in Zukunft mit Information umgehen?« diskutiert. www.twentytwenty.at


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