Tapetenwechsel?
11.09.2012
» wortwechsel

Was müsste passieren, damit du zurück nach Österreich kommst?

von Benjamin Agostini, Thomas Weber  


Wenn die Heimat zu öde wird: Mehr als 5.000 Österreicher im Jahr denken beim Ausland an mehr als nur an Urlaub, Studium oder Stipendium. Fünf Auswanderer erklären, was sie dazu bewegt hat. Und was sie zurückbringen könnte.

Mark Unterberger, Royalties Specialist, Beverly Hills

Mark Unterberger, Royalties Specialist, Beverly Hills

»Genug Sonne«

Ich lebe seit mehr als fünf Jahren in Venice Beach, Kalifornien und bei mir muss mittlerweile nichts mehr geschehen, damit ich nach Österreich zurückkomme. Warum? Weil ich vor Kurzem fix beschlossen habe im Juni 2013 – also dann insgesamt nach sechs Jahren – den USA den Rücken zu kehren.

Meine Entscheidung basiert im Wesentlichen auf drei Gründen – soziale, freizeittechnische und gesellschafts- bzw. wirtschaftspolitische. Zum Ersten vermisse ich meine Eltern, die in der Zwischenzeit in ein »gewisses« Alter kommen, und auch meine vielen Freunde in ganz Österreich. Soziale Beziehungen mit Menschen, die man mag, werden immer wichtiger, je länger man weg ist, zumal sie in den USA auch schwerer aufzubauen sind. Zum Zweiten habe ich hier in den USA nur zwei bis drei Wochen Urlaub, die ich nutze, um ein Mal im Jahr nach Österreich zu kommen. D.h. aber genauso, dass ich sonst nicht mehr reisen kann, obwohl das Reisen meine größte Leidenschaft ist. Der dritte Grund ist, dass die USA gesellschafts- bzw. wirtschaftspolitisch nicht unbedingt mein bevorzugtes Land sind.

Der Plan war, einige Jahre in der Sonne Kaliforniens zu genießen und das hat sich auch ausgezahlt, aber dieser Plan hat sich auch bis jetzt nicht geändert. Ich würde aus den genannten Gründen nie für länger oder gar für immer hier bleiben. Ein halbes Jahr in Wien und ein halbes Jahr in L.A. wäre vielleicht interessant, aber wenn man sich für einen Standort entscheiden muss, und alle Faktoren auf die Waagschale legt, gewinnt Österreich.

 

Mark Unterberger, 37, ist Music- und Tech-Lover, Royalties Specialist für die Concord Music Group in Beverly Hills, California und Gründer der Firma Alpine Music Services in Venice Beach, California, über die er verschiedene Musik-Serviceleistungen, aber hauptsächlich Interviews für u.a. Warner Music GSA (Green Day, Linkin Park, Red Hot Chili Peppers, Seal, usw.) durchführt.

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Bild: Wortwechsel_24.png


Quelle: The Gap 129


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Was hält einen im eigenen Land? Familie und Freunde? Beruf? Ein Grundstück? Auch wenn die Lebensqualität stimmt, lassen sich viele gute Gründe finden, um Österreich zu verlassen und Fuß auf neuem Grund zu fassen. Möglicherweise ist man mit dem Bildungssystem nicht zufrieden, der Mode, dem Spielplan in Konzerthallen, dem Geschäftsklima, der Transparenz in Wirtschaft und Politik, den Kellnern, Daily Soaps, der Werbung, der Wehrpflicht, den Trainingsbedingungen im Sport, dem Liebesleben oder man hat schlicht Fernweh und eine unbändige Neugier im Herz.

»Das österreichische Politikgeschehen fördert nicht gerade das Bedürfnis heimzukehren.« (Florian Grassl)

Laut einem Artikel in Die Presse (Ausgabe vom 16. August 2012) wandern jährlich fast 20.000 Österreicher ab und etwa 15.000 kehren wieder zurück. Ergo verlassen jedes Jahr rund 5.000 Menschen ihr Land. Gleichzeitig ist es (nicht nur) für Akademiker, die ihre Ausbildung in Österreich abschließen, nicht sehr attraktiv zu bleiben. Die Rot-Weiß-Rot Card wird nur an jene Master- und Diplomabsolventen ausgestellt, die innerhalb eines halben Jahres einen Job mit einem Bruttogehalt von 1.903,50 Euro finden. Gehälter liegen in manchen Branchen deutlich unter dem deutschen Niveau. Der sogenannte „Brain Drain“ setzt ein.

Natürlich will dies verhindert werden, und so greift der Staat zu Nation Branding, um sich am Ländermarkt besser in Pose zu bringen. Ob diese Maßnahme alleine genügt, um die Auswanderung zu stoppen, ist zu bezweifeln. Viele negative Aspekte sind zu tief verwurzelt, um in den nächsten drei Jahren eine Änderung herbeizuführen. Aber was könnte das denn überhaupt sein, was müsste passieren?

 

Mehr Artikel zu unserem Titelthema Nation Branding gibt es hier: www.thegap.at/nationbranding

 

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